Norbert Steger: Winkt er ab? Oder schon Adieu?

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Kultur
08/06/2019

Norbert Steger im Porträt: Nachspielzeit des blauen Players

Der freiheitliche Stiftungsratsvorsitzende steht unter Beschuss aus der eigenen Partei. Na und?

von Philipp Wilhelmer

Norbert Steger hat eine neue Herzklappe. Die ließ er sich einsetzen, als Ibiza die Regierung sprengte. Jetzt ist er wieder zurück in Amt und Würden als ORF-Stiftungsratsvorsitzender. Und wieder einmal will ihn die FPÖ loswerden.

Steger nimmt entsprechende Berichte sehr gelassen: Einerseits habe er durch die Herzoperation ohnehin eine „Overtime“ (zu Deutsch: Nachspielzeit) erhalten, andererseits haben sich die Freiheitlichen mit diesem Ansinnen schon einmal blamiert: „Vor zehn Jahren hat der damalige Generalsekretär Vilimsky verkündet, dass ich abberufen werde.“

Es stellte sich heraus: Das geht nicht so einfach.

Steger blieb im obersten ORF-Gremium sitzen. Und spielte weiterhin den aufmüpfigen Blauen. „Ich bin ja sowieso der Meinung, dass sich manche Stiftungsräte viel zu viel fürchten: Wenn ich abgelöst werde, werde ich abgelöst.“

Der Stratege ätzt

Eine Abwahl könne nur stattfinden, wenn es eine Regierung gibt. Die dürfte erst im Frühjahr stehen, schätzt der Polit-Routinier. Und der Stratege in ihm ätzt: „Ich halte es für nicht sehr schlau, ein dreiviertel Jahr vorher zu ventilieren, dass ich abgewählt werde.“

Außerdem habe die FPÖ gegen eine Absprache verstoßen: „Denn ich habe immer gesagt: ,Wenn andere Wünsche bestehen, gehe ich selber.‘“ Dass man ihm ausrichten ließ, der Stiftungsrat müsse verjüngt werden, brüskierte den Endsiebziger sichtlich.

"Ständige Blödheiten"

Anlass für die jüngsten Ablösegerüchte waren wiederum markige Interviewsager Stegers (er attestierte den Blauen in der Medienpolitik „ständige Blödheiten“). Das werde man doch noch aushalten können, argumentiert er sinngemäß: „Wenn man als Partei jemanden nur deshalb ablösen will, weil er eine andere Meinung zur Konsensbildung in der Politik hat, dann ist das kein gutes Zeichen.“

Steger kritisiert seine Partei folgerichtig auch im KURIER offen dafür, kein ORF-Gesetz zusammengebracht zu haben. „Es war im Wesentlichen fertig, und im Frühjahr einbringungsreif.“ Dann folgten mediale Querschüsse der Blauen: „Sie können selbst nachprüfen, ob das Gesetz deshalb nicht gekommen ist, weil sie kurz vor der Einbringung eine Maximalforderung in der Kronen Zeitung erhoben haben“.

Wer hatte das Sagen?

Preisfrage: Wer war unter türkis-blau in der FPÖ eigentlich in der Medienpolitik tonangebend, Herr Steger?

„Strache, Kickl, Hofer und dann waren da andere dabei, die halt die Parteiführung beigezogen hat. Etwa Klubdirektor, Klubobmann etc.“ Wie zerstritten das dritte Lager allein in der Frage ORF ist, lässt sich daran ablesen, dass Steger Mediensprecher Hansjörg Jenewein oder Generalsekretär Harald Vilimsky mit keinem Wort erwähnt, aber betont, er habe sich „immer mit den wesentlichen Proponenten der Freiheitlichen besprochen“.

Abreibung

Strache, den Steger beriet, ist nach Ibiza in der Versenkung verschwunden. Und das sorgt in Sachen Medienpolitik für die eine oder andere halböffentliche Abreibung, für die auch Steger gern zu haben ist: „Die Frage Gebührenabschaffung ist eine Frage des Parlaments. Dass die, die es im Parlament nicht zusammengebracht haben, ein Gesetz zu machen, auf mich sauer sind, ist interessant.“

Apropos Gebühren: Hier behauptet Steger, Ex-Kanzler Kurz habe die Abschaffung nur vorläufig abgelehnt. „Der Kanzler hat gesagt: 2021/22 können wir drüber reden.“

Ansonsten gilt: „Ich bin ein begabter Schattiger-Palmen-Sitzer. Ich muss nicht in Sitzungen sein, außer man will mich dort.“