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Per Gessle: „Roxette basiert auf Nostalgie“

Per Gessle hat seine verstorbene Roxette-Partnerin Marie Fredriksson für eine neue Tour durch Lena Philipsson ersetzt. Im KURIER-Interview erklärt er, warum.
Zwei Personen posieren eng nebeneinander vor blauem Hintergrund, beide in schwarzer Kleidung.

Am 9. Dezember 2019 starb Roxette-Sängerin Marie Fredriksson an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Schon 2002 war bei der damals 44-Jährigen ein Gehirntumor diagnostiziert worden. Sie war danach noch mehrmals mit ihrem Duo-Partner und Songwriter Per Gessle auf Tour. Per Gessle zeigt sich im KURIER-Interview als „extrem dankbar“ dafür, diese Extra-Jahre mit ihr gehabt zu haben. Jetzt ist Gessle mit der neuen Sängerin Lena Philipsson, die in Schweden seit Langem ein Star ist, wieder auf Roxette-Tournee. Am 22. Juli macht der 67-Jährige dabei in Wien Halt, wird mit Philipsson auf der Donauinsel auftreten. Im Interview erklärt er, warum er dabei ganz auf Nostalgie setzt.

KURIER: Sie waren nach Maries Tod als „Per Gessle’s Roxette“ mit zwei Sängerinnen aus ihrer Backing-Band auf Tour. Sie sagten damals, Sie wollen so deutlich machen, dass Marie nicht ersetzt wird, weil sie nicht ersetzt werden kann. Warum hat sich dies mit Lena geändert?

Per Gessle: Damals habe ich ein gemischtes Programm gespielt, neben Roxette-Hits auch Solo-Songs und Covers. Das war keine richtige Roxette-Show. Danach habe ich mit meiner schwedischen Band und solo gearbeitet und wusste ehrlich gesagt nicht, was ich mit den Roxette-Songs machen soll. Dann habe ich Lena eingeladen, einen Song für mein Solo-Album mit mir zu singen. Und das klang sensationell.

Hat Sie das überrascht?

Ich kannte Lena seit den 80er-Jahren, aber wir waren nie zusammen im Studio. Und als sie loslegte, dachte, ich, verdammt, sie könnte die Roxette-Songs singen. Denn die sind schwierig zu singen. Man braucht dafür eine gewisse Kapazität im Tonumfang, die ich selbst nicht habe.

Frau Philipsson, Sie haben drei Wochen über das Angebot nachgedacht. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Lena Philipsson: Es ist keine einfache Situation, denn alle wollen Marie diese Songs singen hören. Ich dachte darüber nach, wie es für mich wäre, wenn ich auf der Bühne stehe und mich keiner dort haben will. Gleichzeitig wusste ich, dass es schwer wird, Nein zu sagen, denn ich würde mich den Rest meines Lebens fragen, was, wenn ich ja gesagt hätte. Ich habe auch meine Mum gefragt, und sie meinte, dass das eine großartige Chance sei. Und Mums Rat muss man respektieren.

Wie haben Sie sich auf die Tour vorbereitet?

Philipsson: Schon Monate vor der ersten Probe habe ich mir die Roxette-Hits immer wieder sehr genau angehört. Denn ich wollte sie so singen, wie Marie sie gesungen hat. Beim ersten Konzert in Südafrika war ich sehr nervös. Aber die Roxette-Fans haben mir schnell das Gefühl gegeben, dass ich willkommen bin.

Herr Gessle, Marie hat Ihnen angeblich einmal gesagt, dass Sie nach ihrem Tod weiter auf Tour gehen sollen. Gäbe es diese Tour, wenn dem nicht so gewesen wäre?

Gessle: Marie und ich haben vor ihrem Ableben darüber gesprochen, aber sie hat nicht direkt gesagt, dass ich weiter machen soll. Im Prinzip hat sie gesagt, mach das, was du mit Roxette machen willst. Und ich dachte, ich habe all diese Songs geschrieben, ich habe eine Verpflichtung mir und auch den Fans gegenüber, dass ich sie gut pflege. Lena war dafür das Missing Link.

Haben Sie beide überlegt, Marie zum Beispiel in einem Video einzuspielen und für einen Song ein virtuelles Duett mit ihr zu gestalten?

Philipsson: Nein, aber es war mir wichtig, Marie zu erwähnen und dem Publikum zu erzählen, wie sehr ich sie und diese Songs respektiere, dass ich nicht hier bin, um Marie zu ersetzen, sondern um Per zu helfen, diese Songs wieder live zu spielen.

Herr Gessle, Sie wollen nichts dazu sagen? 2022 haben Sie erzählt, dass Sie Marie immer noch sehr vermissen und jeden Tag an sie denken.

Gessle: Was Lena sagt, ist wunderschön, und ich finde, das ist genug. Ich will nicht zu sehr in der Vergangenheit rumstochern und an Maries Vermächtnis erinnern. Denn was passiert ist, ist unheimlich traurig und schmerzlich. Aber es ist eine Tatsache. Also gab es für mich nur die Optionen weitermachen oder eben nicht. Und ich habe mich fürs Weitermachen entschieden.

Wollen Sie mit Lena auch neue Roxette-Songs aufnehmen?

Gessle: Wir sprechen darüber, aber das wäre ein sehr großer Schritt. Roxette basiert mittlerweile auf Nostalgie. Die Leute kommen zu den Shows, um „The Look“ oder „Joyride“ zu hören. Hätten wir ein Album mit neuen Songs und würden dann bei den Konzerten drei davon spielen, würden alle gehen und sich ein Bier holen. Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, dafür ein ganz neues Kapitel aufzuschlagen.

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