Kultur 05.12.2011

Oper aus Bayreuth erstmals live im TV

© Bild: APA/dpa

Der Kultursender Arte überträgt den "Lohengrin" live nach Hause. Spekulationen gibt es über Frank Castorf als Regisseur des Jubiläum-"Ring" 2013.

Richard Wagners Idee von Festspielen für alle wird endlich Wirklichkeit: Die Oper " Lohengrin" am 14. August wird erstmals live im Fernsehen gezeigt - vom deutsch-französischen Kulturkanal Arte. Auf dem Bayreuther Festplatz wird das Stück auch auf einer 180 Quadratmeter großen Leinwand zu sehen sein. Regisseur Hans Neuenfels zeigte sich am Freitag bei der Generalprobe begeistert. "Das ist sehr sinnvoll", sagte er. "Mit dem Public Viewing kann man der Kunst zu mehr Popularität verhelfen."

Mit Klaus Florian Vogt anstelle von Jonas Kaufmann in der Titelrolle, Petra Lang als Ortrud und Tomas Tomasson hat sich die Besetzung gegenüber dem Premierenjahr 2010 in drei wesentlichen Partien verändert.

Vor der Live-Übertragung des "Lohengrin" wird bereits am Mittag eine Aufzeichnung des "Ring des Nibelungen" für Kinder gezeigt, der am kommenden Montag Premiere hat. Regisseur Maximilian von Mayenburg und Dirigent Hartmut Keil haben das im Normalfall 15 Stunden dauernde Werk auf kindgerechte 90 Minuten verdichtet. Die vier Teile des "Rings" werden in Form der vier Jahreszeiten aneinandergereiht.

Die 100. Richard-Wagner-Festspiele werden am Montag mit der Neuinszenierung des "Tannhäuser" in der Regie von Sebastian Baumgarten eröffnet. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Hengelbrock singt Lars Cleveman die Titelrolle. In den 30 Vorstellungen bis zum 28. August stehen außerdem "Die Meistersinger von Nürnberg" in der Deutung von Festspielleiterin Katharina Wagner, Stefan Herheims Inszenierung des "Parsifal" sowie "Tristan und Isolde" in der Regie von Christoph Marthaler auf dem Spielplan.

Spekulationen um Castorf

Neues gibt es an einer anderen, heißeren Front: Der Berliner Theatermacher Frank Castorf (60) ist angeblich als Regisseur für die "Ring"-Neuinszenierung im Jahr 2013 im Gespräch. Dies berichtete der Tagesspiegel (Berlin) am Freitag. Die Bayreuther Festspiele lehnten jede Stellungnahme dazu ab. "Kein Kommentar", sagte Festspielsprecher Peter Emmerich. Ein Name werde von den Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier erst veröffentlicht, wenn der Vertrag unterschrieben sei, sagte Emmerich am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner (1813-1883) steht in zwei Jahren eine Neuinszenierung der Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" in Bayreuth auf dem Spielplan. Nach der Absage von Filmemacher Wim Wenders stehen die Festspielleiterinnen bei der Suche nach einem Regisseur enorm unter Druck. Castorf ist seit 19 Jahren Intendant der Berliner Volksbühne und hat das Haus zum "Kult-Theater" gemacht. Statt werktreuer Stück-Interpretation bieten er und seine Schauspieler bis heute lieber anarchische, assoziative Happenings mit intellektuellen Seitenhieben auf die aktuelle politische Weltlage.

Erstellt am 05.12.2011