Kultur
28.01.2013

"Man muss sich nicht erklären"

Die Schauspielerin Nina Hoss über Klassentreffen, die Buhlschaft und ihr Image als "kühle Blonde".

Die vielfach ausgezeichnete Film- und Theaterschauspielerin Nina Hoss, 37, war vor kurzem als Barbara im gleichnamigen Film von Christian Petzold im Kino zu sehen. Donnerstag und Freitag gastiert sie im Landestheater St. Pölten. In Stephen Belbers Dreiecksgeschichte „Tape“ geht es um ehemalige Freunde, die noch eine Rechnung miteinander offen haben.

KURIER: „Jeder ist ein Arschloch in der Highschool“, heißt es im Stück „Tape“. Wie waren Sie denn in der Schule?
Nina Hoss:
Als Schülerin ganz gut. Wenn man ein guter Schüler ist, wird man in Ruhe gelassen. Aber welcher Jugendliche ist nicht manchmal ein Arschloch, das war ich bestimmt auch.

Also keine traumatischen Erinnerungen?
Nein. Aber klar gab es auch Streit, auch Mobbing. Ich kann mich an ein nicht sehr hübsches Mädchen erinnern. In ihr fand die Klasse jemanden, auf den sie eintreten konnten und man musste sich positionieren, das war furchtbar. Kinder können grausam sein.

„Der Trick ist, etwas anderes zu werden, wenn man draußen ist“, heißt weiter.
Nun, das sagt ja Jon, der angegriffen wird. Er sucht nach Ausflüchten und macht es sich einfach, in dem er verallgemeinert. Als ob man für das, was man in der Schule tut, nicht verantwortlich sei. Wenn ich als Kind gemobbt hätte, dann hätte ich mein Päckchen dran zu tragen.

Der Satz berührt ja, weil man denkt: Geht das überhaupt? Kann man seiner Vergangenheit überhaupt entkommen?
Man kann ihr nicht entkommen, aber wenn man sich den Dingen stellt, kann man sich auch verändern.

Haben Sie Erfahrung mit dem Thema Klassentreffen?
Gerade hab ich eines versäumt. Ich hätte es interessant gefunden, zu sehen, was aus den Menschen geworden ist. Wie man sich entwickelt hat, ob das den Vorstellungen von damals entspricht.

Entsprechen Sie den Vorstellungen von damals? War es damals schon absehbar, dass Sie später Schauspielerin werden?
Ja. Dass ich Schauspielerin werde, war schon relativ früh klar.

Sie drehen, seit Sie 19 sind, standen schon mit 14 auf der Bühne. Fühlen Sie sich in beiden Genres gleich zu Hause?
Sonntags sah ich immer Klassiker im Fernsehen, ich liebte Ingrid Bergman, James Stewart, das hat mich geprägt, aber mein Fokus war die Bühne. Mit 19 bekam ich eine Chance beim Film. Beides wurde zur Leidenschaft.

Die Schauspielerei kommt ja durch Ihre Mutter ( Heidemarie Rohweder). Ihr Vater Willi Hoss war Gewerkschafter und Gründungsmitglied der Grünen. Auch Sie scheinen ein politischer Mensch zu sein, setzen sich für den Amazonas und für Kulturförderung ein: Wollen Sie sich künftig mehr einmischen?An eine politische Laufbahn habe ich nie gedacht. Alles in allem scheint mir das zu undurchsichtig. Und dieses Durchhaltevermögen, das hab’ ich auch beim meinem Vater gesehen, da muss man einen langen Atem haben. Dazu bin ich zu impulsiv. Ich bin schon im richtigen Beruf. Aber man kann ja trotzdem seine Meinung äußern.

Im August wurde „Barbara“ als deutscher Beitrag für den Auslands-Oscar vorgeschlagen, schaffte es aber nicht auf der Shortlist. Sind Sie enttäuscht?
Es wäre aufregend gewesen, ich hab’s rasch abgehakt.

2005 und 2006 waren Sie die Buhlschaft in Salzburg – die Besetzung dieser Rolle wird in Österreich immer von großem Medienrummel begleitet. War Ihnen das damals bewusst?
Nicht in der Form. Ich war im ersten Jahr überrollt. Der Rummel steht in keinem Verhältnis zu dem, was die Rolle hergibt, ich war verwirrt, weil ich nicht wusste, wie ich dem gerecht werden soll. In meinem Verständnis geht es um die Rollengestaltung und nicht um die Farbe des Kleides. Im zweiten Jahr wusste ich genau, was mich erwartet und hatte viel Freude. Alle wussten, das Kleid ist rot und ich heiße so und so.

Als Buhlschaft ist man mindestens so oft auf den Society-Seiten wie auf den Kulturseiten zu sehen. Liegt Ihnen das?
Ich bin da nicht sehr begabt. Ich weiß nicht genau, wie ich mich verhalten soll, um es den Gesellschaftsseiten recht zu machen.

Sie werden dort gerne als „spröde und kühl“ beschrieben. Können Sie damit etwas anfangen?
Nein, aber das macht nichts. Man muss sich nicht erklären. Ich sehe mich nicht so, ich verstehe aber, woher das kommt. Wer Christian Petzolds Filme kennt: das sind Frauen, die sich wirklich zeigen können. Man muss als Schauspielerin lernen: vieles von der Außenwahrnehmung findet über die Figuren statt, die man spielt. Das hat nichts mit mir zu als Person tun.