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Kultur
07/29/2021

Nachruf auf Dusty Hill: Kein Dach ohne Fundament

Zum Tod des Bassisten von ZZ Top.

von Guido Tartarotti

Wer die Band einmal live gesehen hat, wird seine Zustimmung nicht schnöde verweigern: ZZ Top sind – oder waren – die mit Abstand coolste Band des Rock-Universums. Wenn sie mit kleinen synchronen Tanzschrittchen über die Bühne stiefelten, die Bärte im Wind wehen ließen und dabei diese tonnenschweren und zugleich so eleganten Blues-Riffs von der Leine ließen, konnte man gar nicht anders, als zu lächeln.

Und Dusty Hill war, wie es seine Bandkollegen auf Instagram formulierten, "das monumentale Fundament" zum "Top" von ZZ.

Hill, der Bassist und die zweite (die hohe) Stimme des Bluesrocktrios, starb in seinem Haus in Houston, Texas, im Schlaf. Er wurde 72 Jahre alt. Eine Todesursache wurde nicht bekannt gegeben. Hill laborierte an den Folgen einer Hüftoperation. "Gemeinsam mit Legionen von ZZ-Top-Fans auf der ganzen Welt werden wir deine standhafte Präsenz, dein freundliches Wesen und dein Engagement vermissen", schrieben seine Bandkollegen.

Dusty Hill kam 1949 in Dallas, und damit natürlich in Texas, zur Welt. Seine Mutter war Sängerin, sein Bruder Bluesgitarrist, Hill spielte Bass in dessen Band. Die Gruppe, die sich schließlich The American Blues nannte, spielte als Backgroundband für Größen wie Freddie King und Lightnin’ Hopkins. Hill lernte dabei, was die wichtigste Aufgabe eines Bassisten ist: Die Musik auf dem Boden zu halten – und gleichzeitig zum Swingen zu bringen.

Als Hill mehr in Richtung Rockmusik gehen wollte, verließ er mit dem Schlagzeuger Frank Beard die Gruppe und schloss sich der Formation ZZ Top des Gitarristen Billy F. Gibbons an. 1971 erschien deren erstes Album. Von Texas aus eroberte das Trio mit grollendem, mit ein wenig Pop lackierten Bluesrock die Welt, kommerzieller Höhepunkt war das Album "Eliminator" (1983), das 14 Millionen Mal verkauft wurde.

ZZ Top wären heute der böse Traum aller Twitteranten – sie kümmerten sich nämlich nicht um politische Korrektheit. Ihre Songs handelten von Autos, gegrilltem Fleisch und Sex, und genauso sahen ihre Bühnenshows aus.

Dusty Hill, ein Mann wie ein Kleiderkasten, überraschte mit einer erstaunlich zarten Stimme, zu Hören etwa im grandiosen Song "Tush", sein Bassspiel war melodiös, muskulös und leichtfüßig.

Hill litt an Hepatitis C und überstand eine Tumorerkrankung im Ohr. Ob ZZ Top ohne ihn weiter existieren können, ist sehr fraglich.

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