Agnès Varda bei den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film „Varda par Agnès “, der heuer auf der Berlinale lief

© EPA/Cine Tamaris 2018 / BERLINALE / HANDOUT

Kultur
03/29/2019

Nachruf: Eine fröhliche Feministin, die Filmgeschichte schrieb

Regisseurin Agnès Varda, Vorzeigefrau der französischen Nouvelle Vague, ist 90-jährig verstorben.

„Nein, ich bin keine Legende. Noch bin ich am Leben“, sagte die Filmemacherin Agnès Varda bei ihrer letzten Pressekonferenz im Februar in Berlin: „Aber ich muss mich darauf vorbereiten, Abschied zu nehmen.“

Nun hat sie Abschied genommen.Über sechzig Jahre lang hat Agnès Varda Filme gemacht und dafür zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen erhalten: „60 Jahre kreativ – und kaum zwei Kilo schwer“, scherzte Varda bei einem öffentlichen Auftritt und hielt die DVD-Box ihrer gesammelten Werke hoch. Die alte Dame mit der interessanten Frisur – sie trug ihren berühmten Rundhaarschnitt, der am Haaransatz kreisrund weiß blieb und dann in Violett überging – wurde 1928 in Belgien geboren und startete ihre Karriere als Fotografin in Paris.

 

Bereits ihr erster, semi-dokumentarischer Film „La Pointe Courte“ (1955), der über eine junge Ehe erzählt und den damals unbekannten Philippe Noiret in der Hauptrolle zeigte, war in seiner ungewöhnlichen Stilistik richtungsweisend für die französische Nouvelle Vague.

Juwel

„Damals gab es nur wenige Regisseurinnen“, erzählte Varda über ihre Anfänge: „ Ich wollte einen radikalen Film drehen.“ Und: „Ich bin eine fröhliche Feministin.“

Gemeinsam mit den Regisseuren Chris Marker und Alain Resnais bildete sie die „Groupe Rive Gauche“ und gründete auch eine Produktionsgesellschaft. Der Durchbruch gelang ihr mit dem herausragenden Werk „Cléo de 5 à 7“ (1961), einem glasklaren Juwel der französischen Welle. Eine junge Sängerin – verliebt in ihr eigenes Aussehen – wird mit einer möglichen Krebsdiagnose konfrontiert. In langen Spaziergängen durch Paris beginnt Cléo, sich nicht nur über ihre Schönheit zu definieren und stattdessen den Blick auf andere Menschen zu werfen.

Varda selbst, die von sich sagte, dass „ich immer auf der linken Seite gestanden bin“, wandet sich in ihrer Arbeit zunehmend der Wirklichkeit und dem (politischen) Dokumentarfilm zu. Längere Aufenthalte in Los Angeles, die Begegnung mit den radikalen „Black Panthers“ und der Frauenbewegung erzeugten Dokumentarfilme rund um „1968 und die Folgen“, die ihresgleichen suchen.

Agnès Varda war auch der Viennale stark verbunden und fertigte 2004 den Festival-Trailer „Viennale Walzer“ an. Im Jahr 2006 wurde die große Retrospektive ihr und ihrem langjährigen Ehemann, Regisseur Jacques Demy („Die Regenschirme von Cherbourg“) gewidmet.

„Hohe Einspielergebnisse waren nie meine Stärke“, grinste die alte Dame mit Blick auf ihr Werk. Tatsächlich aber landete sie mit ihrem Drama „Vogelfrei“ – mit Sandrine Bonnaire als Landstreicherin – einen großen Erfolg. Und erhielt 1985 als eine von wenigen Frauen den Goldenen Löwen von Venedig.

Eine späte Ehre wurde ihr erst kürzlich zuteil, als 2018 ihr hinreißender Roadtrip durch Frankreich – „Augenblicke: Gesichter einer Reise“ – als beste Doku für einen Oscar nominiert wurde. Was sie so jung gehalten habe, wurde Agnès Varda gefragt: „Neugier“, sagte sie mit ungebrochenem Lächeln: „Und die Liebe zu den Menschen.“

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