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Kultur
01/30/2020

Museen-Kuratorien: Was hinter der Aufregung um Konrad & Co steckt

Regierung tauscht Christian Konrad und andere in den Museumskuratorien aus. In der Museumsbranche sieht man keinen Skandal.

von Georg Leyrer, Thomas Trenkler

Die Neubesetzung der Bundesmuseen-Kuratorien sorgt für Aufsehen – und den Austausch von politischem Kleingeld zwischen Regierung und Opposition. Wenige Stunden vor dem Antritt von Ulrike Lunacek als grüne Kulturstaatssekretärin hat die bis dahin zuständige ÖVP-Ministerin Karoline Edtstadler Kuratoriumsmitglieder, darunter langjährige Vorstände, per Email davon informiert, dass ihre Tätigkeit nicht verlängert würde.

Der Schluss, den NEOS-Klubchefin Beate Meinl-Reisinger nahelegte: „Türkise Härte“.

NEOS-Kultursprecher Sepp Schellhorn sprach in der ZiB2 davon, dass die Türkisen die Grünen „am Nasenring durch die Manege“ gezogen hätten.

Im Raum, nicht zuletzt bei zahllosen Online-Kommentaren, stand: Ein Foul an den Grünen, oder ein mit diesen abgesprochener Besetzungsskandal, um u.a. den ÖVP-internen Kritiker Christian Konrad (Vorsitzender des Albertina-Kuratoriums) loszuwerden.

Unter den Vorständen wurden eben Konrad und dazu Peter Kostelka (der SPÖler leitete das Kuratorium im Technischen Museum) sowie Hannes Sereinig (MAK) durch neue ersetzt.

Bestellung der Kuratorien war überfällig

Während in der Kulturbranche hinter den Kulissen Unverständnis über die Form (per Email) herrscht, herrscht breiter Konsens, dass die Neubesetzungen selbst alles andere als ungewöhnlich waren. Von Skandal wollte von den vom KURIER kontaktierten Involvierten niemand sprechen.

Die Bestellung der neuen Kuratoren der betroffenen Museen war überfällig, wie es am Donnerstagmorgen aus den Museen zum KURIER hieß. Denn die Amtszeit der Kuratorien in Albertina, MAK, Technischem Museum und Belvedere ist mit Jahresende ausgelaufen. Die Kuratorien sind die Aufsichtsorgane der Bundesmuseen, die die Geschäftstätigkeit prüfen und absegnen müssen. Ihre Amtszeit ist befristet, eine Zeit ohne Kuratorium ist gesetzlich nicht vorgesehen. Die Neubesetzung, sagten leitende Museumsmanager und Kuratoriumsmitglieder zum KURIER, sei bei solchen Gelegenheiten ein normaler Vorgang. „Abberufen“ wurde keiner. Auch dass die Museen selbst keine Mitsprache hatten, sei klar – man suche sich seine Aufsicht nicht selbst aus, hieß es.

Verzögert hat sich die Neubesetzung wegen der Regierungsbildung: Der Kulturminister der Regierung Bierlein, Alexander Schallenberg, wollte die Kuratorien noch fristgerecht, vor Jahresende 2019, neu besetzen bzw. Mitglieder verlängern. Auch eine Verlängerung der bestehenden Kuratorien um ein Jahr stand im Raum. Dann habe man sich jedoch mit der vor Amtsantritt stehenden türkis-grünen Regierung geeinigt, das der neuen Regierung zu überlassen. Denn die Regierung Bierlein hatte sich auf die Fahnen geschrieben, nur die unbedingt nötigen Besetzungen vorzunehmen (mit Ausnahmen wie etwa in der Wiener Staatsopersiehe hier).

