Alina Fritsch (rechts) spielt mit ihrer Mutter Regina in Hermann Bahrs „Das Konzert“. Premiere ist am kommenden Samstag

© /Georg Soulek, Burgtheater

Interview
02/05/2015

Mütter, Töchter, tapfere Helden

Regina Fritsch und ihre Tochter Alina stehen in Wien gemeinsam auf der Bühne.

von Guido Tartarotti

Am 7. Februar stehen die Alma-Seidler-Ringträgerin Regina Fritsch und ihre Tochter Alina gemeinsam auf der Akademietheater-Bühne. Dort hat Hermann Bahrs Komödie "Das Konzert" in einer neuen Fassung Premiere. Ein – aus Termin- und Krankheitsgründen per eMail geführtes – Interview.

KURIER: Wie fühlt es sich an, mit der Mutter respektive Tochter auf der Bühne zu stehen?

Alina Fritsch: Es ist toll, mit meiner Mutter auf der Bühne zu stehen, denn sowohl die Privatwelt abseits der Bühne als auch die Arbeitswelt auf der Bühne findet immer dieselben offenen, ehrlichen Bedingungen vor.

Regina Fritsch: Auf der Bühne ist Alina ausschließlich eine Kollegin für mich.

Spricht man dann auch privat über die Probenarbeit?

Alina Fritsch: Ich glaube, wenn wir privat auch viel über das Schauspielen redeten, würden wir verrückt werden! Wenn man effizient und konzentriert zusammenarbeiten kann, dann muss man das auch nicht mit nach Hause nehmen, finde ich.

Regina Fritsch: Auch ich mag es gar nicht, die Proben mit nach Hause zu nehmen, ich finde, acht Stunden täglich genügen, es gibt auch ein Leben außerhalb des Theaters.

Kann man voneinander lernen?

Alina Fritsch: Man kann von jedem Menschen lernen. Viel zu oft schmerzen leider solche Lernprozesse, doch das Feine ist, wenn man jemanden hat bei dem dies angstfrei und mit Wohlwollen passiert – und wenn dieser jemand seine eigene Mutter ist, dann hat man Glück!

Regina Fritsch: Aber ja! Es gibt immer etwas zu lernen!

Sind Sie einander als Menschen und Schauspieler ähnlich?

Alina Fritsch: Wir sind uns als Menschen sehr ähnlich. Ob das auf der Bühne so ist, wird der Zuschauer beurteilen.

Regina Fritsch: Wir haben einen sehr ähnlichen Zugang, die Welt zu sehen und zu empfinden, ein ähnliches Draufgängertum und das Gefühl, grenzenlos und unverwundbar zu sein ... um sich dann auch gleich oft schwer verletzt und eingesperrt irgendwo wiederzufinden.

Haben Sie Ihre Tochter vor diesem Beruf gewarnt?

Regina Fritsch: Ich habe nichts anderes getan, als mich jahrelang dagegen zu wehren, dass Alina Schauspielerin wird! Den Beruf selbst finde ich wundervoll, das Drumherum weniger ... Es geht in diesem Beruf nicht immer nur ums Talent und Können, sondern genauso oft um Glück und Zufall. Auch darum, große Durststrecken und Enttäuschungen zu überwinden. Man wird oft als Ware gehandelt oder als Typ beschränkt, man ist oft nur Schachfigur und allzu oft von Moden abhängig.Erfolg zu haben ist eines, Erfolg zu halten noch mal etwas anderes...

Alina Fritsch: Meine Mutter wollte nie, dass ich Schauspielerin werde – es war für sie eine einzige Horrorvorstellung. Sie hat mir immer nur die negativen Seiten des Berufes vor Augen gehalten. Es war sehr schwer, das auszuhalten, aber ich habe mich nicht beirren lassen.

Regina Fritsch: Meine eigene Mutter hat mich nicht gewarnt, sie war Firmenleiterin und hatte wohl nur eine sehr romantische Vorstellung von der Schauspielerei ... Bei Alina und mir führte meine negative Einstellung gegenüber ihrem Berufswunsch zu den einzigen wirklich ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen uns.

In Hermann Bahr "Das Konzert" geht es um den Gegensatz "Affäre" und "Ehe", wobei die Affäre als der interessantere Zustand dargestellt wird. Laut Umfragen wünschen sich Menschen in erster Linie dauerhafte Beziehungen, aber die Hälfte aller Ehen geht auseinander.

Alina Fritsch: Ich glaube, die Menschen machen sich zu wenig Gedanken, WARUM sie sich etwas wünschen, und sind zu sehr im Akt des unbewussten Wünschens verstrickt. Wonach sehnen wir uns wirklich? Eine herkömmliche "Ehe" würde ich mir nicht wünschen, denn ich finde nicht, dass man Liebe durch ein Gesetz legitimieren und einbetonieren muss. Dass wir uns solche gesellschaftlichen Zwänge antun müssen, das ist das Tragische, was einen dann die tatsächliche zeitlose Liebe vergessen oder übersehen lässt.

Regina Fritsch: Natürlich ist die Affäre beim ersten Blick interessanter, das kennen wir doch: Alles Neue, Abenteuerliche, Unbekannte erscheint reizvoll – bis es dann irgendwann alt, alltäglich und bekannt ist und das nächste Neue her muss. So funktioniert der Mensch und bringt sich damit an den Rand seiner Existenz. Der Mensch ist ambivalent, er will beides, die Sicherheit und das Abenteuer, und weil er gierig ist und ihm seine Individualität so wichtig ist, glaubt er ständig, sich zwischen Alt und Neu entscheiden zu müssen, um nichts zu verpassen. Im Alltäglichen das ewig Neue zu sehen, wäre die Befreiung von aller Getriebenheit.

Können Sie einander in zwei Sätzen beschreiben?

Alina Fritsch: Der Mythos lebt! Im siebten Bezirk! Meine Mutter ist meine Heldin.

Regina Fritsch: Alina geht als tapferer Ritter durchs Leben, mit Alice in Wonderland im Kopf und Robin Hood im Herzen!

Ehekomödie

Das Lustspiel "Das Konzert" gehört zu den erfolgreichsten Stücken des Schriftstellers und Dramatikers Hermann Bahr (1863–1934). Es handelt vom Schwerenöter Gustav Heink, der angebliche Konzerte als Vorwand für seine Liebschaften verwendet. In der Regie von Felix Prader spielen im Akademietheater neben Regina und Alina Fritsch u. a. Peter Simonischek, Stefanie Dvorak und Florian Teichtmeister.

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