H.P. Baxxter und Scooter waren die eigentlichen Headliner am 1. Tag.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Nickelsdorf
06/13/2015

Nova Rock Tag 1: Die Gelse in der Großraumdisco

Tag 1 beim Nova Rock: Scooter, Mötley Crüe und Tierschutz-Punk.

von Guido Tartarotti

Es ist schon so: Vor dem Vergnügen steht die Arbeit. Der wirklich tief empfundene Genuss will dem Leben abgetrotzt, abgerungen, dem wütenden Geschick durch tapfere Bewältigung einer See von Plagen entrissen sein. Wer sollte das besser wissen, als der geübte Nova-Rock-Besucher, der sich sein Konzerterlebnis stets durch Herausforderungen verdienen muss, nämlich einerseits durch den Aggregatzustand der Örtlichkeit (entweder staubig oder schlammförmig, heuer ist übrigens wieder ein Staubjahr), andererseits durch das Stauchaos (mehrere Stunden Sperre der Ostautobahn wegen Lkw-Panne am Freitag, schmerzhafter und damit im katholischen Sinne heilbringender geht es kaum).

Gelsen mögen Rise Against

Heuer kam noch eine weitere, bisher kaum bekannte Herausforderung dazu: die Gelse. Als sich die Sonne über Nickelsdorf zur Ruhe senkte, senkten sich auch Millionen von Stechmücken auf die etwa 50.000 Besucher. Gerade, als Rise Against zu spielen begannen – vermutlich mochte die Gelse das Konzert, Rise Against sind militante Tierschützer. Der recht vorhersehbare, aber schön aufmüpfige Punkrock der Amerikaner unterhielt nicht nur Tier, sondern auch Mensch prächtig.
Apropos Unterhaltung: Dass ausgerechnet die deutschen Großraumdisco-Beschaller Scooter das größte Publikum des ersten Tages lukrieren würden, hätte niemand erwartet. Da rieb sich auch Nova-Rock-Veranstalter Ewald Tatar im Publikum verblüfft die Augen: Wie haben sich die Prolo-Techno-Brüller („Hyper! Hyper!“) ins Kultigkeits-Leo geschlichen? Scooter bildeten den Late-Night-Act des ersten Tages, und in schöner Nova-Rock-Tradition gilt der Late-Night-Act als eher humoristische Einlage (siehe Otto Waalkes, siehe David Hasselhoff). Deshalb stehen die Late-Night-Acts auf dem Ablaufplan auch als einzige unter Anführungszeichen. Also „Scooter“, nicht Scooter. Late-Night-Act des zweiten Tages ist übrigens „Wolferl“ (Ambros). Wer kommt bitte nächstes Jahr? Modern Talking? Steffi Werger? Gabalier?

Hairspray

Was ist sonst zu vermelden? Die bei uns wirklich wenig bekannten L.A.-Hairspray-Metal-Veteranen von Mötley Crüe, bizarrer Weise als Headliner des ersten Tages eingesetzt, lockten erwartungsgemäß wenig Publikum vor die blaue Bühne, boten dafür aber eine sehr kurzweilige Show. Sänger Vince Neil trägt zwar äußerst merkwürdiges Beinkleid (phallisches Goldkreuz im Schritt!) und sieht aus, als wäre er im siebten Monat schwanger – aber wenn es ihm halt so gut schmeckt! Und wenn er seine berüchtigt schiefen Töne gar zu schief in die Landschaft quietscht, lässt der Techniker halt einen Teil der Bühne in Flammen aufgehen, und alles ist gut. Wirklich: Beste Rock-Unterhaltung ohne Längen.

Fotos vom ersten Tag

camping - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

Life of agony - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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Mastodon - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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beatsteaks - nova rock 2015 - Florian Wieser -…

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Gesetz

Bei den Beatsteaks, ohne die im deutschsprachigen Raum laut gesetzlicher Vorschrift kein Festival veranstaltet werden darf, war zeitgleich wesentlich mehr los. Die Berliner und ihre bewährte Mischung aus Punk, Reggae und Pop waren auch diesmal genau das, auf das sich Zeltbewohner und Mit-dem-SUV-Anreisende-und-bei-der-Zugabe-Abfahrer einigen konnten.

Was war noch? Mastodon wie immer mehr interessant als packend, Lamb Of God herrlich trommelfellmordend, Eagles Of Death Metal mehr witzig als gut, Guano Apes … ja eh, die sind auch immer da, wie der redselige Nachbar beim Grillfest.

Tag zwei bringt auf der blauen Bühne eine Deutsch- bzw. Austropop-Schiene, für alle, die sowas mögen (Fanta 4, Die Toten Hosen, Ambros) und auf der roten pathetischen Schweden-Metal (In Flames, Nightwish) mit erhöhter Orchestersound-Gefahr, passend zur Hochzeit des schwedischen Prinzenbuben.

Was die Gelsen davon halten, bleibt abzuwarten.

Campingplatz Olé

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