© Bühne Baden/Gregor Nesvadba

Kritik
10/20/2019

Mozarts "Entführung" in Baden: Handzahmes Singspiel mit modernen Tupfern

Mozarts „Entführung aus dem Serail“ im Stadttheater Baden in der Inszenierung von Michael Lakner.

von Peter Jarolin

Mit (meist ganz klassischer) Operette sowie höchst erfolgreichen Musicalproduktionen hat Intendant Michael Lakner mit „seiner“ Bühne Baden in den vergangenen Jahren der niederösterreichischen Kulturlandschaft einen Stempel aufgedrückt. Nur im Bereich der Oper („Der Freischütz“, „Fidelio“) wollte es vor allem in szenischer Hinsicht noch nicht so richtig klappen.

Gegensätze

Ein Grund für den Hausherrn, nun bei seiner Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ ein bisschen zurückzurudern und auf eine vorsichtige Modernisierung zu setzen. „Religion und Glaube“ lautet das Motto der diesjährigen Saison – ein Thema, zu dem Mozarts Werk passt. Immerhin geht es hier um den Gegensatz zwischen Orient und Okzident, zwischen dem Osmanischen Reich und Europa, zwischen Islam und Christentum. Ein hochaktueller Stoff also, der jede Menge Chancen auf eine zeitgemäße Darstellung böte. Die gibt es in Lakners Inszenierung – er hat auch eine eigene Textfassung erstellt – bewusst nur in Ansätzen. Frei nach der Idee: Wer will, kann sehen. Wer das nicht will, soll sich einfach amüsieren.

Orangen

Ausstatter Dietmar Solt hat dafür eine sehr elegante Bühne und die meist passenden Kostüme geschaffen. Meereswellen im Hintergrund, das Serail oder auch ein Orangenbaum, dessen Früchte auf die Köpfe von Pedrillo oder Osmin purzeln. Das wird übrigens zum Running-Gag des ersten Aktes. Dazu kommen Farbenpracht und Bühnennebel – fertig ist das Mozart-Märchen samt Happy-End.

Zwei Eingriffe gestattet sich die Regie. So darf Blonde – sie ist bei Lakner ein kesses, britisches Punk-Girl mit Peitsche – auch den Brexit thematisieren, so darf etwa Pedrillo auf Spanisch fluchen. Und Osmin erliegt am Ende sogar einem Herzinfarkt. Soll sein.

Und die musikalische Seite? Hier gibt es Licht und Schatten. Da singt Matjaž Stopinšek – er wird immer mehr zu einem Badener Haustenor – seinen Belmonte nobel und auf Linie. Da hat die koreanische Sopranistin Jay Yang alle für die Konstanze erforderlichen Koloraturen und meistert auch ihre „Martern-Arie“ (während dieser will sie der sonst fast zu dezente Thomas Weissengruber als Bassa vergewaltigen) mit Bravour.

Wortdeutlichkeit

Als stets agiler Pedrillo setzt Ricardo Frenzel Baudisch bewusst auch auf seine darstellerischen Fähigkeiten. Juliet Petrus gibt die kesse Blonde, der es jedoch massiv an Wortdeutlichkeit fehlt. Über diese verfügt Krzysztof Borysiewicz als Osmin; stimmliche Tiefe oder die nötige Durchschlagskraft sind dafür leider seine Sache nicht.

Bleiben Dirigent Franz Josef Breznik und das Orchester, die einen sehr soliden Mozart abliefern, aber ruhig etwas mehr an Dramatik abliefern dürften. Egal, Baden hat eine „Entführung“ im Angebot, die garantiert niemanden wehtun wird.