Adele Neuhauser bei den Dreharbeiten zu „Faltenfrei“  

© Jacqueline Krause Burberg/BR, Bavaria, ORF

Interview
12/17/2020

Mit dem Rollator nach Kroatien: Adele Neuhauser über neue Serie

Adele Neuhauser über "Unter Freunden stirbt man nicht", Problemzonen und die "Tatort"-Pension.

von Marco Weise

Die heute, Donnerstag, auf TV Now (ein von RTL ins Leben gerufenes Video-on-Demand-Angebot) startende Miniserie „Unter Freunden stirbt man nicht“ ist eine flott erzählte Geschichte über Freunde, allesamt Best Ager. Also 55 plus, die versuchen, das Ableben ihres Freundes Hermann (Walter Sittler) mit billigen Tricks – vom Räucherstäbchen bis zum Rollentausch – zu verheimlichen.

Mittendrin: Schauspielerin Adele Neuhauser, die an der Seite von Heiner Lauterbach, Iris Berben und Michael Wittenborn die Eskalationsspirale dreht.

KURIER: Bei „Unter Freunden stirbt man nicht“ sind Sie die einzige Österreicherin unter deutschen Kollegen. Wie sehr mussten Sie Ihren Dialekt schleifen?

Adele Neuhauser: Ursprünglich war es gewünscht, dass ich meinen österreichischen Dialekt ablege. Aber das bin nicht ich. Angepasst habe ich mich aber. Da ich eine Zeit lang in Deutschland gelebt habe, ist mir das nicht allzu schwer gefallen.

Gab es Humorunterschiede?

Nicht wirklich. Michael Wittenborn, der den Friedrich spielt, hat einen köstlichen Humor. Ich war begeistert, wie lustig Heiner Lauterbach war. Er hat einen zarten, leichten, liebevollen Humor. Und Iris Berben habe ich als herzliche, lustige und unkomplizierte Person kennengelernt.

Die Serie spricht eher ein älteres Publikum an. Täuscht mich dieser Eindruck?

Ich würde sagen, dieser Eindruck täuscht. Weil die Handlung der Geschichte wird sehr jugendlich erzählt. Und so wie die Serie gefilmt und geschnitten wurde, ist das eher etwas für ein jüngeres Publikum.

Hat Walter Sittler, der den toten Hermann spielt, eigentlich die schwierigste Rolle?

Ich glaube, ja. Denn er muss eine präsente und zugleich nicht präsente Person spielen. Es ist wahnsinnig anstrengend, körperlich nicht in der Normalspannung sein zu dürfen. Es ist auch sehr schmerzhaft, denn wir schleppen, bewegen und lassen ihn auch immer wieder fallen. Der arme Walter hat da schon einiges durchhalten müssen.

In „Faltenfrei“ spielen Sie, so viel bekannt ist, eine Frau mit den richtigen Cremen.

(lacht) Ja, ich spiele Stella Martin, die auf der Beauty-Ebene einiges zu sagen hat und in diesem Bereich auch als Ikone gilt. Sie ist Bestseller-Autorin von diversen Lebensratgebern. Es sind Bücher mit Titeln wie „Ich bin auf die Welt gekommen, um sie euch zu erklären“. Das sagt ja schon viel über diese Frau aus. Stella Martin ist eine sehr eingebildete, arrogante Person, die glaubt, wirklich allen Menschen erklären zu müssen, wo es langgeht. Sie muss dann aber schmerzhaft feststellen, dass sie an einem Punkt angekommen ist, wo für sie auch ein Umdenken stattfinden muss. Während einer Schönheitsoperation fällt sie vom OP-Tisch, und ab diesem Zeitpunkt hört sie die Gedanken um sie herum. Das korrigiert ihren Blick auf die Welt total. Es ist eine großartige Komödie, so etwas Herrliches, Absurdes, Märchenhaftes. Es macht großen Spaß, das zu spielen.

Wie halten Sie es mit der eigenen Vergänglichkeit?

Das ist natürlich nicht so lustig. Ich werde zunehmend vorsichtiger, was ich dem Publikum zumuten möchte (lacht). Anlässlich der Dreharbeiten zu „Faltenfrei“ gab es eine Szene in einem Schwimmbad, wo ich im Badeanzug meinen Auftritt habe. Im Urlaub ist einem das ja egal, aber vor laufender Kamera ist das etwas anderes.

Aber Sie waren zuletzt im „Tatort“ oben ohne zu sehen…

Das war mir komischerweise egal. Man zeigt halt nicht unbedingt gerne die problematischeren Stellen seines Körpers.

Für das „Tatort“-Jubiläum haben die Münchner mit den Kollegen aus Dortmund ermittelt. Würde Sie so eine Kollaboration interessieren?

Ja, wir reden schon länger davon, dass wir so etwas gerne einmal machen würden.

Haben Sie da ein Wunschteam, vielleicht die Kollegen aus München?

Ach, es könnten auch die Hamburger sein. Oder die Kollegen aus Berlin. Am liebsten wären mir Dreharbeiten weiter südlich. In Kroatien oder in Italien. Aber dort gibt es ja leider keine Kollegen.

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser sind ein eingeschworenes Team. Könnte der eine ohne den anderen überhaupt weiterermitteln?

Darüber haben wir schon einmal geredet, um zu sehen, wie der andere das sieht. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir gerne gemeinsam weitermachen möchten; dass der eine ohne den anderen weiterermittelt, wäre sehr komisch. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Am besten wäre es, wenn wir in unserem letzten gemeinsamen Fall mit dem Rollator über eine Bodenbombe spazieren würden (lacht).

Oder einfach in Kroatien in Pension gehen…

Genau. Und dort ermitteln wir dann im Altersheim weiter.

Miniserie
„Unter Freunden stirbt man nicht“ ist eine erstklassig besetzte vierteilige Miniserie die ab  heute, Donnerstag, auf dem Video-on-Demand-Dienst TV Now abrufbar ist (www.tvnow.at). Die Serie wird 2021 auch via VOX im Free TV zu sehen sein. Ein Sendetermin steht aber noch nicht fest

"Tatort"-Jubiläum
Am 20. Dezember (20.15/ORF2)  wird mit „Unten“  der 25. „Tatort“ mit Adele Neuhauser  als Bibi Fellner ausgestrahlt. Es ist  das  „Tatort“-Regiedebüt von Daniel Prochaska.

 

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