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Kritik
08/24/2021

Netrebkos "Tosca"-Zug: Nächster Halt Budapest

Anna Netrebko und ihr Ehemann waren bei den Salzburger Festspielen in Puccinis „Tosca“ zu hören – eine routinierte Angelegenheit

von Gert Korentschnig

Nun sang die größte Sängerin der Gegenwart also auch bei den Salzburger Festspielen, was sie andernorts schon mehrfach gesungen hatte: die Titelrolle in Puccinis „Tosca“. Bei ihrem Debüt an der MET hatte Ihr KURIER-Kritiker die Rezension mit „Toscanna“ überschrieben – als Würdigung einer phänomenalen Leistung, einer Einswerdung mit der Rolle.

Danach, an der Mailänder Scala, wieder mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov als Cavaradossi, war Anna Netrebkos Auftritt etwas weniger ereignisreich. An der Wiener Staatsoper (während der Coronakrise) begeisterte sie zuletzt die etwa 20 fachkundigen Besucher, der Eindruck, dass sie intensiv geprobt hätte, stellte sich aber nicht ein.

Dieser Tage ist das „first couple“ der Opernwelt in Salzburg zu Gast. Und Netrebkos erster Festspiel-Auftritt als Tosca gestaltete sich äußerst routiniert, nicht zündend oder gar berührend.

Das ist ja das Problem an Netrebko: Sie kann alles und das besser als alle anderen. Aber man erlebt es nicht immer und hatte diesfalls sogar das Gefühl, sie sei nur auf der Durchreise. Nächster Halt: Budapest am 29. August, also sogar zwischen den Salzburger Aufführungen. Wieder mit Eyvazov an ihrer Seite (nach dieser „Tosca“-Serie singt sie auch zahlreiche Konzerte mit ihm).

Die Netrebko-Skala

Sie ist, selbst wenn sie nicht hohe Werte auf der nach oben offenen Netrebko-Skala erreicht, eine der besten Toscas aller Zeiten. Das „Vissi d’arte“ singt sie phänomenal. Die Geschmeidigkeit ihrer Stimme, vor allem bei den Registerübergängen, war jedoch schon größer. Dadurch wird die Tiefe (trotz betörend schönem dunklen Timbre) etwas grob. Auf der Bühne selbst wirkt sie selbst im Swarovski-Glitzerkostüm wie ein Fremdkörper.

Und ihr Mann? Yusif Eyvazov ist ein solider Cavaradossi mit zu viel Attacke im ersten Akt und einer sensibel gestalteten Arie im dritten. Insgesamt sang Netrebko diesmal etwa auf dem Niveau von Eyvazov, das geht also besser. Vielleicht hatte sie noch mit einer zuletzt erlittenen Erkältung zu kämpfen.

So war, Darstellung und Gesang addiert, diesmal Ludovic Tézier als Scarpia der Beste. Marco Armiliato dirigierte die klanglich traumhaften und präzisen Wiener Philharmoniker und hatte einige Einwände des Publikums entgegen zu nehmen. Er trägt Sängerin und Sänger durch die Oper, fordert die Musiker aber zu wenig, wodurch seine „Tosca“ kraftlos wirkt.

Mit größeren Einwänden war Michael Sturminger konfrontiert. Seine Inszenierung (Übernahme der Osterfestspiele von 2018) siedelt das Werk im Mafia-Milieu an, Scarpia überlebt diesmal Toscas Messerattacke und erschießt sie am Ende, Cavaradossi wird von Nachwuchs-Mafiosi gekillt. Erkenntnisse bringt das nicht. Dennoch bequem für Netrebko, wenn eine Produktion schon existiert und man nicht wochenlang an einem Ort sein muss.

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