ORF: SPÖ-Dompteur für den Küniglberg

Der Einflüsterer: Niko Pelinka (24) mit Alexander Wrabetz (51)
Foto: apa

Der Wahlkampf im ORF geht in die heiße Phase: Wrabetz schließt einen Wechsel des SPÖ-Mannes Niko Pelinka in den ORF nicht mehr aus.

Mit einer breit angelegten Regenbogen-Koalition hat sich Alexander Wrabetz vor fünf Jahren zum ORF-Generaldirektor küren lassen. Nun, rund einen Monat vor seiner voraussichtlichen Wiederwahl am 9. August, gibt er ein deutliches Signal an seine mächtigsten Unterstützer ab: Wrabetz schließt, zumindest in inoffiziellen Gesprächen, nicht mehr aus, dass ORF-Stiftungsrat und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter Niko Pelinka nach der Wahl an prominenter Stelle in den ORF wechseln könnte.

Pelinka (24) arbeitet derzeit in der Kommunikationsabteilung der ÖBB und wurde von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas auf den Küniglberg entsandt. Dort gilt er nun allgemein als ORF-Strippenzieher der SPÖ.

"Denkbar ist ein Engagement als ORF-Generalsekretär oder - wegen des in diesem Fall erwartbaren Aufschrei der ORF-Journalisten - an führender Stelle im ORF-Kommunikationsbereich", berichtet am Donnerstag die APA . Und weiter: "Wie einst der enge Wrabetz-Vertraute Pius Strobl könnte Pelinka, mit dem sich Wrabetz schon jetzt bei wichtigen Fragen in täglichen Telefonaten abspricht, dann als Generalsekretär ohne Titel agieren."

Offiziell äußert sich Wrabetz im APA-Gespräch dazu nur zurückhaltend. "Ich habe bis jetzt ganz gut ohne Generalsekretär gearbeitet. Pelinka hat einen Wechsel selbst mehrmals dementiert, daher ist das auch kein Thema."

Auch Pelinka, ehemals Pressesprecher von Kulturministerin Claudia Schmied, hat Ambitionen in diese Richtung bisher heftig bestritten. In seinem Auftreten - das Medien gegenüber nach ORF-kritischen Berichten überaus ruppig werden kann - "erinnerte er zuletzt aber mehr an einen operativen ORF-Mitarbeiter als an ein Mitglied des Aufsichtsgremiums", vermerkt die APA.

Ebenso soll er sich in die Gestaltung der Gästelisten des Polit-Talks "Im Zentrum" intensiv einbringen, berichten demnach ORF-Mitarbeiter. Und am Küniglberg wird kolportiert, dass Pelinka mit Mitarbeitern potenzielle Karrieren bespricht.

Pelinka hat schon lange enge Verbindungen zu Wrabetz. Vater Peter ist dem heutigen ORF-General seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden. Nikos Onkel ist der bekannte Politologe Anton Pelinka.

Wrabetz jedenfalls verwehrt sich im Interview gegen etwaige personalpolitische Zugeständnisse bei der Wahl: "Direktorenposten gibt es für überhaupt niemanden, außer für das Publikum."

Zur Person: Junger SPÖ-Aufsteiger

Familie: Vater Peter ist Redaktionsleiter des Wochenmagazins News und moderiert den ORF-Talk "Im Zentrum". Politologe Anton Pelinka ist Niko Pelinkas Onkel. Niko Pelinka ist Teil des "Young Boys-Netzwerk" von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas.

Karriere: Engagement im Nationalratswahlkampf 2006. Parlamentarischer Mitarbeiter beim heutigen Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder, dann Pressesprecher von Kulturministerin Claudia Schmied. Derzeit ORF -Stiftungsrat und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter.

(KURIER) Erstellt am
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