ORF-Chef spricht von "Fake News gegen das Unternehmen"

Alexander Wrabetz
Foto: KURIER/Jeff Mangione Grantig im Gremium: ORF-Chef Alexander Wrabetz

Die Weitergabe von Protokollen an Journalisten sieht er als "kriminellen Akt"

Unüblich raue Töne sind am Mittwoch im Publikumsrat des ORF zu hören gewesen. Die Räte vermissten das lange von ihnen geforderte Volksgruppen-TV-Magazin im Jahressendeschema 2018 und drängten per Resolution einmal mehr einstimmig darauf. ORF-General Alexander Wrabetz wurde mit kritischen Fragen etwa zu Standort und ORF eins gelöchert und reagierte teils unwirsch.

"Sie sind nicht informiert"

Der bürgerliche Publikumsrat Andreas Kratschmar befürchtete eine Kostenexplosion durch die Verzögerungen beim Umbau am zentralen Standort Küniglberg. Eine Million Euro zusätzlich pro Monat würden kolportiert, der Generalplaner habe auch das Handtuch geworfen.
Wrabetz konterte harsch. „Fake News gegen das Unternehmen“ gebe Kratschmar hier wieder: „Sie sind nicht informiert.“ Der „Plan B“ für den Küniglberg „wird vorsehen, dass wir das Projekt in der vorgegebenen Laufzeit und innerhalb der vorgegebenen Kosten auch einhalten“, versicherte er. „Bitte, bewerben Sie sich für den Stiftungsrat“, legte er Kratschmar dann noch ans Herz. „Aber vermeiden Sie solch einen populistischen“ - hier zögerte Wrabetz und schloss: „Unsinn darf man gegenüber einem Gremienmitglied nicht sagen.“

"Krimineller Akt"

Wrabetz bestätigte „grundlegende Auffassungsunterschiede“ mit dem Generalplaner, der Nachforderungen stellte, aber mitnichten „davongelaufen“ sei, sondern weiter am Objekt 2 arbeite. Zugleich kritisierte er es als „kriminellen Akt“, dass entsprechende Protokolle aus dem Finanzausschuss des Stiftungsrats ihren Weg in die Medien gefunden haben (der KURIER zitierte aus dem Papier).

Spinnweben und Schleier des Nichtentscheidens

GegeAuch in Programmfragen hatte Wrabetz Gegenwind. Das Schema von ORF eins werde im Herbst 2018 grundlegend reformiert, „erste Schritte“ sollen im ersten Halbjahr zu sehen sein, berichtete er von der Arbeit an der „neuen Gesamtstrategie“ fürs erste Programm. Kratschmar geht das alles zu langsam: Schon vor fünf Jahren habe der Publikumsrat die Geschäftsführung zu Änderungen bei ORF eins aufgerufen. Ein „Schleier des Nichtentscheidens“ habe sich über den ORF gelegt, meinte er, und warnte davor, sich in Spinnweben zu verfangen.
Diese Formulierung lobte Wrabetz immerhin für ihre sprachliche Finesse. Den Aussagen der Grünen Rätin Eva Blimlinger, die unter anderem sinkende Quoten bei „Heute in Österreich“ beklagte, war das nicht vergönnt. „Es wird leider nicht besser, sondern schlechter“, meinte sie. Der ORF-Chef räumte ein, dass man derzeit „leicht“ unter den Vorjahreswerten liege, doch „wir nähern uns dem an“. Ziel sei, Anfang 2018 beim Ausgangsstand zu sein.

"Keine vorweihnachtliche Stimmung"

Zwischendurch hitzig wurde die Diskussion auch über das Volksgruppenprogramm. „Es herrscht offensichtlich keine vorweihnachtliche Stimmung im Raum“, entfuhr es Wrabetz einmal. Publikumsrats-Vorsitzende Ilse Brandner-Radinger rief zu einer konstruktiven Diskussion auf.
Das Gremium war nämlich höchst unzufrieden, dass seine „gescheite und legitime Forderung“ (Willi Mernyi, ÖGB) nach einem wöchentlichen halbstündigen Volksgruppen-Magazin in ORF III ignoriert werde. Per einstimmiger Resolution wurde die Geschäftsführung nachdrücklich aufgefordert, dies zu überdenken. Laut Wrabetz ist das 600.000 Euro teure Unterfangen nicht finanzierbar. „Wir bemühen uns bestmöglich unseren umfangreichen Programmauftrag unter einen Hut zu bringen.“ Doch der ORF fahre einen permanenten Sparkurs. „Das sind viele Einzelmaßnahmen, und da sind auch 600.000 Euro ein substanzieller Betrag“, zumal gemessen am ORF III-Budget.

Der Publikumsrat in seiner derzeitigen Zusammensetzung hat ein Ablaufdatum, er trifft sich in dieser Form noch einmal. Voraussichtlich am 3. Mai 2018 konstituiert sich das Gremium neu - dann mit von der künftigen Bundesregierung entsandten Mitgliedern an Bord.

(kurier / pwi) Erstellt am
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