WIENER OPERNBALL 2022 PK: ROSCIC

Ein eher gezwungenes Lächeln: Staatsoperndirektor Bogdan Roščić

© APA/HANS PUNZ / HANS PUNZ

Kultur
12/02/2021

Opernball oder Absage: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Trenklers Tratsch: Ist der Opernball in Zeiten der Pandemie das richtige Zeichen? Andrea Mayer lässt weiter organisieren

von Thomas Trenkler

Auch in der Staatsoper kam es, trotz engmaschiger Kontrollen, zu Clusterbildungen und zuletzt vermehrt zu Impfdurchbrüchen. Den Spielplan aufrecht zu erhalten, hatte sich daher zunehmend schwierig gestaltet. Wer weiß, wie lange es Bogdan Roščić noch geglückt wäre, binnen Stunden einen Ersatz für den Ersatz eines Ersatzsängers zu engagieren.

Daher setzte der Lockdown zur rechten Zeit ein. Aber der Wille, nicht klein beizugeben, ist groß: Am 5. Dezember hat „Don Giovanni“ in der Regie von Barrie Kosky Premiere – vor leeren Tribünen, aber übertragen vom ORF. Zudem verspricht die Lichtinstallation auf der Fassade Abend für Abend „BACK WHEN IT’S OVER“.

 

Denn der Direktor macht unverdrossen weiter. Er geht aufgrund der Ankündigung der Bundesregierung davon aus, am 13. Dezember wieder spielen: „Ich muss daran glauben“, sagte er zum Standard, „weil ich von irgendetwas ausgehen muss, sonst findet hier gar nichts statt“. Es gehört wohl auch zu seinem Job, nicht schon jetzt die Flinte ins Korn zu werfen (wie Kay Voges, der Volkstheaterdirektor, es getan hat).

Eigentlich stünde am 13. Dezember die letzte Aufführung einer „Don Pasquale“-Serie auf dem Programm. Aber eine Wiederaufnahme für einen einzigen Abend wäre kaum zu realisieren. Dass daher nicht gespielt wird? Ist – Respekt! – nicht der Stil der Staatsoper. Als Ersatz könnte es eine zusätzliche „Don Giovanni“-Aufführung geben – als erste vor Publikum.

Und man geht noch immer davon aus, dass am 24. Februar der Opernball stattfindet. Das Ballkomitee hat bereits mit Vorbereitungen begonnen. Aber ist das nicht etwas realitätsfremd? Immerhin würden 7.300 Menschen (5.300 Gäste und 2.000 Bedienstete) in den Gängen, Treppen und Sälen jeden Babyelefanten platt drücken.

Roščić will nicht Stellung nehmen. Denn es wäre nicht an ihm, den Ball abzusagen: Die Regierung müsste dies tun. Aber mit jedem Tag steigt die Nervosität. Letzte Woche sagte Roščić: „Wir sind längst über alle sonst geltenden Deadlines drüber.“

Der Politik ist das ziemlich egal. Auf Nachfrage bei Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer erhielt Ihr Tratschpartner die Antwort: „Die Staatsoper hat einen gesetzlichen Auftrag zur Durchführung des Balls und wird daher weiterhin die nötigen Schritte setzen.“ Wohl nach dem Motto: Wenn die Titanic doch nicht gegen den Eisberg kracht, gibt es was zu feiern. Also sollten wir lieber schon mal den Tisch decken.

Aber sehr wohl ist der Direktor dafür verantwortlich, welches Bild die Staatsoper in der Öffentlichkeit abgibt. Wäre es diesem dienlich, wenn man in Zeiten der Übersterblichkeit champagnisiert? In der Bevölkerung kam es zuletzt gar nicht gut an, dass die Spitzen des Staates bei der „Licht ins Dunkel“-Gala für den ORF zu „Live Is Life“ von Opus im Takt klatschten und so etwas wie Partystimmung vermittelten, während alle anderen im Lockdown zu verharren hatten. Roščić will sich nicht offiziell äußern.

Ihr Tratschpartner fragte daher die übergeordnete Instanz: „Hielten Sie es für ein richtiges Zeichen, jetzt einen Opernball zu veranstalten? Wäre bei einer Abhaltung des Balls mit größeren Demonstrationen als in den letzten Jahren zu rechnen?“ Aber auch Holding-Chef Christian Kircher verweigerte jede Stellungnahme. Warum? Weil man es sich nicht mit der Politik verscherzen will?

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.