Milhaud: Menschliche Götter am Catwalk

Premiere beim Carinthischen Sommer: Mit "Die Rückkehr des verlorenenen Sohnes" (Bild) wurde diese Kantate von Darius Milhaud erstmals szenisch aufgeführt. Dazu gibt es noch drei "Minutenopern" von Milhaud
Foto: CS/Ferdinand Neumüller

Kritik - Beim Carinthischen Sommer sind Werke von Darius Milhaud zu sehen, u.a. "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" als Premiere.


Ruck-Zuck geht das - und Theseus wird befreit, Europa entführt und Ariadne verlassen.
Völlig hemmungslos, fidel und weltlich wird man in den drei "Minutenopern" von Darius Milhaud, die jeweils maximal zehn Minuten dauern, rasant und augenzwinkernd durch die griechische Antike gejagt.

Im Alban-Berg-Saal in Ossiach zeigt Regisseur Titus Hollweg bei der diesjährigen Musikproduktion des Carinthischen Sommers, "Götter und Söhne", sehr menschliche Götter, die alle in weißen Papierkostümen wie auf einem Catwalk zwischen den Zuschauern lieben, blödeln, leiden und töten. Die Musik des französischen Komponisten Milhaud (1892-1974), dem das Kärntner Festival heuer einen Schwerpunkt widmet, ist wunderbar farbig und melodiös. Trotz der kurzen Sequenzen der musikalischen Ideen - manche "Arie" dauert nur wenige Takte.

Bravourös

Der Kontrast könnte nicht größer sein, wenn danach in der Stiftskirche Milhauds Kantate "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" erstmals szenisch aufgeführt wird.
In sparsamen Kulissen im Altarraum wird die Fortsetzung der biblischen Geschichte - "Der verlorene Sohn" von Benjamin Britten war hier jahrelang eine Art "Jedermann" - von Hollweg in eine moderne Zeit verlegt und in Folge als sittenstrenges, katholisches Drama gezeigt.
Dabei verlässt letztlich der vom Librettisten André Gide hinzugefügte, jüngste Sohn wiederum sein Elternhaus.

Milhauds Musik schwebt hier wie ein Klangteppich, reich an Valeurs, durch den Raum und wird von Sequenzen von Jean-Baptiste Lully unterbrochen.
Die Camerata Schulz unter der Leitung von Emanuel Schulz spielen beide diffizilen Teile mit Bravour und Genauigkeit.
Aus dem jungen, im ersten Teil sehr vitalen, durchgängig gut besetzten Ensemble ragen hervor: Sebastian Huppmann als verlorener Sohn, Steffen Rössler und Michaela Christl als die Eltern, Marian Olszewski (jüngster Bruder). Und Steven Scheschareg (älterer Bruder, Hippolytos, Dionysos) sowie Heidi Manser (Europa und Ariadne) sind ebenfalls zu würdigen.
Zu sehen gibt es "Götter und Söhne" erneut am 26. Juli und am 9. August, um jeweils 20 Uhr, in Ossiach, Alban Berg Saal und Stiftskirche.

KURIER-Wertung: ****
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(kurier) Erstellt am
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