Kultur
11.04.2012

ORF-Standort: Funkhaus wieder im Rennen

In der Standortdebatte des ORF sind die Uhren wieder auf Null gestellt worden. Eine Mehrstandort-Option scheint wieder möglich.

In der ORF-Standortdebatte sind die Uhren wieder auf null gestellt worden: Bei der Sitzung der Arbeitsgruppe des Stiftungsrates am Dienstag sind erneut alle drei Varianten aufs Tapet gekommen. Damit scheint auch die von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eigentlich bereits ausgeschlossene Mehrstandort-Option wieder möglich. Der ORF-Chef solle nun für alle drei Möglichkeiten präzisere Berechnungen vorlegen und dies mit einer Vision für den künftigen ORF unterfüttern, berichtet die APA.

Wrabetz hatte der Arbeitsgruppe ursprünglich Berechnungen für zwei Varianten vorgelegt: Der Verbleib am Küniglberg mit Konzentration aller derzeitigen Häuser an dieser Stelle sowie die Absiedelung nach St. Marx. Die Arbeitsgruppe plädierte jedoch dafür, auch die von Wrabetz bereits ad acta gelegte Variante drei, nämlich den Erhalt aller bisherigen Standorte (samt Funkhaus und Ö3-Gebäude), durchzurechnen. Außerdem solle Wrabetz eine konkrete Vision für den künftigen ORF vorlegen, die ebenfalls in die Berechnungen einfließen solle. Darauf basierend müsse dann die günstigste Variante gewählt werden. Bis Ende Mai soll Wrabetz die Berechnungen vorlegen und seine Präferenz präsentieren.

Standortgruppe tagt im Juni

Im Juni wird die Standortgruppe noch einmal tagen und die Entscheidung für den Stiftungsrat aufbereiten. Dieser will am 28. Juni die Standortentscheidung fällen. Dies ist aus zweierlei Sicht notwendig: Die Stadt Wien bietet bis Ende Juni vergünstigte Konditionen für das Areal in St. Marx, außerdem wird sonst laut Insidern der Zeitplan für einen Umzug zu knapp.

Kritik am bisherigen Prozedere übte FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger, der der Sitzung der Arbeitsgruppe am Dienstag laut Standard fernblieb. Steger ortet eine "Bruchlinie" zwischen Wrabetz, "der sich nicht festlegt", und Finanzdirektor Richard Grasl der "gegen Neubau" sei. Er wolle eine "Vorstandsentscheidung, sachlich fundiert", so Steger.

Unterschiedliche Auffassungen zur Standortfrage soll es dem Vernehmen nach auch in der SPÖ geben. Während die rote Stadt Wien heftig für einen Umzug nach St. Marx plädiert, soll die Bundespartei eher abwartend sein und vor einem neuen Debakel à la Skylink warnen.

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