Kultur
17.11.2018

Nestroy 2018: Schauspiel-Preise für Peters, Simonischek, Lyssewski

Schriftsteller Peter Handke wurde bei diesem Abend mit politischen Ansagen für sein Lebenswerk geehrt.

Wer ihn schon bekommen hat, hält ihn in allen Ehren. Wer ihn noch nicht bekommen hat, hofft auf zukünftige Ehren. Die Rede ist vom Nestroy, dem Wiener Theaterpreis, der alljährlich für die herausragendsten Leistungen auf heimischen sowie deutschsprachigen Bühnen vergeben wird. 2018 zum bereits 19. Mal. Und dies geschah am Samstag im Rahmen einer großen Gala im Theater an der Wien, die von Viktor Gernot, Maria Happel und ORF-III-Moderator Peter Fässlacher (der Sender übertrug live-zeitversetzt) moderiert wurde. Das Buch zur Gala schrieb der Schauspieler und Autor Nicolaus Hagg.

Drei Preisträger standen dabei schon im Vorfeld fest. Etwa der bedeutende österreichische Schriftsteller Peter Handke, der den Nestroy für sein Lebenswerk erhielt. Die Laudatio auf den Dichterfürsten hielt kein Geringerer als Schauspielstar Klaus Maria Brandauer, der seine Laudatio mit Handkes „Satzbiografie“ begann und so schloss: „Du bist ein Unvergleichlicher. Und manchmal sind Deine Texte einfach zu groß für das Theater. Aber von Dauer!“.

Der in Paris lebende österreichische Dichter wurde mit stehenden Ovationen gefeiert, hielt eine launige Rede und meinte: „Ich habe was zu geben. Das war immer meine Grundhaltung im Leben.“ Er plädierte für die Rückbesinnung des Theaters auf jene Dinge, die es auszeichne: Sprache, Konfrontation, Rhythmus.

Eindringlicher Einzelgänger

Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler ( SPÖ), die für „Die Kinder der Toten“ im Nachhinein für ihre Leistung beim steirischen herbst den Nestroy für den Spezialpreis bekam, würdigte Handke: „Das ist nichts weniger als eine selbstverständliche Würdigung eines Dichters, der auch das Theater der letzten 50 Jahre entscheidend bereichert hat. In der Geschichte heimischer, deutschsprachiger und internationaler Bühnen ist sein Werk von einzigartiger, weil einzelgängerischer Eindringlichkeit.“

Ein jüngerer Kollege von Handke durfte sich ebenfalls über einen Nestroy freuen. Der Dramatiker Ferdinand Schmalz wurde von der Jury für seine „Jedermann“-Neuschreibung (zu sehen am Burgtheater) „jedermann (stirbt)“ mit dem Nestroy für das beste Stück ausgezeichnet. Er hatte einen kurzen Text mitgebracht, den er geschrieben hatte, als zum Nationalfeiertag vor dem Burgtheater die Panzer aufgefahren waren, während im Haus sein Stück gespielt wurde. Es werde wieder an Festungen gebaut, vermeintlich zu unserer Sicherheit, „obwohl man meinen könnte, dass diejenigen, die heute unsere Sicherheit gefährden, in den Ministerien sitzen“. Er schloss mit einem Verweis auf die wieder wöchentlich stattfindenden Protest-Demos: „Nächste Woche ist wieder Donnerstag!“

Die beste Ausstattung stammt von Alice Babidge für „ Hotel Strindberg“ im Akademietheater. Regie bei dieser Produktion führte Simon Stone, der wie auch Thomas Köck und Elsa-Sophie Jach („Die Zukunft reicht uns nicht (klagt, Kinder klagt!“, Schauspielhaus) für einen Nestroy nominiert war. Sie mussten sich aber Dušan David Parizek („Vor Sonnenaufgang“ von Ewald Palmetshofer, Akademietheater) geschlagen geben.

Einen Nestroy gab es für den Toni. Burgschauspieler Peter Simonischek, der als „Toni Erdmann“ internationale Triumphe feierte, bekam den Preis als bester Schauspieler für seine eindringliche Darstellung des Afzal in „The Who and the What“ von Ayad Akhtar. Simonischek setzte sich hier gegen Herbert Föttinger, Michael Maertens, Jens Harzer und Martin Wuttke durch. Den Preis übernahm Benedikt Simonischek für seinen Vater.

Beste Schauspielerin wurde Caroline Peters für ihre Leistung in „Hotel Strindberg“ von Simon Stone nach August Strindberg. Sie siegte damit gegen Anja Herden, Sandra Hüller, Aenne Schwarz und die zukünftige Salzburger Buhlschaft Valery Tscheplanowa. Peters war bereits in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur „Schauspielerin des Jahres“ gewählt worden. Derzeit ist sie auch in Sönke Wortmanns Komödie „Der Vorname“ im Kino zu sehen.

Der Nestroy für die beste Nebenrolle ging an Dörte Lyssewski, die sich in dieser Kategorie gegen vier Herren durchsetzte. Beste Off–Produktion wurde „Muttersprache Mameloschn“, was die Preisträgerinnen für ihre Statement nutzten: „Kunst muss frei bleiben!“

Die slowenische Regisseurin Mateja Koleznik wurde zwei Tage nach ihrer Schnitzler-Premiere am Theater in der Josefstadt für ihre Klagenfurter „Iwanow“-Inszenierung mit dem Nestroy für die beste Bundesländer-Aufführung ausgezeichnet, konnte den Preis allerdings nicht selbst entgegennehmen, da sie bereits an ihrem nächsten Projekt arbeitet. Die beste deutschsprachige Aufführung war mit „Die Perser“ (Regie: Ulrich Rasche) bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

Der Nestroy für die beste Nebenrolle ging an Dörte Lyssewski, die sich in dieser Kategorie gegen vier männliche Konkurrenten durchsetzte. Beste Off–Produktion wurde „Muttersprache Mameloschn“, die beste deutschsprachige Aufführung war mit „Die Perser“ (Regie: Ulrich Rasche) bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

Gekürt wurden zudem die besten Nachwuchs-Schauspieler mit Lara Sienczak und Peter Fasching. Er schloss seine Dankesworte mit einem kulturpolitischen Statement: „Im übrigen bin ich der Meinung, das Volkstheater muss ein Ensembletheater bleiben.“

Den im Rahmen der Nestroy-Gala vergebenen ORF III-Publikumspreis gewann der Regisseur, Schau- und Puppenspieler Nikolaus Habjan bereits zum zweiten Mal. Der erkrankte Preisträger musste sich bei der Übergabe der Auszeichnung durch seine Schwester vertreten lassen.

Den Spezialpreis gab es für das Theater/Filmprojekt „Die Kinder der Toten“. Das Nature Theater of Oklahoma inszenierte beim steirischen herbst den Roman von Elfriede Jelinek als Super-8-verfilmtes Mitmach-Dorf-Event für Jung und Alt.

Last but not least wurde auch die Kulturjournalistin und langjährige frühere KURIER-Mitarbeiterin Karin Kathrein (80) geehrt. Sie legte nach 19 Jahren den Vorsitz der Nestroy-Jury zurück und erhielt zum Abschied einen Ehren-Nestroy-Preis sowie lang anhaltende Standing Ovations.