Campino - topfit auch mit 52.
Festivalbericht
06/14/2015

Nova Rock, Tag 2: Einmal noch mit Feuerzeugen

Erdige Festivalstimmung bei den Toten Hosen, Fanta 4 und Nightwish. Wolfgang Ambros erinnerte an alte Glanztage.

von Karl Oberascher, Elisabeth Hofer

50 Minuten haben die Toten Hosen gerade erst gespielt - noch nicht einmal Halbzeit ihres zweistündigen Sets, mit dem sie den zweiten Tag in Nickelsdorf zumindest offiziell beenden - da beschenkt sich das Publikum selbst mit einem jener Momente, die man dann eben doch nur auf Festivals erlebt. Bei „Nur zu Besuch“ sind plötzlich hunderte Feuerzeuge zu sehen. Weit und breit keine blau leuchtenden Handybildschirme. Keine Selfies, nur selige Konzertstimmung wie anno dazumal – seit elf Ausgaben so etwas wie die Nova Rock’sche Kernkompetenz, lädt das Line Up doch meistens zum nostalgischen Schwelgen ein. Aber dazu später.

Der Live-Bericht von Tag 2 zur Nachlese

Für den bewegendsten Moment sorgen dann die Hosen selbst. „Steh auf, wenn du am Boden bist“ widmet Sänger Campino Wolfgang „Wölli“ Rohde. Der ehemalige Schlahzeuger der Hosen ist an Lungenkrebs erkrankt.

Ansonsten zeigte sich die Band aus Düsseldorf bei ihrem Headlinerslot am Samstagabend gewohnt launig. Campino scherzt mit dem Publikum, schimpft auf hiesige Politiker („Lasst euch nicht für dumm verkaufen“) und kreischsingt von „10 kleinen Jägermeistern“ und „eisgekühltem Bommerlunder“.

Kurz: Dass es schon die letzten zwanzig Mal so war, macht es nicht weniger richtig - die Toten Hosen waren - ganz offiziell - der krönende Abschluss an diesem zweiten Tag in Nickelsdorf.

Die Bilder von Tag zwei

Frank Turner - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Frank Turner - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

L7 - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Rae Garvey - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

NOVA ROCK 2015: KONZERT / IN EXTREMO

NOVA ROCK 2015: BESUCHER / IN EXTREMO

inflames - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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nightwish - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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Kraftklub - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Kraftklub - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Kraftklub - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Kraftklub - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Kraftklub - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

regen - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

fanta 4 - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

fanta 4 - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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AUSTRIA MUSIC

die toten hosen - nova rock 2015 - Florian Wieser …

die toten hosen 2 - nova rock 2015 - Florian Wiese…

nova night - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

wolfgang ambros - nova rock 2015 - Florian Wieser …

wolfgang ambros - nova rock 2015 - Florian Wieser …

NOVA ROCK 2015: KONZERT / WOLFGANG AMBROS

regen - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Deutschlandtag

Der Samstag stand überhaupt ganz im Zeichen unserer geschätzten Nachbarn aus dem Norden.

Die Sprechgesangs-Punker Kraftklub aus Chemnitz, übrigens erstmals am Nova Rock, sorgen am frühen Abend – trotz gefährlich wolkenverhangenem Himmel - für ein erstes Stimmungshoch bei den rund 30.000 Fans, die sich vor der Blue Stage versammelt haben.

Bei den Fantastischen Vier gibt's dann gar kein Halten mehr. Das betrifft sowohl die Fans – als leider auch die Gewitterwolken, die sich über dem Festivalgelände entleeren. Mehr als nur eine willkommene Abkühlung für die Nova-Rock-Fans. Aber die sind ja ohnehin traditionell wetterfest.

Format-Festival

Auf der kleineren Red Stage wurde einstweilen Nova-Rock-Programm, wie man es bereits aus den vergangenen Jahren nur allzu gut kennt, geboten: Die Nu-Metaller von Papa Roach locken auch bei ihrem gefühlt zehnten Auftritt eine stattliche Fanschar vor die Bühne. Immerhin: Die Show hat Festivalformat.

Musikalisch interessanter wird es an dem Tag bei In Flames. Rein optisch eine Mischung aus Holzfäller, Hipster und Metallern - mit wilden Bärten und schwarzen Hemden. Schweden dürfen das. Musikalisch gibt es Hartes mit Melodischem. Zwischen Thrash-Parts findet Gitarrist Niclas Engelin immer wieder Platz für feine, kleine Melodien.

Nightwish beweisen im Anschluss immerhin, dass Metal auch auf der Seebühne in Mörbisch gespielt werden könnte. Die Operette mit Metalgrätsche ist nur für echte Fans - von denen es aber, das sei gesagt, trotz Konkurrenz der parallel aufspielenden Toten Hosen, genug gibt.

Mehr als Erinnerungen

War da noch was? Natürlich! Wolfgang Ambros. Der lief quasi außer Konkurrenz in lieb-gewonnener Nova Rock-Tradition als Late-Night-Act (man erinnere sich an David Hasselhoff, Otto Waalkes und, frischer, weil gestern und wie dem Autor dieser Zeilen von vielen Seiten einhellig beschieden wurde phänomenal: Scooter).

Ein sympathische Wahl für den Schlusspunkt an diesem teutonisch dominierten Tag, soviel war schon vorher fix. Wie der Auftritt dann genau verlaufen würde, darauf durfte man aber gespannt sein.

Ambros' schlechter Gesundheitszustand ist bekannt, der 63-Jährige hat eine schwere Rücken-OP hinter sich. Das sieht man dann auch auf der Bühne. Ambros kann kaum aufrecht stehen, hält sich zu Beginn geradezu am Mikrofonständer fest, rührt mehr in seiner Gitarre um, als dass er sie spielt.

Ja, man kann es so sagen: Ambros ist ein Schatten seiner selbst. Zumindest ist er nicht mehr der, der er einmal war. Aber damit ist der Mittsechziger, wir wollen diplomatisch bleiben, in seiner Altersgruppe sicher nicht allein. Und überhaupt: Dieser Schatten strahlt noch immer voller Witz und Charisma. "Ich hoffe, ihr habt noch Kraft" raunzt er dem Publikum um 0.30 Uhr zu. Ambros selbst jedenfalls hat noch. Bis 2 Uhr spielt er. "Erste große Liebe", "Schaffnerlos" und, mit einem Augenzwinkern: "Wem heut net schlecht is" (... des konn ka Guada sein).

Das Publikum bleibt bis zum Schluss, singt mit, starrt gebannt auf Ambros. Nur dass man jetzt eigentlich die Feuerzeuge wieder auspacken könnte, darauf vergessen die Nova Rocker diesmal. Schade.

Kein Schatten in Sicht

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