Kultur
05.12.2017

Alexander Wrabetz: Catch Me If You Can

Analyse. Der größte Medienkonzern des Landes steht still. Der ORF-Chef hat die Wahlen abgewartet und entscheidet jetzt erst recht nichts.

Was heißt eigentlich "zeitnah"? Dass man noch zuwarten will. Erst jüngst verwendete ORF-Chef Alexander Wrabetz diesen Ausdruck im Zusammenhang mit der Ausschreibung der seit einem Jahr ausständigen Channelmanager für ORFeins und ORF 2. Die Bank, auf der er Prioritäten je nach politischer Wetterlage nach hinten schiebt, muss enorme Ausmaße haben. Und der Generaldirektor scheint im ersten Jahr seiner dritten Amtszeit endgültig im Modus "Catch Me If You Can" angelangt zu sein: Wenn ihr was von mir wollt, müsst ihr mich erst einmal festnageln können.

Zuletzt geschah das im März, als Wrabetz verkündete, er werde die strategisch angeblich so wichtigen Chefs für die beiden wichtigsten Sender des Landes "im April" ausschreiben. Dann kam die vorgezogene Nationalratswahl. Und damit die Verschiebung auf "nach der Wahl". Zuletzt wurde der Planungsstand bescheiden auf "zeitnah" zurückgefahren.

"Rund um den Jahreswechsel dürfte die Ausschreibung erfolgen", sagen informierte Kreise im ORF. Gemeint ist damit wohl: Schauen wir mal, ob es bis dahin eine Regierung gibt. Und was die will. Die Bank ist bekanntermaßen lang und nachdem das ORF-Fernsehen schon bisher ohne Channel Manager für ORFeins und ORF2 ausgekommen ist, kann man sich das bißchen Taktiererei locker leisten. Außerdem geht es im engeren Sinne um zwei Posten, die Wrabetz bei seiner Wiederwahl SPÖ und ÖVP versprochen hat. Noch immer weiß keiner, was die Channelmanager überhaupt dürfen.

Ein Plan wird kommen

Wie aber sieht es in heikleren Belangen aus? Die Mitglieder des obersten Aufsichtsgremiums, des Stiftungsrates, warten etwa schon sehnlich auf die Antwort, wann man denn mit einer klaren Ansage zum Bau-/Sanierungsprojekt Küniglberg rechnen darf. Das 303-Millionen-Euro-Projekt stockt wegen fehlender Widmungen. Wrabetz postulierte einen Plan B. Für wann? Ein Protokoll der Sitzung des jüngsten Finanzausschusses zeigt das inhaltliche Hickhack, das bei dem Thema dominiert. Ein Rat erinnert Wrabetz etwa daran, dass zwischen Jänner und März eine Sondersitzung abgehalten werden solle, um einen fertigen Plan B beschließen zu können. Jetzt sei die Rede davon, dass dieser erst im März vorgelegt werden solle. "Jeder Monat kostet Geld."

Wrabetz meint, dass sich dies wegen der Terminpläne des Gremiums nicht ausgehe. Ein anderer Stiftungsrat verlangt dann, dass man bitte im Dezember darüber aufklären möge, was bis März denn eigentlich vorgelegt werden solle. "Ein Überraschungsgeschenk kurz vor Ostern" sei nicht notwendig.

Mit dem ausgestiegenen Generalplaner Vasko stünden "harte Verhandlungen an", so Wrabetz, der hofft, "dass Vasko das Protokoll nicht liest". Bis Jahresende wartet man noch zu, ob die Stadt Wien oder der Bezirk entsprechend widmen. Dann steht bereits die nächste Bruchlinie im Kalender: Im Mai konstituiert sich der Stiftungsrat neu – die SPÖ könnte dann von der stärksten Fraktion mit 13 Mitgliedern auf unter sechs schrumpfen. Neue Mehrheiten, neue Zwänge: Klingt nach Verschiebung.