Kultur
09.07.2018

Mick Jagger in Warschau: "Bin zu alt, um Richter zu sein"

Mick Jagger beim Hamburg-Konzert am 9. September 2017. © Bild: APA/AFP/dpa/CARSTEN REHDER

Rolling-Stone-Frontmann äußerte sich zu umstrittener Justizreform in Polen

Bei einem Konzert in Polen hat Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger auf eine Bitte des polnischen Ex-Präsidenten Lech Walesa hinsichtlich der umstrittenen Justizreformen im Land reagiert. „Ich bin zu alt, um ein Richter zu sein, aber ich bin jung genug, um zu singen“, sagte er auf Polnisch bei dem Konzert in Warschau am Sonntag laut einer von der Zeitung „Gazeta Wyborcza“ veröffentlichten Aufnahme.

„Ihr wisst, wir sind vor langer Zeit nach Polen gekommen, 1967“, sagte Jagger dann weiter auf Englisch mit Blick auf das erste Stones-Konzert in dem Land, das noch zu Zeiten des Kalten Krieges stattfand. „Ich hoffe, Ihr haltet an allem fest, was Ihr seitdem gelernt habt, Gott segne Euch!“, fügte Jagger hinzu.

Der Friedensnobelpreisträger Walesa, ein Gegner der nationalkonservativen Regierung in Warschau, hatte die Rockveteranen zuvor aufgefordert, politisch Stellung zu beziehen. Viele Menschen in Polen, die die Freiheit verteidigten, bräuchten Unterstützung, hatte Walesa am Samstag bei Facebook geschrieben. Wenn die Stones in Polen „etwas sagen oder tun könnten, würde ihnen das wahrlich etwas bedeuten“. In Polen würden derzeit „schlimme Dinge passieren“, schrieb Walesa in seinem Aufruf an die Rolling Stones weiter.

Walesa hatte sich in der vergangenen Woche den Protesten gegen den Zwangsruhestand von Richtern des Obersten Gerichts angeschlossen. Der Zwangsruhestand für die Richter gehört zu einer Reihe umstrittener Justizreformen, derentwegen die EU-Kommission seit 2016 gegen die Regierung in Warschau vorgeht. Walesas Gewerkschaft Solidarnosc hatte maßgeblich zum Sturz des Kommunismus in Polen im Jahr 1989 beigetragen.