© Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Kritik
11/03/2019

Nostalgischer Glanz

Das Wiener Staatsballett ist in „Jewels“ in der Choreografie von George Balanchine sehr gefordert.

Ballettdirektor Manuel Legris hat für das Wiener Staatsballett hervorragende Arbeit geleistet. So hängt über seiner vorletzten Premiere an der Wiener Staatsoper schon ein Hauch von Abschied.

Zum ersten Mal wird George Balanchines Meisterwerk „Jewels“ vom Wiener Staatsballett komplett getanzt. Eine herausfordernde Choreografie, die 1967 für Balanchines New York City Ballet entstand. Eine schon damals retrospektive Choreografie, die nun in Wien einmal mehr beweist, wie gut das Wiener Staatsballett heute ist. Da hat Legris nicht zuletzt als Ballettmeister im Ballettsaal den Tänzerinnen und Tänzern eine stilistische Handschrift verpasst, die viele Stücke wie aus einem Guss aussehen lässt. Das war vor ihm nur selten der Fall.

Jeder der drei Teile von „Jewels“ kann auch einzeln aufgeführt werden. Und doch ergibt sich der für eine Ballettcompagnie so bedeutende Gesamteindruck nur im Zusammenspiel von Emeralds (Smaragden), Rubies (Rubinen) und Diamonds (Diamanten). Die Kostüme der Modeschöpferin Karinska spiegeln Farbenpracht und Glanz der Edelsteine wider, auch wenn über ihnen im Unterschied zu Peter Harveys 2004 überarbeiteten Bühnenbild der Eindruck von Anachronismus schwebt.

Die musikalische Umsetzung zu Kompositionen von Gabriel Fauré, Igor Strawinsky und Peter Iljitsch Tschaikowsky zieht sich wie ein roter Faden durch Balanchines Choreografie, und sie ist in Wien mit Paul Connelly am Dirigentenpult des Orchesters der Wiener Staatsoper und Igor Zapravdin als Klaviersolist in „Rubies“ sehr gut gelungen. Neben den Soloparts ist das Corps de ballet besonders gefordert, tanzt den ganzen Abend lang bestechend synchron.

Architekt des Tanzes

Der Eröffnungsakt „Emeralds“ ist nahezu spielerisch, mit weich fließenden Bewegungen. An das romantische Ballett erinnern Pas de deux, Pas des trois und Gruppenszenen. Für Balanchine war Choreografie mehr als ein Kombinieren von Schritten. Dass er zudem ein Architekt des Tanzes war, vermittelt sich in diesem Ballett besonders. Zwei Paare stehen im Zentrum: Natascha Mair mit Robert Gabdullin sowie Madison Young mit Roman Lazik, alle vier beeindrucken in diesem eleganten Teil.

In „Rubies“ pulsiert der Tanz, gibt es neben einem von Nikisha Fogo und Davide Dato getanzten Paar eine Solistin. Souverän und mit Esprit verkörpert Ketevan Papava diesen fürs klassische Ballett sehr emanzipierten Ballerinentyp.

In „Diamonds“ blickte Balanchine noch einmal auf das imperiale russische Ballett der Zarenzeit zurück. Olga Esina ist eine ideale Besetzung der hier bravourösen Ballerina, genau wie Jakob Feyferlik ein sicherer Partner und bestechend virtuoser Tänzer ist.

Balanchine hat mit „Jewels“ die Tradition in eine Choreografie geholt, die 1967 dazu aber auch zeitgenössische Elemente erhielt. Dieser Aspekt geht selbst in einer tadellosen Einstudierung mehr als fünf Jahrzehnte später verloren, zumal dieses Werk im Unterschied zu Handlungsballetten den Tänzerinnen und Tänzern wenig Spielraum für Interpretationen und Rollengestaltung lässt. So wird diesem Blick ins Ballettmuseum im März ein Abend mit zeitgenössischen Choreografien folgen.

Silvia Kargl

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