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Kritik
08/31/2020

Netrebko in Grafenegg: Stimmliches Fest am wolkigen Wolkenturm

Anna Netrebko, Yusif Eyvazov sorgen für einen Höhepunkt des Festivals.

von Peter Jarolin

Fast wäre er ins Wasser gefallen, der Auftritt von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov in Grafenegg. Tagsüber strömender Regen, die Generalprobe im Auditorium, bedrohliche Wolken am Himmel – doch dann (mit einer kleinen Verspätung) die Erlösung. Netrebko konnte am Wolkenturm auftreten, der italienische Opernabend war gerettet und sollte zu einem der Höhepunkte des diesjährigen Musikfestivals werden.

Bereits nach einer (eher bedeutungslosen) Ouvertüre zu Giuseppe Verdis „Nabucco“ war klar: Hier geht es um Stimmen, die von den Wiener Symphonikern und Dirigentin Speranza Scappucci gut begleitet werden sollen. Und genau dies geschah: Mit der Arie der Elisabetta aus Verdis „Don Carlo“ ( „Tu che le vanità“) begannen Netrebko und Eyvazov ihren vokalen Streifzug durch alles, was in der italienischen Oper gut, teuer und populär ist.

Geniales Duo

So konnte Eyvazov mit der Romanze des Alvaro aus Verdis „Die Macht des Schicksals“ überzeugen, so betörte Anna Netrebko mit einem innigen „Lied an den Mond“ aus Antonin Dvoráks Rusalka“.

Dirigentin Speranza Scappucci und die tadellos musizierenden Wiener Symphoniker hatten bei dem Intermezzo aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ ihren großen Moment. Yusif Eyvazov wiederum bewies bei der Arie „Mamma, quel vino è generoso“, dass er als Turiddu auch in der „Cavalleria“ mehr als bestehen kann.

Vokale Harmonie

Denn der sehr erschlankte Tenor hat viel an Stimmkultur, an Phrasierungskunst gewonnen, ist „seiner“ Anna ein idealer Partner. Dies war etwa bei dem neapolitanischen Lied „Non ti scordar di me“ von Ernesto de Curtis zu erleben, ebenso beim Duett „Vogliateme bene“ aus Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“.

Zuvor jedoch konnte die Netrebko – jeder Zoll in einem sehr geschmackvollen weiß-goldenen Kleid eine Diva – wieder ihre Qualitäten ausspielen. Wann hat man das „Vissi d’arte“ aus Puccinis „Tosca“ zuletzt so gehört?

Denn die Netrebko singt einfach in ihrer eigenen Liga. Der samtene Sopran, die perfekten Höhen, die herrlichen Register-Übergänge, das Legato und auch die Ausdruckskraft: Netrebko zu hören, ist auch im Breitwand-Sound purer Genuss. Und Yusif Eyvazov durfte mit der Arie „E lucevan le stelle“ noch seinen Beitrag zu „Tosca“ leisten, ehe nach stehenden Ovationen Verdis „Brindisi“ aus „La Traviata“ für den idealen Ausklang sorgte.

Peter Jarolin

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