Willemsen: Bestsellerautor und preisgekrönter Fernsehmacher.

© EPA/JENS KALAENE

Nachruf
02/08/2016

Roger Willemsen: Er war der Nacht- und Qualitätswächter

Roger Willemsen 1955–2016. Der Medienmann und Medienkritiker starb an Krebs.

von Gert Korentschnig

Und wieder ist einer gegangen, der in der deutschsprachigen Fernsehwelt bedingungslos für Qualität stand: zunächst als Moderator, nach seinem Rückzug als Beobachter und Kritiker.

Und wieder sieht man die tiefen Spuren, die der Betreffende in der endlosen Weite, in der flachen Wüste hinterlassen hat und fragt sich als Dürstender, warum es in der Television so wenige seines Schlages gibt.

Roger Willemsen ist tot. Der deutsche Publizist und Intellektuelle starb im Alter von 60 Jahren an Krebs, der vergangenen Sommer bei ihm diagnostiziert wurde. Er hat als Fernseh-Mann schon lange gefehlt und fehlt fortan auch als Mahner (und als Autor, etwa seiner essayistischen Reisebücher, sowieso).

Willemsen, geboren in Bonn in eine künstlerische Familie (Vater Kunsthistoriker und Restaurator, Mutter Expertin für ostasiatische Kunst), arbeitete nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zunächst als Nachtwächter, Übersetzer und Korrespondent, ehe er Anfang der 1990er Jahre beim Pay-TV-Sender Premiere auch eine Art Nachtwächter-Tätigkeit übernahm und aufpasste, dass das Niveau vorm Schlafengehen nicht absackte. Er moderierte, einige Zeit alternierend mit Sandra Maischberger, mit der ihn auch eine private Beziehung verband, mehr als 600-mal die Sendung "0137" – eine Interviewreihe mit hochkarätigen oder hochbrisanten Gästen. Seine Art der Gesprächsführung zeichnete sich stets durch Einfühlsamkeit, Intelligenz, enorme Bildung aus, was sich in der Verleihung des Bayrischen Fernsehpreises und des Grimme-Preises niederschlug.

Einem breiteren Publikum bekannt wurde er später durch die ZDF-Talkshow "Willemsens Woche" oder Sendungen wie "Willemsens Zeitgenossen", für die er Stars porträtierte. Wenn er mit Menschen im TV sprach, dann war es Kunst. Und auch dann, wenn er schrieb, wovon zahlreiche Publikationen Zeugnis ablegen.

Für seine Fans viel zu früh, für sein eigenes Seelenwohl aber genau rechtzeitig zog er sich vom Fernsehen zurück, weil er mit der Quoten-Fixierung nichts anzufangen wusste. Im Radio war er länger aktiv. Und auch als politischer Kopf, als sozialpolitischer Analytiker, als kritischer Geist meldete er sich in manchen Fällen und ausgesuchten Medien zu Wort: immer freundlich im Ton, hart in der Sache und zumeist im Recht.

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