Die famose Sophia Loren als Ex-Prostituierte, die sich um Straßenkinder kümmert; Ibrahima Gueye als Momo ist hinreißend: "Du hast das Leben vor dir" ("The Life Ahead") läuft bei Netflix

© REGINE DE LAZZARIS AKA GRETA/Netflix

Kritik
11/13/2020

Netflixfilm als Comeback: Sophia Loren als Ersatzmutter

Die große Italo-Diva in einem sanftmütigen Comeback-Film, der sich um eine Oscarnominierung bewirbt

von Alexandra Seibel

Es bleibt in der Familie. Nach zehn Jahren Pause tritt Sophia Loren erstmals wieder für einen Spielfilm vor die Kamera – womöglich nur deswegen, weil ihr Sohn Edoardo Ponti die Regie führte. Die Grande Dame des Italo-Kinos der Sixties kann auch im Alter von 86 noch souverän die Leinwand gebieten. In dem sanftmütigen Jugenddrama „Du hast das Leben vor dir“ (Netflix) spielt sie mit herrlicher Mähne Madame Rosa, eine Holocaust-Überlebende und pensionierte Prostituierte, die sich in einer italienischen Küstenstadt um die vernachlässigten Kinder ihrer Kolleginnen kümmert. Als der 12-jährige Senegalese Momo sie zuerst bestiehlt und dann auch noch in ihre Obsorge gegeben werden soll, wehrt sie sich mit Händen und Füßen. Doch schließlich nimmt sie das rabiate Kind bei sich auf.

Wem dieses Szenario bekannt vorkommt, liegt in mehrfacher Hinsicht richtig: Zum einen spielte bereits Simone Signoret als Hure mit Herz die Titelrolle „Madame Rosa“ in jenem Film, der 1978 den Auslandsoscar gewann; auch er basiert auf demselben Roman wie Pontis Coming-of-Age-Movie.

Zum anderen fühlt sich das Layout der Geschichte mehr als vertraut an. Dass die grummelige alte Dame und der einsame Bub zueinanderfinden finden werden, liegt auf der Hand. Bei aller Vorhersehbarkeit aber schafft es Ponti mit temperamentvoller Kamera und erzählerischem Feinsinn, das eindringliche Spiel seiner Mutter und den Charme des hinreißenden Newcomers Ibrahima Gueye als Momo zu einem sehenswerten Schauspiel-Duett zu verschmelzen.

Sophia Loren verkörpert Madame Rosa als robuste alte Lady ebenso imponierend wie als zunehmend verwirrte Greisin. In einer zartfühlenden Szene erzählt sie Momo von Auschwitz, einem Ort, von dem er noch nie gehört hat; er versteht nur „Housewitch“. Doch trotz ihrer so unterschiedlichen Schicksale verbinden sich ihre Lebensläufe zu innigen, bittersüßen Momentaufnahmen.

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