© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Kultur
09/15/2021

Opernlegende José Carreras: Ein letztes Mal spielte es in Wien Granada

Carreras nahm Abschied vom Haus am Ring, von Wien, wurde bejubelt, beschenkt und sorgte auch für einen sehr klugen Generationenwechsel.

von Peter Jarolin

Es war kein nur "schöner" Abend. Weder für seine zahllosen Verehrerinnen und Verehrer, noch für ihn selbst. Für die Fans deshalb nicht, weil der Ausnahmekünstler José Carreras zum letzten Mal auf der Bühne der Wiener Staatsoper stand. In jenem Haus, dem er seit seinem Debüt im Jahr 1974 stets verbunden war, in welchem er 1977 als Rudolfo in Giacomo Puccinis „La Bohème“ seinen internationalen Durchbruch feierte.

Und für Carreras selbst – diese Nebenbemerkung sei gestattet – auch nicht, da sein Lieblingsverein FC Barcelona zeitgleich gegen Bayern München mit 0: 3 unterging.

Starke Frauen

Hätte man dieses Spiel denn auf der Leinwand übertragen müssen? Nein! Auf einer vorbereiteten Video-Wall war nämlich noch ein Mal das zu sehen, was diesen Künstler ausgemacht hat. Die finale Szene von Bizets „Carmen“ etwa. Mit der grandiosen Agnes Baltsa – der Startenor hatte immer starke Frauen um sich und konnte so seinem lyrischen Tenor freien Lauf lassen. Eine (leider schon verstorbene) Montserrat Caballé als seine Mentorin und Bühnenpartnerin, eine (ebenfalls viel zu früh verstorbene) Mirella Freni als schlicht vollendete Mimi oder die Urgewalt einer Eva Marton als Puccinis „Turandot“ – das waren Opernzeiten, an die sich treue Besucher im Haus am Ring stets erinnern werden.

Und im Zentrum immer auch er: José Carreras, einer der legendären „Drei Tenöre“, einer der großartigsten Sänger, der nach seiner Leukämie-Erkrankung wieder zurückgekommen ist und in vielen Rollen weiterhin Maßstäbe gesetzt hat. Später in Form von Liederabenden.

„José Carreras ist ein Künstler, der dem Wort immer misstraut hat“, meinte denn auch Staatsoperndirektor Bogdan Roščić in seiner Laudatio auf José Carreras, der wiederum nur die Musik für sich sprechen ließ und für eine gute künstlerische Staffelübergabe sorgte.

Ja, Carreras sang einige Lieder von Francesco Paolo Tosti, Furio Rendine oder Rodolfo Falvo und wurde dabei von Lorenzo Bavaj am Klavier oder dem sehr philharmonischen Kallisto-Quartett (Albena Danailova, Andreas Großbauer, Robert Bauerstatter und Tamás Varga) adäquat und mit viel Liebe begleitet. Mit der Mezzosopranistin Elina Garanča – herrlich das Duett „Non ti scordar di me“ von Ernesto De Curtis – war ein amtierender Weltstar aufgeboten.

Mit der schwedischen Sopranistin Johanna Wallroth und dem madagassischen Bariton Michael Arivony waren zwei Mitglieder des neuen Opernstudios des Hauses am Ring zu erleben.

Starker Abgang

Und dennoch war es der bekannt wortlose Abgang des José Carreras, der das Publikum zu regelmäßigen Ovationen trieb. Der inzwischen 74-Jährige musste nur auf die Bühne gehen, ein bisschen (noch immer wunderbar einzelne Töne) singen und wurde gefeiert. Zugabe um Zugabe. Nach dem Konzert der Goldene Rathausmann aus den Händen von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und das Originalplakat der „La Bohème“ aus 1977 überreicht von Bogdan Roščić beendeten eine goldene Ära.

José Carreras – er verzichtete auf seine Gage zugunsten der gemeinnützigen „CAPE 10“-Stiftung – sagte ein letztes Mal Adieu: „Granada“, das war er dann, sein letzter Ton in Wien. Danke José Carreras!

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