ORF-Wahl: "Bedenkliche" One-Man-Show

Macht im Nacken: Wrabetz hat die Mehrheit im Stiftungsrat hinter sich
Foto: APA / Roland Schlager

Alexander Wrabetz wird am Dienstag als ORF-General verlängert. Die Redakteure kritisieren den Stiftungsrat und Peter Pilz seine Partei.

Am Dienstag wird Alexander Wrabetz als erster ORF-Generaldirektor nach Gerd Bacher wiederbestellt. Die Mehrheit aus Rot, Grün, Orange und unabhängigen Vertretern steht seit Monaten fest - und garantiert ihm eine Mehrheit im Aufsichtsgremium, dem Stiftungsrat . Mangels Alternativen - es gibt mit ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz nur einen Gegenkandidaten - wird das Votum deutlicher ausfallen.

RTL -Group-Chef Gerhard Zeiler hatte wegen der politischen Einmischung zuvor schon auf eine Kandidatur verzichtet. Andere Manager folgten seinem Beispiel.

Kurz vor dem Votum schwenken auch schwarze Ländervertreter auf Wrabetz-Kurs. Etwa Oberösterreichs Josef Pühringer: "Die Bewerbungslage ist, wie sie ist." Ein Antrag auf Verschiebung der Wahl, wie er in bürgerlichen Kreisen diskutiert wurde, scheint damit endgültig vom Tisch.

Peinlich

Macht im Nacken: Wrabetz hat die Mehrheit im Stiftungsrat hinter sich Foto: APA / Roland Schlager Macht im Nacken: Wrabetz hat die Mehrheit im Stiftungsrat hinter sich

Doch in den sich abzeichnenden Wrabetz-Triumph mischen sich Misstöne: Das Wochenende stand im Zeichen der Affäre ums "Nikofon". Ein - später umformuliertes - Zitat von SPÖ-Stiftungsrat Niko Pelinka im Magazin Fleisch online hatte den Eindruck erweckt, Wrabetz spreche mit ihm Einladungen zur Diskussionssendung "Im Zentrum" ab. Beide wiesen das vehement zurück. Was blieb, ist das Eingeständnis Pelinkas: "Wir telefonieren ziemlich häufig."

"Das ist peinlich, das ist öffentlich-entmündigter Rundfunk", sagte Grün-Mandatar Peter Pilz zum KURIER. Er hält es für einen "taktischen Holzweg", dass seine Partei bzw. ihr Stiftungsrat Wilfried Embacher für Wrabetz eintritt. Dieser sei "das Schlechteste, das dem ORF derzeit passieren kann", ein "Zeichen für Parteibuchwirtschaft und Regierungsabhängigkeit". Auch wenn bei den Grünen Absprachen mit der SPÖ statt mit der ÖVP als "kleineres Übel" empfunden werden - "wer eine Politik des kleinsten Übels betreibt, wird selbst zum kleinsten Übel", warnt Pilz.

"Bedenklich"

Als "zwangsläufig bedenklich" sieht der ORF-Redakteursrat, dass es nur einen ernsthaften Kandidaten gibt. Bedenklich sei auch, dass Stiftungsräte zunächst den General wählen, um dann, etwa als Direktor, selbst in den ORF zu wechseln. Die Redakteure fordern deshalb Reformen. Pelinkas Aussagen werten sie zudem als "überdeutliches Zeichen völliger Uneignung" und als "unternehmensschädigend". Unter Verweis auf die OGM-KURIER-Umfrage zum ORF am Montag sehen sie die journalistische Unabhängigkeit in der ORF-Information als "größtes Plus der zu Ende gehenden Geschäftsführungsperiode". 61 Prozent der Befragten waren mit der ORF-Information zufrieden.

SPÖ-Klubchef Josef Cap verweist deshalb auf die im europäischen Vergleich hohen Reichweiten der ORF-Sender. "Das ist ein Beweis für das Vertrauen der Leute in die Unabhängigkeit." Warum aber 44 Prozent meinen, die SPÖ habe den größten Einfluss auf den ORF, kann Cap nicht beantworten.

"So lange der ORF im Staatsbesitz ist, wird die Politik mitreden", urteilt BZÖ-Mediensprecher Stefan Petzner. Der ORF solle deshalb in die "privatwirtschaftliche Freiheit" entlassen werden.

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(KURIER / Christoph Silber, Dominik Sinnreich) Erstellt am
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