© Grant Leighton

Kritik
10/25/2019

Neue Chefdirigentin des RSO startete mit geballter Frauenpower

Marin Alsop hat ihr neues Amt als Chefdirigentin des Radio Symphonieorchesters mir einer klaren Aussage angetreten.

von Peter Jarolin

Es ist vollbracht. Erstmals in in seiner überaus erfolgreichen Geschichte hat das ORF Radio-Symphonieorchester Wien eine Frau als Chefdirigentin, die 1956 in New York geborene Marin Alsop. Und diese gab bei ihrem offiziellen Antritt im Wiener Konzerthaus gleich die zukünftige Richtung vor: Viel zeitgenössische Musik und geballte Frauenpower.

Viel zeitgenössische Musik (also fast), weil mit dem Werk „Rapture“ des im September verstorbenen Christopher Rouse ein schon Beinahe-Klassiker der Moderne am Anfang stand. Frauenpower, weil gleich nach dem sehr gestisch-gut realisierten Rouse-Stück mit Lera Auerbachs „Evas Klage. O Blumen, die niemals blühen werden“ (ein Zitat aus John Miltons „Paradise Lost“) eine Uraufführung einer der bedeutendsten Komponistinnen der Gegenwart (übrigens inzwischen mit Wohnsitz Wien) zu erleben war.

Und Auerbachs kurzes, fein gearbeitetes, mit Wehklagen, Soli und Ondes Martenots arbeitendes Stück – die Komponistin gab auf dem Podium selbst eine Einführung in ihre Gedankenwelt – wurde auch dank des fabelhaften RSO und Alsop zum akklamierten Erfolg.

Nonnen

Fast zeitgenössische Musik, weil Alsop auch eine Lanze für den viel zu selten gespielten Paul Hindemith brach. Mit einer sehr austarierten und ausbalancierten Interpretation von dessen Symphonie „Mathis der Maler“ sowie einer effektvollen Wiedergabe des Operneinakters „Sancta Susanna“. Dass bei diesem Nonnendrama auch die Frauen den Ton angaben, versteht sich.

Weniger die bemühte Regisseurin Kateryna Sokolova (Kann man diese sich so häufenden pseudo-halbszenischen Dinge bitte wieder sein lassen?), als vielmehr die Sängerinnen. Etwa die expressive, litauische Sopranistin Ausrine Stundyte als Susanna. Oder die Mezzosopranistin Renée Morloc und ihre Fachkollegin Annette Schönmüller. Dieses starke Frauentrio war für Hindemith ideal; Caroline Baas, Enzo Brumm und die Wiener Singakademie durften bei allerlei Lichtspielen brav mitwirken.

Und Alsop? Kann sie jetzt etwas? Unbedingt! Denn die Amerikanerin setzt weniger auf Showeffekte denn auf Details, ist – das hört man – eine akribische Arbeiterin, die das jetzt schon großartige RSO sicher auch zu neuen Ufern führen wird. Schon nächste Woche geht es bei „Wien Modern“ weiter.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.