Wellen in der Fassade, dahinter zeigen sich Risse: Bei ProSieben sorgen drei Großinvestoren für Spekulationen über eine Übernahme

© REUTERS/Michaela Rehle

Kultur
06/10/2020

Milliardärsfernsehen: Wer wird ProSieben übernehmen?

Der Tscheche Daniel Kretinsky stockte seine Anteile auf. Auch die Familie Berlusconi ist an Bord.

von Philipp Wilhelmer

Wer sich immer schon billig bei Medienunternehmen einkaufen wollte: Jetzt ist die Zeit dafür. Daniel Kretinsky, tschechischer Energieunternehmer und Multimilliardär, hat die Gelegenheit genutzt und seine Anteile an Deutschlands größtem Privatsenderverband aufgestockt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, besitzt er nun 12 Prozent an der ProSiebenSat.1 Media SE, in der ProSieben, Sat.1, aber auch Puls 4 gebündelt sind.

Der Zukauf war erwartet worden, die Aktien billig, die Gelegenheit offenbar passend. Will der Tscheche mehr? Und was tun die anderen Aktionäre? Heute, Mittwoch, ist die Hauptversammlung – und die wird mit Spannung erwartet, nicht nur, weil es der erste Auftritt des neuen Managers Rainer Beaujean ist, der diesen noch dazu mitten in der Corona-Krise absolviert.

Deutschlands größte Senderfamilie hat eine illustre Eigentümerschaft aus dem Ausland: Die Familie Berlusconi hält rund ein Viertel der Aktien und ist damit größter Einzelaktionär, gefolgt von Kretinsky mit 12 Prozent. Der amerikanische Investmentfonds KKR besitzt seit Mai fünf Prozent.

60 Prozent sind Streubesitz, also in den Händen kleinerer Anleger.

Totalübernahme?

Sowohl Berlusconis Mediaset als auch Kretinskys CMI waren immer wieder Gegenstand von Spekulationen über eine Totalübernahme.

Mediaset arbeitet etwa an einem europäischen Senderverbund und hätte ProSieben dort gerne als Partner gesehen – bisher machte der bei München beheimatete Sender jedoch keine Anstalten. Zwingen kann man sie mit den vorhandenen Stimmrechten nicht.

Gleichzeitig betonte man in Mailand, eine feindliche Übernahme sei schon deswegen nicht geplant, weil dies zu erheblichen politischen Irritationen führen würde – die Familie des ehemaligen italienischen Premiers Silvio Berlusconi in einer Übernahmeschlacht bei einem der deutschen Medienunternehmen würde wohl tatsächlich unangenehme Begleitgeräusche hervorrufen.

„Agiler Investor“

Und Kretinsky? Der hat sich jüngst bei der geplanten Übernahme des deutschen Handelsriesen Metro die Zähne ausgebissen und hält Medienbeteiligungen quer durch Europa – etwa bei der französischen Le Monde. Eine politische Agenda, die man von Oligarchen kennt, hat er dabei nicht erkennen lassen. Strategisch ist er jedenfalls ein „äußerst agiler Investor“, wie ihn das deutsche Manager Magazin charakterisiert.

Denkbar wäre, dass er mit den Italienern gemeinsame Sache macht und damit das ProSieben-Management unter Druck setzt. Die Beziehung der Aktionäre zur Führungsetage ist sehr strapaziert worden. Im März war der glücklose Vorstandschef Max Conze nach zwei Jahren abgesetzt worden. Seine Amtszeit war geprägt von internen Querelen, die ein ehemaliger Manager als „Seifenoper“ bezeichnete, bevor auch er abberufen wurde.

Conze wurde vom Finanzchef Beaujean beerbt, der mitten in der Corona-Krise übernehmen musste. Seine Agenda: Sparen und den Laden zusammenhalten.

Spannend im Aktionärsgeflecht bleibt auch die

Rolle von KKR, der erst im Mai bei ProSieben eingestiegen ist: Zwar besitzt der amerikanische Investor nur 5 Prozent an ProSieben, ist aber gleichzeitig auch größter Aktionär des Axel-Springer-Konzerns (Bild, Welt). Auch hier gäbe es genug Möglichkeiten zur Kooperation. KKR spricht hingegen von einem „finanziellen Investment“.

Rüffel

Im Vorfeld der Hauptversammlung fand Mediaset harte Worte: Der Konzern habe „in den letzten Jahren versucht zu überleben, ohne eine Strategie für sein Mediengeschäft zu haben“, sagte Mediaset-Finanzchef Marco Giordani dem Spiegel.

Auch von den Investorengruppen kommt Druck: Für den Fonds Deka ist ProSiebenSat.1 „ein Lehrstück, wie eine notwendige Änderung des Geschäftsmodells – nämlich weg von der Dominanz der TV-Werbeeinnahmen – durch Managementquerelen ad absurdum geführt wurde und wertvolle Zeit verloren ging.“ Hier müsse der Aufsichtsrat schneller eingreifen, „wenn Managementstile zulasten der Unternehmenskultur aus dem Ruder laufen“.

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