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MetaStadt: Marilyn Manson kreischt sich durch das Programm

Das Wien-Konzert des amerikanischen Schock-Rockers hinterließ einen schalen Eindruck - trotz des guten zweiten Teils.
Marilyn Manson performs at Iconica Santalucia Sevilla Fest

Lange hat man künstlerisch nicht viel von Marilyn Manson gehört. Der Schock-Rocker war seit 2021 mit Missbrauchsanklagen von mehreren Frauen konfrontiert gewesen. Die meisten wurden schließlich wegen Verjährungsfristen und Mangel an Beweisen eingestellt. Ende 2024 startete Manson, der deswegen auch seinen Plattenvertrag verloren hatte, mit dem Album „One Assassination Under God“ zum Comeback.

Jetzt steht der Amerikaner, der in den 90er-Jahren mit den Alben „Antichrist Superstar“ und „Mechanical Animals“, einem Sound-Mix aus Glam-Rock und Industrial, und provokantem Auftreten wie ein moderner Alice Cooper berühmt wurde, auf der Bühne der MetaStadt in Wien - und er sieht aus wie anno dazumal: Das Gesicht ist blass-weiß geschminkt, die Augen mit den ungleichen Kontaktlinsen sind fett mit schwarzem Kajal umrandet. Nicht wenige der 7.500 Zuseher waren ähnlich gestylt gekommen, um den 57-Jährigen zu feiern.

Doch viel zu feiern gibt es zumindest am Anfang nicht. Er startet mit dem Song „Nod If You Understand“ aus „One Assassination Under God“, brüllt sich damit vor blinkenden Kreuzen mit doppelten Querbalken in die Show hinein. Dabei bleibt er auch erst mal: Die ersten 20 Minuten kreischt er sich durch das Programm, geht mit „Great Big White World“ in die Vergangenheit zurück, mit „Exit Wound“ (aus dem im August erscheinenden zweiten Teil von „One Assassination Under God“) in die Zukunft. Und will mit häufigem „I love you guys“- oder „Let me hear you“-Geschrei zwischen den Songs die Gegenwart aufpeppen. 

Ganz gelingt ihm das in dieser Phase nicht. Ja, der Sound ist okay, die Musiker sind versiert, die Band gut eingespielt. Auch die variantenreichen Rhythmen sind ein Pluspunkt. Darüber aber werden die Songs mit brachialem Metall und Mansons Brüll-Gesang zu einem monotonen Einheitsbrei zusammen geprügelt. Das Feuer, das Manson in seiner Glanzzeit versprühen konnte, fehlt. Er wirkt wie ein Poser, der seine eigenen Klischees breittritt, sie aber nicht mehr mit Leidenschaft erfüllen kann.

Stimmung kommt deshalb erst auf, als er als zehnten Song seinen größten Hit „The Dope Show“ auspackt, das Brüllen sein lässt, die Songs differenzierter klingen, und er mit „mOBSCENE“ und dem Eurythmics-Cover „Sweet Dreams“ weitere Highlight seiner Karriere anschließt.

Aber da ist er nach etwas mehr als einer Stunde auch schon beim Zugaben-Block angelangt. Manson legt dann immerhin noch drei Mal nach, unter anderem „Tourniquet“ von 1997 und mit seiner Version des Depeche-Mode-Hits „Personal Jesus“.

Den schalen Eindruck, dass Brian Hugh Warner dem Manson-Charakter längst entwachsen ist, das nur mehr macht, um entweder seine Eitelkeit zu bedienen und/oder Geld zu verdienen, kann der gute zweite Teil des Konzertes auch nicht mehr auslöschen.

KURIER-Wertung: 3 Sterne

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