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Neuer Chef des ORF-Orchesters: „Wir sind kein Luxusartikel“

Markus Poschner startet als Chefdirigent – und mal wieder steht die Zukunft des Orchesters zur Debatte. Dieses habe aber „kein Ablaufdatum“, sagt er.
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Der Start war vielleicht weniger einladend, als man das bei neuen Chefdirigenten sonst kennt. Als Markus Poschner im Februar 2025 in mehreren Interviews – darunter im KURIER – über seine Pläne als nächster Chefdirigent des ORF-Radiosymphonieorchesters Wien (und über die ewigen Einsparpläne) sprach, ließ man vom Küniglberg herab wissen, dass die Aussagen die „Privatmeinung“ Poschners seien. Und dass in seinem Vertrag eine Klausel enthalten ist: Er tritt nur dann in der Saison 2026/27 als Chefdirigent an, wenn die Finanzierung des Klangkörpers, den der ORF bei Sparbedarf gerne auf die sogenannte Geiselliste setzt, gesichert ist.

Nun also tritt Poschner diesen Job an – auch wenn die langfristige Finanzierung aufgrund der jüngsten Regierungssparmaßnahmen – es geht um 70 bis 90 Millionen zusätzlichem Sparbedarf – wieder alles andere als fix scheint. Bis 2029 sollte der ORF eigentlich mehr Geld aus der Haushaltsabgabe bekommen, wenn er das RSO weiterbetreibt.

Wie geht es weiter mit dem RSO? Was heißen die Sparmaßnahmen für das Orchester? Aus dem ORF kommt auf KURIER-Anfrage nur ein allgemeines Statement, das zumindest nicht nach absolutem Bekenntnis zum Klangkörper klingt.

„Der ORF steht auf Gund der zusätzlichen Sparvorgaben vor einer herausfordernden Situation. Der Finanzplan für das kommende Jahr wird derzeit erarbeitet. Details können derzeit noch nicht genannt werden.“

von ORF

zur zukünftigen Finanzierung des RSO.

Wie also kann man diesen Job mit dem nötigen Optimismus antreten? 

Eine Zukunftsfrage

„Wir leben“, sagt Poschner im KURIER-Gespräch, „in einer sehr aufregenden Zeit, um es mal so zu formulieren. Natürlich gibt es nichts zu verschenken, und irgendwer muss die Rechnung bezahlen. Die Mittel werden knapper. Die zentrale Frage für mich ist: In welcher Welt wollen wir leben? In dieser Zukunft Kultur und Kunst zu beschneiden, ist kein gutes Zeichen.“

Der ORF, betont der Münchner, der zuletzt das Bruckner Orchester in Linz leitete, verstehe sich als „größte Bildungsinstanz in Österreich. Und wir sind innerhalb dessen als Orchester die größte Bildungsmaschine. Wir sind komprimiert all das, wofür der ORF steht. Ein Orchester mit dieser Expertise, mit diesem Profil und diesen Möglichkeiten hat kein Ablaufdatum. Davon bin ich felsenfest überzeugt.“

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Aber ist man das auch im ORF? Auch wenn das Orchester etwa beim Song Contest sehr prominent zu sehen war, manche scheinen es lieber früher als später einsparen zu wollen. „Ich habe gute Gespräche im Konzern geführt, mit Menschen, die zuhören“, sagt Poschner. 

Was sagt er denen? „Wir hatten diese Diskussion ja auch während der Pandemie: Kann man auf Kunst und Kultur verzichten, ist sie systemrelevant?“, sagt Poschner. Aber „dieser Begriff ist ein Wahnsinn. Kultur und Kunst sind humanrelevant. Das ist, was wir Menschen brauchen, wenn wir in einer Gesellschaft aufeinander zugehen wollen, wenn wir verhindern wollen, dass wir weiter fragmentieren, dass wir weiter polarisiert werden. Jeder lebt nur noch in seiner Bubble. Wir müssen einander zuhören. Da haben wir gerade als RSO wirklich Expertise.“ 

Es gehe um gemeinsame Erlebnisse, betont der Dirigent. Diese will er auch in neuen Formaten ermöglichen: Im Musikverein verbindet er bei „Poschners Meilensteinen“ Werkerläuterungen mit den Aufführungen; im Konzerthaus gibt es Einführungen mit Poschner, bei den en ausgewählte Passagen des jeweiligen Werkes gespielt und erläutert werden; im RadioKulturhaus finden öffentliche Proben statt. Am heutigen Samstag spielt das Orchester das Eröffnungskonzert des Carinthischen Sommers.

Was sind seine künstlerischen Ziele beim RSO, gibt es Defizite? „Wir beherrschen viele Dialekte“, sagt Poschner, viele verschiedene Stile vom Jazz (der Poschner besonders wichtig ist) bis zur zeitgenössischen Musik. Defizite sehe er keine, sagt Poschner. Er wolle „mehr Breite im Repertoire“ erarbeiten, die bisherigen künstlerischen Positionen – wie die entscheidenden Werke des 20. Jahrhunderts und Zeitgenössisches – vertiefen. Das Orchester „und wir alle müssen uns immer wieder provozieren, erneuern, erschüttern und überraschen“. Denn Poschner sieht in der durch Algorithmen beherrschten Welt die Gefahr, „dass wir unseren Horizont verengen“. Kunst und Kultur können hier die Möglichkeit bieten, auszubrechen, „Resonanz in den Menschen auszulösen.“

Und besonders die Musik ist „eine Möglichkeit, mit unserem Inneren in Kontakt zu treten“, betont Poschner. Das alles beweise: „Wir sind kein Luxusartikel, wir sind kein Orchideenfach, von dem man sagt, das ist etwas, das wir uns nur hier und da gönnen wollen.“

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