Im Jänner hat laut KURIER-Infos die neue Regierung intern ein Paket ausgearbeitet – also in Absprache der Türkisen mit den Grünen. Es umfasst u.a. Lilli Hollein als Kuratoriumsvorstand und Elisabeth Gürtler als deren Stellvertreterin im MAK, die Verlängerung der von Thomas Drozda (Kulturminister 2016/’17) eingesetzten Andrea Mayer, inzwischen Kabinettsdirektorin von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, im Belvedere. Die Liste der Neuzugänge umfasst, ein wenig gegen die bisherige Tradition, mehr Kunsthistoriker(innen) als früher; zuletzt wurden vorwiegend Wirtschaftstreibende eingesetzt - und dem Vernehmen nach nun wieder gesucht.

Irritationen über die Form

Dass nun von Edstadtler noch u.a. die ehemaligen Vorstände von Albertina und MAK informiert wurden, dass ihre Angebote, weiterzumachen, nicht wahrgenommen werden, war mit den Grünen abgesprochen, heißt es von mehreren Seiten zum KURIER – mit der Grünen Spitze, wie betont wird. Die Vorgangsweise selbst – die u.a. an die Bestellung der NÖ Landesrätin Petra Bohuslav zur Staatsopern-Geschäftsführerin erinnert - hat für Irritationen gesorgt. Zumindest einzelne Kuratoriumsmitglieder waren jedoch bereits vorab informiert.

Christian Konrad, seit eineinhalb Jahrzehnten Chef des Albertina-Kuratoriums, wollte gegenüber dem KURIER kein Statement abgeben, ebenso wenig Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Die designierte Vorständin des Albertina-Kuratoriums, die Kunsthistorikerin Daniela Hammer-Tugendhat, hat den Posten wegen der finanziellen Aufgaben, die damit einhergehen, abgelehnt.

Es könnte hier nun die Kuratorin und Kunsthistorikerin Andrea Braidt nachrücken, die im gänzlich neu besetzten Albertina-Kuratorium ist, ebenso wie "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand.

„Es ist wichtig, dass wir wieder funktionierende Kuratorien haben“, sagte MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein zum KURIER. „Ich bin fest davon ausgegangen, dass das abgesprochen war, was ja inzwischen bestätigt wurde.“ Die Grünen haben dies bereits am Mittwoch bestätigt.

Die Opposition spricht von "Absetzungen"

Die Opposition kritisiert die „Abberufungen“ (wegen der überlegten Verlängerung) bzw „Absetzungen“. Neben Meinl-Reisinger, die die Story aufbrachte, sprang auch der ehemalige Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) auf: Er wolle eine parlamentarische Anfrage zu den Neubesetzungen stellen, begründet in der Zeit ohne Kuratorium.

Kogler: "Habe mich jetzt mit ganz anderen Sachen beschäftigt"

Nach der Regierungsklausur wurden Kanzler und Vizekanzler zu den Neubesetzungen befragt. "Es hat Gespräche gegeben, wenn Fragen offen sind für die Zukunft, werde ich mir das anschauen und mich in den nächsten Tagen und Wochen dazu äußern. Ich habe mich jetzt mit ganz anderen Dingen beschäftigt", sagte Werner Kogler.

Sebastian Kurz sagte: "Wo immer eine Amtszeit ausläuft, ist es üblich, dass Personen wegkommen, andere neu hinzukommen. Man könnte auch sagen: Immerhin sind die Gremien auch weiblicher geworden, wenn man schon das Motiv hinterfragt."

Lunacek: Vorsitz für Albertina-Kuratorium "in den nächsten Tagen"

"Der Koalitionspartner hat vor Übergang der Zuständigkeit für Kunst und Kultur die Neubenennungen vorgenommen", sagte die Kunststaatssekretärin Ulrike Lunacek auf Anfrage des KURIER. "Wir wurden informiert und haben darüber gesprochen. Die Entscheidung lag noch im Zuständigkeitsbereich von Ministerin Edtstadler. Die Neu-Nominierung für den Vorsitz des Albertina-Kuratoriums werde ich in den nächsten Tagen entscheiden und darüber informieren.​"