Freni (r.) mit Montserrat Caballé und Dirigent Alain Lombard

© APA/AFP/-

Kultur
02/10/2020

Nachruf auf Mirella Freni: Als Karajan zum zweiten Mal weinen musste

Die italienische Starsopranistin Mirella Freni ist im Alter von 84 Jahren verstorben – sie hinterlässt ein reiches musikalisches Erbe

von Peter Jarolin

Wenn sie auf der Bühne stand, war die Opernwelt in Ordnung. Mirella Freni, eine Art Engel der klassischen Musik, konnte mit ihrer Stimme über fünf Jahrzehnte lang Menschen in aller Welt begeistern und sehr oft auch zu Tränen rühren.Da war dieser lyrische, hingebungsvolle, reine, helle, edle Sopran, mit dem Mirella Freni stets sorgsam umging.

Und da war diese Bühnenerscheinung, die Mädchenhaftes mit Tragik paarte, die ohne billige Effekthascherei mit kleinsten Gesten Schicksale darstellen, glaubhaft machen konnte. Allüren kannte diese Sängerin nicht; auch von den Klatschspalten hielt sie sich Zeit ihres Lebens fern.

Mirella Freni war einfach da, sie brauchte den „großen Auftritt“ nicht, weil sie von Natur aus eine Größe war. In unzähligen Rollen setzte die 1935 in Modena geborene Künstlerin Maßstäbe. Dabei oft an ihrer Seite: Tenor Luciano Pavarotti. Auch er kam aus Modena, wurde im gleichen Jahr wie Freni geboren. Die Zusammenarbeit und Freundschaft dieser beiden Solitäre der Opernwelt währte bis zu Pavarottis Tod 2007.

 

Bühne und Leben

Ebenfalls ein häufiger Partner: Frenis zweiter Ehemann – von dem Dirigenten und Vater ihrer einzigen Tochter Leone Magiera ließ sie sich früh scheiden – der bulgarisch-österreichische Bassist Nicolai Ghiaurov. Mit dem 2004 verstorbenen „König der Bässe“ (wie Ghiaurov genannt wurde) war Frenis privates wie berufliches Glück vollkommen.

Die Rollen? Mirella Freni war u. a. die Susanna in Mozarts „Le nozze di Figaro“ und in der Verfilmung von Jean-Pierre Ponnelle. Sie war natürlich die Violetta in Verdis „La Traviata“, die Tatjana in Tschaikowskys „Eugen Onegin“, die Micaela in Bizets „Carmen“ und sie wat die, ja die Mimì in Puccinis „La Bohème“. Auch unter Herbert von Karajan, der nach einer Vorstellung zu Freni meinte: „Ich habe zweimal in meinem Leben geweint: Als meine Mutter starb und jetzt, als Sie auf der Bühne gestorben sind.“ Und Karajan war bekanntlich nicht ein Mann der großen Emotionen.

Wo die Freni sang? Auf allen großen Bühnen der Welt. Egal, ob in Mailand, New York, bei den Salzburger Festspielen oder an der Wiener Staatsoper – die Herzen des Publikums flogen der stets natürlichen, bescheidenen Sängerin zu.

In Salzburg gastierte sie zwischen 1966 und 1980 14 Sommer lang und begeisterte mit einem Repertoire von der Zerlina in Mozarts „Don Giovanni“ bis zu Desdemona in Verdis „Otello“. Noch so eine Paradepartie, die sie auch im Haus am Ring gestaltete.

Seit ihrem Debüt 1961 als Mimì sang sie hier an 96 Abenden von der Titelrolle in Puccinis „Manon Lescaut“ über die Elisabetta in Verdis „Don Carlo“, die Amelia in dessen „Simon Boccanegra“ bis zu Giordanos „Fedora“, mit der sie 1995 Abschied nahm. Fast bis zuletzt war die begeisterte Pädagogin aktiv. Nun ist Mirella Freni kurz vor ihrem 85. Geburtstag für immer verstummt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.