Kultur
30.08.2017

Mit Figls Mercedes zu Dollfuß

Haus der Geschichte in St. Pölten: Das niederösterreichische Vorzeigeprojekt wird am 9. September eröffnet.

Die Marketing-Leute des Hauses der Geschichte im Museum Niederösterreich verfolgen eine ähnliche Strategie wie Sebastian Kurz: Häppchenweise schüren sie die Neugierde auf die neue Dauerausstellung, die in der einst der Kunst zugedachten Shedhalle des ehemaligen Landesmuseums aufgebaut wird. Stolz verkündete man zum Beispiel, dass der Dienstwagen des ehemaligen Außenministers Leopold Figl, ein schwarzer Mercedes Benz mit der respekteinflößenden Nummerntafel W15, zu sehen sein wird. Nicht minder stolz gab man bekannt, dass sich der ÖVP-Parlamentsklub – angeblich auf Betreiben von Altlandeshauptmann Erwin Pröll – von einem delikatem Porträt getrennt hat; in St. Pölten zeigt man das Bildnis des austrofaschistischen Frontführers Engelbert Dollfuß kontextualisiert.

Und nun, am Dienstag, gab Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner eine Pressekonferenz unter dem Motto "Nur noch elf Tage" – bis zur Eröffnung am 9. September. "Punktgenau" seien Zeit- wie Kostenplan eingehalten worden. Ihr Vorgänger hatte das Projekt in die Wege geleitet, im April 2014 wurde der Beschluss der Landesregierung gefasst, ein halbes Jahr später nahm der internationale Berat unter dem Vorsitz des Grazer Zeitgeschichtlers Stefan Karner die Arbeit auf. Im Gegensatz zum Projekt des Bundes (finanziert ist bis dato bloß eine Ausstellung in der Neuen Burg zur Gründung der Republik) gab es tatsächlich keine Verzögerungen. Und die Beteiligten versichern, dass man mit den budgetierten drei Millionen Euro – eine erstaunlich niedrige Summe angesichts einer Ausstellungsfläche von 2000m² – das Auslangen gefunden hätte: 500.000 Euro kosteten die baulichen Maßnahmen (Einbau eines Lifts etc.), 2,5 Millionen die opulent bestückte Dauerausstellung und die erste, von Karner konzipierte Schwerpunktausstellung "Die umkämpfte Republik" (1918 bis 1938).

Im Haus der Geschichte wird die Landes- und Nationalgeschichte immerzu im Wechselspiel mit den Entwicklungen in Europa erzählt. Im Vordergrund stehen elf Themenkomplexe ("Cluster") wie Demokratie, Industrialisierung und Migration, die jeweils chronologisch aufbereitet werden.

Da wohl ein Gutteil der Besucher Schüler sein werden, wurde ganz besonderes Augenmerk auf Vermittlung gelegt. Innerhalb des Ausstellungsparcours gibt es mehrere "Foren", in denen diskutiert oder unterrichtet werden kann. Interessant ist auch der Service-Aspekt: Man will als "Clearingstelle" fungieren – und z.B. bei Recherchen nach im Krieg verschollenen Verwandten helfen.

Stefan Karner beteuerte, dass es von der Politik keinerlei Einflussnahme gab. Ausgestellt wird daher auch die wenig rühmliche "Taktik des Straßenkampfes" von General Theodor Körner, die im Bürgerkrieg 1934 eingesetzt werden sollte. Karner fungiert noch bis Jahresende als Direktor; die Leitung wurde nun von der NÖKU ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft bis 17. September.