Tom Schilling und Katharina Schüttler als Paar in der Dauerkrise: David Schalkos skurrile Sky-Serie „Ich und die Anderen“

© Superfilm

Kultur
03/04/2021

Neue Serie von David Schalko: "Ich hatte gehofft, du würdest vor mir sterben"

David Schalko verfilmte für Sky eine sechsteilige, skurril-krasse Dramedy, in der Tom Schilling mit Wünschen sein Umfeld verändert: "Ich und die Anderen"

von Alexandra Seibel

David Schalko, heimisches Multitalent, schreibt Besteller, wenn er nicht gerade Fernsehserien dreht. Wie zuletzt „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, feiert auch seine neue, sechsteilige Sky-Serie „Ich und die Anderen“ im Rahmen der Berlinale Series Premiere. Schalkos Darsteller-Ensemble hat sich seit „M“ wenig verändert: Jede zweite Rolle ist mit (deutschen) Schauspiel-Promis besetzt, die ihrer Lust an Skurrilität und bizarrer Selbstinszenierung freien Lauf lassen können.

Die visuell schicke, mit Hipster-Gusto inszenierte Serie basiert auf einer schlauen Prämisse: Jeden Morgen hat ein junger Mann namens Tristan – gespielt vom adretten Tom Schilling – einen Wunsch frei, der seine Umgebung radikal verändert.

In der ersten Episode wünscht sich Tristan, dass alle alles von ihm wissen. Was vielleicht nur narzisstischer Schluckauf war, endet in der Totalkatastrophe: Das gesamte Büro kennt seine Penislänge, weiß, dass er keine Freunde hat und die Empfangsdame hinter ihrem Rücken „fette Wachtel“ nennt.

In der zweiten Episode wünscht sich Tristan, dass alle einander die Wahrheit sagen. Das führt zu Sätzen wie: „Ich bin nur mit dir befreundet, weil du hässlicher bist als ich.“ – „Ich hatte gehofft, du würdest vor mir sterben.“ – Guten Tag, mein Name ist Georg Kratky, ich bin schwul.“

Im Namen der „Wahrheit“ werden lässig (verbale) Hemmschwellen überschritten und politisch korrekte Kühe genussvoll geschlachtet. Eine aggressive Frau im Rollstuhl beißt Tristan in die Hand und sagt dann frech: „Niemand wird dir glauben.“

Das Verhältnis des männlichen Egos zu seinem Umfeld schickt Schalko durch Versuchsanordnungen, die (zumindest in den beiden ersten Episoden) nur ein Erzählziel haben: Möglichst krass zu eskalieren. So tritt Martin Wuttke als penis-fixierter Altkünstler auf, dessen Tochter das riesige Gemächt des Vaters in ihrer Ausstellung nachbaut und von ihrer Hüfte baumeln lässt. Damit auch das weibliche Geschlecht nicht zu kurz kommt, hängt eine überlebensgroße Vagina an der Wand, durch deren Öffnung ... äh ... lebende Bienen kriechen: „Es gefällt dir nicht. Nein? Gut so“, sagt die Künstlerin zu Tristan, ihrem Bruder, und es ist, als würde sich David Schalko durch sie direkt an seine Zuseherin wenden und sagen: „Es gefällt dir nicht. Nein? Gut so.“

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