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Kritik
01/01/2021

So war das Neujahrskonzert: Liga der außergewöhnlichen Töne

Die Wiener Philharmoniker und Riccardo Muti haben eine fantastische globale Botschaft gesendet

von Peter Jarolin

„Unforgettable!“ Also „Unvergesslich!“ Besser lässt sich das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2021 kaum zusammenfassen. So gesagt von Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer, der beim „Konzert der Konzerte“ auch eine Ansprache hielt.

Ja, die Wiener Philharmoniker haben im festlich geschmückten Goldenen Saal des Musikvereins gespielt. Ja, der neapolitanische Stardirigent Riccardo Muti hat sein bereits sechstes Neujahrskonzert bravourös geleitet. Und ja, die Walzer und Polkas waren – wie immer unter Muti – einfach nur großartig. Aber dazu später.

Denn es gab nicht nur musikalische Töne, die dieses besondere Konzert geprägt haben. Da wäre einmal die erwähnte Rede von Daniel Froschauer, der sich an ein Millionenpublikum in aller Welt wandte – reales Publikum im Musikverein war bekanntlich nicht erlaubt. „Ein musikalisches Signal der Hoffnung und des Optimismus“ wollte man senden. Mission mehr als geglückt! „Die Musik des Neujahrskonzerts hat uns durch düstere und schöne Zeiten begleitet“, so Froschauer. Mögen nach dieser unsäglichen Pandemie die schönen Zeiten wieder kommen.

Deutliche Worte

Ebenso deutliche Worte fand auch Maestro Riccardo Muti vor dem obligaten Neujahrsgruß. „Musik ist eine Mission, um unsere Gesellschaft besser zu machen. Musik ist eine Gesundheit des Geistes. Die Kultur ist das wichtigste Element für die Menschheit. Nur so können wir zusammenstehen. Ich appelliere an alle Staatschefs und Präsidenten dieser Welt, die Kultur endlich wichtig zu nehmen.“

Außergewöhnliche Töne bei einem außergewöhnlichen Konzert, das dank ORF und EBU (European Broadcast Union) in mehr als 90 Länder weltweit gesendet wurde. Apropos ORF: Da ein Musikverein ohne Publikum nur mäßig attraktiv ist, hat man via Bildschirm kameratechnisch viele Reisen unternommen.

Tänzerische Eleganz

Da waren etwa die Balletteinlagen in der stimmungsvollen (viele Hebefiguren) Choreografie von José Carlos Martinez, der schon im Sommer das Wiener Looshaus und den Garten des Palais Liechtenstein choreografisch bespielt hat. Wobei die Tänzerinnen und Tänzer des Wiener Staatsballetts – zumindest via TV – elegante und stilvolle Geschichten erzählt haben. Das ist (in den herrlichen Kostümen von Christian Lacroix) Tanz auf höchstem Niveau.

Ausgefeilt

Höchstes Niveau boten jedoch auch die Wiener Philharmoniker und Dirigent Riccardo Muti im Musikverein. Flott ging es los mit Franz von Suppès „Fatinitza-Marsch“, gefolgt vom Walzer „Schallwellen“ aus der Feder von Johann Strauß und der „Niko-Polka“ von Josef Strauß. Die Polka schnell „Ohne Sorgen“, der Walzer „Grubenlichter“ von Carl Zeller sowie Karl Millöckers Galopp „In Saus und Braus“ demonstrierten eindrucksvoll die Harmonie, ja die innige Beziehung zwischen Dirigent und Orchester. Da klingt alles ganz natürlich, selbstverständlich, ausgefeilt und wunderschön – so als wäre ein Neujahrskonzert die musikalisch einfachste Sache der Welt. Aber hier hat man ja einen Ton miteinander.

Vollendete Harmonie

Dies wurde auch nach der Pause deutlich. Etwa bei Suppès Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“, besonders jedoch bei dem Walzer Bad'ner Mad'ln“ (erstmals im Neujahrskonzert) von Karl Komzák, zu dem der ORF das dortige Stadttheater oder auch die Sommerarena bildtechnisch einfing. Ein durchaus gelungenes Unterfangen.

Mutis Interpretation der „Margherita-Polka“ von Josef Strauß darf musikalisch ebenso als Ereignis gewertet werden wie der „Venetianer-Galopp“ oder auch der „Frühlingsstimmenwalzer“ von Johann Strauß. Auch die Polka „Im Krapfenwaldl“, die „Neue Melodien-Quadrille“ (mit viel Anklängen an Giuseppe Verdi), der „Kaiser-Walzer“, die Polka „Stürmisch in Lieb’ und Tanz“ sowie der „Donauwalzer“ und der obligate „Radetzkymarsch“ – Muti und die Wiener Philharmoniker sind eine absolute Einheit, sorgen verlässlich für einen Ohrenschmaus der Superlative.

Womit wir endgültig bei einem heiklen Thema wären. Wie war und ist das mit dem Klatschen? Die Antwort: Erfreulich nicht peinlich. 7.000 Menschen – unter ihnen sogar der UNO-Generalsekretär António Guterres – konnten sich vorab via Internet registrieren lassen, um live (man hat angeblich den Applaus im Saal gehört) die Philharmoniker und Riccardo Muti hochleben zu lassen. Verdient haben sie es sich alle Mal.

Denn das Neujahrskonzert 2021 wird in künstlerischer wie historischer Sicht in die Annalen eingehen. 2022 ist Daniel Barenboim im Einsatz. Bitte dann mit Publikum!

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