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Musikverein
06/05/2020

Neustart im Musikverein: „Ein unglaubliches musikalisches Puzzlespiel“

Thomas Angyan über die Konzerte für 100 Besucher, die heute beginnen.

von Peter Jarolin

Mit Gustav Mahlers achter Symphonie, dem berühmten MonumentalwerkSymphonie der Tausend“, wollte sich Thomas Angyan nach 32 erfolgreichen Jahren als Intendant des Musikvereins Ende Juni verabschieden.

Dann jedoch kam die Corona-Pandemie; und auch im Musikverein durfte kein Ton mehr erklingen. Von Mahlers Achter ganz zu schweigen.

100 statt 1.000

Ab heute, Freitag, aber darf wieder gespielt werden. 100 Besucher sind pro Konzert erlaubt; 40 Konzerte hat Angyan bis inklusive 28. Juni angesetzt. Den Auftakt machen die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Barenboim mit einem (pausenlosen) Mozart/Beethoven-Programm. „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass bis Ende Juni überhaupt noch irgendetwas im Musikverein möglich ist“, so Angyan im KURIER-Gespräch.

Aber, so der Generalsekretär der Gesellschaft der Musikfreunde weiter: „Als die Bundesregierung die ersten Lockerungsmaßnahmen im Kulturbereich angekündigt hat, habe ich sofort zum Telefon gegriffen und viele Künstler angerufen. Und alle, alle wollen sie spielen!“

Weltstars für wenige

Alle, das sind u. a. die Wiener Philharmoniker mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Riccardo Muti, Franz Welser-Möst. Oder die Wiener Symphoniker mit Philippe Jordan und Manfred Honeck, die Wiener Akademie mit Martin Haselböck, Starpianist Rudolf Buchbinder, die Top-Geiger Julian Rachlin und Emmanuel Tjeknavorian, Sänger Florian Boesch oder auch „Rosenheim Cop“ Max Müller.

Angyan: „Ich habe dabei nur Künstler engagiert, die auch im Rahmen des abgesagten Musikfestes aufgetreten wären. An internationale Orchester war nicht zu denken. Aber wir haben in Wien so großartige Musiker, dass sich dieses Programm dennoch hören lassen kann.“

Logistisch war das Unterfangen nicht einfach. „Es war ein unglaubliches musikalisches Puzzlespiel“, so Angyan. „Manche Künstler spielen zwei Konzerte hintereinander, andere zwei an zwei Tagen. Und um alle politischen Vorgaben zu erfüllen, mussten wir sehr viel jonglieren. Alle Abstände werden eingehalten, für das Publikum besteht Maskenpflicht bis zum Erreichen des Sitzplatzes. Aber – und das ist das Wichtigste – der Musikverein spielt wieder. Das ist ein Zeichen, das mir ganz wichtig ist. Denn Musik ist ein Grundnahrungsmittel.“

Doch wie sieht es finanziell aus? Angyan: „Es rechnet sich natürlich überhaupt nicht. Aber wir wollen uns das leisten, und wir werden es auch überleben. Außerdem sind uns viele Musiker finanziell sehr entgegengekommen oder haben ganz auf ihre Gagen verzichtet.“

Geld für die Zukunft

Nachsatz: „Bei den ‚Young Musicians‘, die im Gläsernen Saal auftreten werden, habe ich eine Gagenreduktion oder gar einen Gagenverzicht nicht akzeptiert. Denn diese aufstrebenden Talente sind von der Krise wirtschaftlich extrem betroffen, dabei sind sie die Zukunft.“

Wie sieht Angyans persönliche Zukunft aus? „Ich hoffe, dass mein Nachfolger Stephan Pauly im Herbst normal starten darf. Ich werde dann als Besucher weiter im Musikverein sein und sehr schöne Konzerte genießen – bitte vor großem Publikum.“