© Stefan Rappo

1944 - 2019
09/04/2019

Modefotograf Peter Lindbergh mit 74 Jahren gestorben

Lindbergh galt als einer der einflussreichsten Modefotografen der vergangenen 40 Jahre. Er prägte das "Supermodel"-Phänomen der 1990er-Jahre. Er starb nun im Alter von 74 Jahren.

von Marco Weise

"Ich kann mir gar nicht vorstellen, ohne eine Geschichte zu erzählen, Fotos zu machen", sagte Peter Lindbergh einmal. Darum gehe es beim Fotografieren - und um Schönheit. "Wenn man die Courage hat, man selbst zu sein, dann ist man schön."

Mit seinem Foto von fünf jungen Frauen (Campbell, Evangelista, Patitz, Turlington und Cindy Crawford) in der New Yorker Innenstadt läutete Lindbergh Ende der 1980er-Jahre nicht weniger als ein neues Zeitalter der Modefotografie ein. Stand bis dato die Kleidung im Vordergrund, ging es nun um die Frauen, die diese Mode präsentierten.

Heute, Mittwoch, wurde bekannt, dass der deutsche Starfotograf im Alter von 74 Jahren starb.

Einstellung zur Arbeit
Für Lindbergh war es stets die Haltung, die einen guten Fotografen ausmache. "Selbst Modefotografen - auch wenn man es nicht annehmen sollte - haben eine Form von Verantwortung." Die heutige Darstellung von Frauen in Medien prangerte er stets an: "Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen", sagte er - und das liege an Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, die alle Hinweise auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten. "Da kann man jeden Menschen auf Null reduzieren." Ob seine Einstellung und seine Arbeit darum Kunst seien, das könne er allerdings nicht sagen: "Ich weiß nicht, ob es Kunst ist. Mir reicht, wenn es ein Foto ist."

Ära der Topmodels
Lindbergh arbeitete seit den späten 1970er Jahren mit den angesehensten Modemagazinen zusammen, wie Vogue, Harper's Bazaar und The Face. Seine Art über Mode zu berichten, schuf auch eine neue Vision der Mode. Im Verlauf der Jahre hat er Bilder geschaffen, die die Geschichte der Mode einfangen. Seine Bilder sind gekennzeichnet von einem minimalistischen Ansatz. Lindberghs romantische Vision seiner Modelle bietet eine neue Interpretation von Frauen nach den 1980er Jahren. Eine neue Generation an Models wie Linda Evangelista, Naomi Campbell und Cindy Crawford waren das erste Mal in seiner berühmten Fotografie "Wild at Heart" versammelt, womit die Ära der Topmodels begann.

Lindbergh wurde am 23. November 1944 unter dem Namen Peter Brodbeck in Polen geboren. Seine Familie wurde nach Deutschland vertrieben und ließ sich in Duisburg nieder. Nach einer Lehre als Schaufensterdekorateur und einem Malerei- und Designstudium in Krefeld arbeitete er zunächst als Werbefotograf. Seinen Durchbruch hatte Lindbergh dann 1978 mit einer Modefoto-Strecke für den "Stern".

Fotografiegeschichte schrieb er mit einem Bild von sechs späteren Supermodels in weißen Hemden, das 1988 in der "Vogue" erschien. Danach arbeitete er mit nahezu allen namhaften Designern zusammen.

Seine Schwarz-Weiss-Fotografien sind vom frühen deutschen Kino, vom modernen Tanz der 20er Jahre und der industriellen Umgebung beeinflusst.Lindberghs Bildsprache ist von einer filmischen Ausdrucksweise bestimmt und vom Spiel mit weiblichen Archetypen. Seine Aufnahmen haben einen extrem hohen Wiedererkennungswert und sind längst Klassiker und Ikonen.

Im Taschen Verlag sind zwei Bildbände von Peter Lindbergh erhältlich:
"A Different Vision on Fashion Photography". Peter Lindbergh, Thierry-Maxime Loriot. 472 Seiten.
"Shadows on the Wall". Peter Lindbergh, 288 Seiten.