Jetzt auch in Schwarzweiß: Lady Gaga

© /Universal Music

Lady Gaga
10/21/2016

Das Popchamäleon hat alle Farben durchgespielt

Schluss mit schrill: Auf der neuen CD sucht Lady Gaga irritierenderweise nach Ehrlichkeit.

von Georg Leyrer

Lady Gaga hat sich ein wenig ins Eck manövriert. Sie war bereits

  • als völlig überdrehte Popsängerin
  • als Kunstfigur
  • als eine eine Kunstfigur darstellende Kunstfigur
  • als bessere Madonna
  • als schlechtere Madonna
  • im Fleischkleid
  • nackt
  • angezogen

und, gefühlt, auf jede andere aufregende, schockierende, aufsehenerregende oder auch nur irgendwie mühsame Art zu sehen.

Sie ist das Popchamäleon, das eines Tages draufgekommen ist, dass es alle Farben durchprobiert hat. Und nun vor der typischen Friseur-Frage steht: Was war noch mal, unter all den Schichten, die Naturfarbe?

Aus dieser Frage wurde nun ein Album, es heißt "Joanne", erscheint heute, und ist ein Dokument einer fast berührenden Ratlosigkeit. Lady Gaga sucht hier, und das ist hoffentlich nur die bisher schrillste ihrer Verkleidungen, die Wahrhaftigkeit. Im, hüstel, Poprock, manchmal gar, huch, in Country-nähe. Man mag kaum glauben, dass ausgerechnet die aktuell größte Meisterin der Oberfläche auf die uralte Echtheitsbehauptung in der Populärmusik hereingefallen sein könnte.

Ungeschminkt

Und dennoch: Lady Gaga, die früher mit allem Bombast ins verwirrendste Spiegelkabinett der Popbilder gelockt hat, versucht hier, über die Mittel der verschiedensten Pop-Klischees, bei sich zu sein. Ungeschminkt und ehrlich. Was übrigens schon weniger aufgefächerten Persönlichkeiten schwer gefallen sein soll. Und, im vorliegenden Fall, für ein disparates Album sorgt.

Es gibt jetzt: Lady Gaga, bei "Perfect Illusion", im alleraalglattesten Formatradioformat (nein, das war sie früher nicht). Als Shakira ("Dancin’ In Circles"). Als Sängerin, die den Begriff "Sünderin" nicht ironisch oder satirisch oder auch nur kritisch in den Mund nimmt.

Lady Gaga ist in einer schwierigen Phase ihrer Karriere, der Nachhallphase: Wegen länger zurückliegender Erfolge gilt sie jetzt und für die nächsten Jahre noch als Superstar, auch wenn das letzte Album "Artpop" grässlich floppte. "Joanne" sucht einen Ausweg aus der selbstverschuldeten Bilderflut. Und findet nur vorgetäuschte Ehrlichkeit.

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