Intendantin Nadja Kayali: „Kunst muss verbindend wirken“
Das dritte Programm von Nadja Kayali (li.) beim Carinthischen Sommer startet am morgigen Donnerstag und läuft bis 2. August.
Es ist, sagt Nadja Kayali, „nichts eindimensional. Die Welt, die Kultur ist immer aus einer Melange entstanden.“
Mit ihrem dritten Programm als geschäftsführende Intendantin des Carinthischen Sommers will sie unter dem sprechenden Motto „fern & nah“ Vielschichtigkeit abbilden – und das in jeder Hinsicht, wie sie im KURIER-Gespräch bei einer Melange erzählt. Etwa dadurch, Menschen zu den Konzerten zu bewegen, die sonst nicht teilhaben würden. Oder könnten. Daher gibt es dieser Tage in Villach arabischsprachige Plakate – und auch einen Solidaritätsfonds für jene, die sich Kulturveranstaltungen nicht leisten könnten.
„Ich gehe sehr viel durch die Stadt, bin immer wieder in einem syrischen Café, sitze dort und rede mit den Menschen. Dann kommen die auch. Es ist nicht leicht, aber ich glaube daran. Wir haben auch einen syrischen Klarinettisten zu Gast. Diese hier wohnenden Menschen haben sicher auch eine Sehnsucht nach ihrer Heimat“, sagt die Leiterin.
Reagieren da andere Teile der Bevölkerung – Stichwort zweisprachige Aufschriften in Kärnten – nicht empfindlich? „Schauen wir mal“, sagt sie. „Dass ich damit nicht allen gefalle, damit muss man leben. Das wäre auch langweilig. Wir haben Menschen im Land, die nicht in diesem kulturellen Kontext aufgewachsen sind. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu ermöglichen, Zugang zu dieser Welt zu bekommen. Und wir müssen da dranbleiben.“
Rudolf Buchbinder ist einer der Stammgäste des Festivals.
Verbindend
Schon im Vorjahr gab es ein syrisches Konzert – und darauf bei Folgeveranstaltungen ein „nicht ganz klassisches Publikum. Das gibt es nicht oft, darauf bin ich stolz. Wir müssen mit Kunst die Menschen verbinden. Und das ist eigentlich total irre.“
Warum? „In unserer Jugend war es genau umgekehrt“, sagt Kayali, die unter anderem als Regieassistentin von Christoph Marthaler, als Dramaturgin und Regisseurin gearbeitet hat. „Wir mussten provozieren, wir mussten etwas bewegen. Ich bin nicht dogmatisch, aber ich empfinde es so, dass Kunst heute verbindend wirken muss.“
Das ist auch der Claim der heurigen Konzerte. Der Carinthische Sommer sei für sie „nicht einfach nur ein bisschen Musik hören und schöne Natur rundherum, sondern für mich geht es darum, gesellschaftlich zu wirken“.
Birgit Minichmayr tritt am 19. Juli auf.
Dabei probiert sie auch neue Formate aus, etwa die acht Morgenkonzerte, bei denen in der evangelischen Kirche in Villach 2.000 Personen neu entstandene Texte renommierter Schriftstellerinnen hören, die dann sogar als Bücher verlegt werden. „Wir haben zehn Minuten Text, zwanzig Minuten Musik und nachher setzen wir uns bei einem Kaffee zusammen und reden. Musik, Literatur, Diskurs – diese große Idee des Festivals verwirkliche ich bei den Morgenkonzerten im Miniaturformat. Das hat echt etwas bewirkt!“ Denn „man kann nicht immer nur einfach konsumieren. Und wogegen ich wirklich etwas habe, ist die permanente Beschallung, die unser Ohr kaputt macht und unsere Konzentration einschränkt.“
Carinthischer Sommer
Der Carinthische Sommer 2026 unter dem Motto „fern & nah“ (2. 7. bis 2. 8.) setzt auf einen Mix aus Stars und Unbekanntem: Mit dabei Geigerin Hilary Hahn und die Kammerphilharmonie Bremen unter Omer Meir (22. 7.), Publikumslieblinge wie Birgit Minichmayr (19. 7.), Joachim Meyerhoff (24. 7.) und Georg Nigl (9. 7.), Stammgäste wie Rudolf Buchbinder und das RSO unter Chefdirigent Markus Poschner (11. 7.).
carinthischersommer.at
Wie steht es ums Geld? „Wir haben bis jetzt 4.000 Karten mehr verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, sagt Kayali. „Das zeigt natürlich schon, dass da etwas passiert ist. Wir wissen, dass das Festival nicht in bester Kondition war. Und mir war schon klar, dass man da echt was tun muss. Die Politik hat mir ein Grundvertrauen entgegengebracht.“ Aber wie geht es weiter? „Es kommen keine leichten Zeiten auf uns zu“, sagt die Intendantin. Für 2027 bis 2029 gibt es einen leicht erhöhten Dreijahresvertrag des Landes Kärnten, also Planungssicherheit. Und Kayali setzt darauf, „dass uns der Tourismus künftig mehr auf dem Schirm hat. Der setzte bisher mehr auf Entertainment, Action und Leichtigkeit. Aber wir sind buchungsrelevant geworden, am Eröffnungswochenende 2025 war kaum ein Zimmer zu finden in Villach. Und die Eröffnung des Koralmtunnels ist für uns ein Gamechanger. Ich glaube, der Tourismus ist gerade dabei, uns zu entdecken.“
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