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Kultur
06/12/2019

Nova Rock: Slipknot hat "die Depressionen weggeschrien"

KURIER-Interview mit Sänger Corey Taylor, dessen Band Slipknot am Eröffnungstag des Nova Rock (13. bis 16.6.) auftritt.

von Brigitte Schokarth

Nur „großartige“ Erfahrungen, sagt Corey Taylor, habe er am Nova Rock gemacht. „Das ist ein Publikum, das es einfach immer checkt. Du kannst ihnen jede Art von Band vorsetzen, und sie spielen verrückt.“

Vermutlich werden die Fans das auch heute wieder tun, wenn Slipknot am Eröffnungstag des Nova Rock 2019 um 21.30 Uhr auf der Blue Stage der Pannonia Fields bei Nickelsdorf für einen ersten Höhepunkt sorgen. Dabei gibt es, weil die Band lange nicht in Europa auf Tour war, vorwiegend ältere Songs und Slipknot-Klassiker zu hören – auch wenn die Truppe mit den Horrormasken am 9. August das Album „We Are Not Your Kind“ veröffentlichen wird.

Davon haben Slipknot beim Nova Rock nur den schon bekannten Song „Unsainted“ im Programm. Mit der Textzeile „Ich würde mich niemals umbringen, um meine Seele zu retten“ ist der aber symptomatisch für das Album, in dem Taylor seinen jahrelangen Kampf mit Depressionen und der Alkoholsucht – und letztendlich auch den Sieg darüber – verarbeitet.

„Die letzten Jahre waren prägend für mich, weil ich endlich einen Weg aus lebenslangen Depressionen und der Sucht gefunden habe. Das heißt nicht, dass es nicht immer noch ein täglicher Kampf ist, mich auf dem Weg zu halten und ein guter Mensch zu bleiben – speziell, wenn der Stress und somit mein Ärger groß wird. Aber damit ist ‚We Are Not Your Kind‘ ein Album über meine persönliche Hölle geworden – und das Lösen dieser Probleme mithilfe der Musik, der Kunst und der Möglichkeit, den Schmerz rauszuschreien.“

Taylor, der erst kürzlich enthüllte, dass er als Kind sexuell missbraucht worden war und deshalb in Therapie ist, sagt, dass ihm bei der Bewältigung der Depressionen auch die Beschäftigung mit den sozialen Missständen und den politischen Strukturen unserer Zeit geholfen hat. Über diese hatte er in seinem 2017 erschienen Buch „America 51“ geschrieben.

Egoismus ade

„Das Schreiben des Buchs hat auch ausgelöst, dass dieses Album so persönlich ist. Denn ich hatte danach genug von der Politik, war in Bezug darauf ausgebrannt. Aber die Beschäftigung damit gab mir einen ganz anderen Blickwinkel auf meine Situation. All die sozialen Probleme der Welt zu sehen, bewirkte, dass ich meinen Egoismus loslassen und sagen konnte: Ich bin so froh, dass es mir nicht so geht wie zur Zeit so vielen Leuten, die von ihrer Situation zerrissen werden. Ich konnte endlich erkennen: ‚Hey, ich bin gesund, ich habe meine Familie, eine wunderbare Karriere! Ich mach mich eigentlich ziemlich gut.‘ Und: ‚Es gibt Leute, die auf mich schauen, um von ihren Problemen wegzukommen, also ist das Letzte, was ich tun sollte, mich da immer wieder reinfallen zu lassen.‘“

Welchen Einfluss in all dem hatte der Freitod seines Freundes, des Linkin-Park-Sängers Chester Bennington? „Ich habe auch schon mit vielen anderen Leuten in meinem Freundeskreis erlebt, dass sie den Kampf mit Depressionen verlieren. Das Traurige daran ist, dass du zwar immer für sie da warst, wenn sie dich brauchten, dass das aber offenbar zu wenig war. Als das mit Chester passierte, hat es nur meinen Glauben bestärkt, dass wir nicht aufhören dürfen, aufeinander zuzugehen und Freundschaften auch in den schwierigsten Zeiten zu pflegen. Das hat zwar für Chester nicht gereicht, aber für mich war es in den dunkelsten Momenten genug, zu wissen, dass meine Familie und Freunde für mich da sind.“

Insofern versteht Taylor den Albumtitel „We Are Not Your Kind“ als „Kundgebungsschrei“ für Einigkeit bei Slipknot-Shows: „Er soll Leute egal welcher Rasse, welcher sexuellen Orientierung, welcher Kultur oder welcher Religion zusammenbringen und sagen: ‚Ich bin nicht ausschließlich unter Meinesgleichen, aber das ist egal, denn dadurch, dass wir diese Musik und diese Band lieben, sind wir eine Familie‘.“

Programm-Highlights beim Nova Rock

Donnerstag, 13. Juni:

Red Stage: Pussy Riot (17.00); Blue Stage:  Slipknot (21.30), Sabaton (23.45)

Freitag, 14. Juni:

Red Stage: Anthrax (21.45), Slayer (23.25); Blue Stage: The Smashing Pumpkins (21.15), The Cure (23.10)

Samstag, 15. Juni:

Red Stage: Paul Kalkbrenner (1.00); Blue Stage: Bonez MC & RAF Camora (21.15) Die Toten Hosen (23.10)

Sonntag, 16. Juni:

Blue Stage: Slash feat. Myles Kennedy (19.15), Die Ärzte (21.00)