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Kultur
09/12/2021

Nova Rock Encore: Festival wie anno dazumal – und besser

Beim ersten Groß-Konzert der Pop/Rock-Szene seit Beginn der Pandemie feierten Fans jeden Act des diversen Line-Ups

von Brigitte Schokarth

Wenn nicht die überbordende Energie des Publikums daran erinnert hätte, wie ausgehungert die Rock/Pop-Fans nach Livemusik sind, hätte man Samstag beim „Nova Rock Encore“-Festival im Stadion von Wr. Neustadt glatt vergessen können, dass es Covid-19 gegeben hat.

Ja, am Eingang gab es die 2G-Regel. Aber die Kontrolle von Ticket und Impfzertifikat oder gültigem PCR-Test in Zusammenhang mit dem Personalausweis war so perfekt organisiert, dass kaum jemand beim Einlass länger anstehen musste. Zwei Schritte dahinter dann das, wonach sich so viele Besucher so lange gesehnt hatten: Festival-Atmosphäre wie man sie von Zeiten vor der Pandemie kannte: Kein Abstand, keine Masken und viel, viel Kontakt mit denen, die diese Freiheit auch hier und jetzt feiern.

Aber von der Stimmung her war es eigentlich noch viel besser als in Vor-Corona-Zeiten. Es war, als würde sich die Anspannung der Rock-Fans über all die Entbehrungen in diesen Stunden des Comebacks der Großkonzerte entladen.

Schon Russkaja am frühen Nachmittag wurden umjubelt, als wären sie Headliner. Die italienischen Song-Contest-Gewinner Måneskin, momentan die Sehnsuchtsobjekte bei der Besucher-Gruppe jung und weiblich, waren mit ihrem ansprechenden Set ein weiteres Highlight, bevor mit Millencolin und Bullet For My Valentine Vertreter der härteren Fraktion kamen.

Manche „Nova“-Veteranen im Publikum hätten sich mehr Bands dieser Art gewünscht.

Tatsächlich war der Name „Nova Rock“ für ein Event mit einer derartigen Genre-Vielfalt, die am Abend vom Mundart-Pop von Seiler & Speer und dem Electro-Swing-Star Parov Stelar komplettiert wurde, vielleicht etwas irreführend. Aber auch dadurch zeigte sich, wie begierig das Publikum auf jede Art von Band war.

Denn alle – egal ob Måneskin-, Metal-, oder Electro-Swing-Fans – feierten jeden Auftritt. Alle 15.000 Besucher ließen jeden Act spüren, wie dankbar sie waren, endlich wieder befreit miteinander und dicht nebeneinandern hüpfen und springen zu können, zeigten, wie wohl es ihnen tat, die Gitarren am ganzen Körper spüren zu dürfen und mit ihrer ausgelassenen Energie in die direkte Kommunikation mit den Musikern gehen zu können.

Diese Euphorie spürte auch Veranstalter Ewald Tatar, der sich „wie ein kleines Kind, das endlich wieder auf den Spielplatz darf“ unters Publikum mischte und dabei immer wieder von sich bedankenden Fans angesprochen wurde.

Was ihn auch freute, waren die ersten Zahlen des Events, die er noch im Stadion bekannt gab: 86 Prozent der Besucher waren geimpft gekommen und nur 14 Prozent wiesen am Eingang einen gültigen PCR-Test vor: „Es ist toll, was das Publikum da erreicht hat“, lobte Tatar seine Kunden. „Denn bei den bisherigen Veranstaltungen waren es 75 bis 80 Prozent Geimpfte. Das zeigt, dass das Festival- und Konzert-Publikum impfwilliger ist, als andere.“

Zusätzlich bewiesen wurde das dadurch, dass 180 Besucher, die nur getestet gekommen waren, das Angebot im Impfbus vor dem Wiener Neustädter Stadion nützten, um sich immunisieren zu lassen. Tatar: „Ich hätte mir nicht gedacht, dass es mehr als 20 sind, die das vor einem Festival machen.“

Wichtig ist all das für ihn und die Musik-Szene im Hinblick auf die Zukunft und darauf, wie man trotz Pandemie Konzerte veranstalten und besuchen kann.

Wenn das Nova-Rock-Encore keine Cluster produziert hat, was bei dem strengen Sicherheitskonzept, das Tatar in Zusammenarbeit mit Simulationsexperte Niki Popper und Umweltmediziner Hans-Peter Hutter entwickelt hat, nicht sehr wahrscheinlich ist, wäre das Wiener Neustädter Großereignis ein gelungenes Modell dafür.

Zusätzlich zeigen die Zahlen der 86 Prozent geimpften Teilnehmer am Nova-Rock-Encore deutlich, worauf Tatar schon vor der Absage seines „Frequency“-Festivals, das für Mitte August in St. Pölten geplant war, aber aufgrund von Entscheidungen der Stadtverwaltung kurzfristig abgesagt werden musste, immer wieder mit Nachdruck hingewiesen hatte: Seine Konzerte und Festivals sind ein wichtiger Anreiz für junge Leute, sich impfen zu lassen.

„Vor diesem Hintergrund bin ich nach wie vor schwer enttäuscht davon, dass St. Pölten das Frequency abgesagt hat“, sagt Tatar. „Ich verstehe das bis heute nicht. Für mich ist die Musikhauptstadt von Niederösterreich jetzt nicht mehr St. Pölten sondern Wiener Neustadt.“

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