Kultur
14.12.2017

"Meine schöne innere Sonne": Immer den Tränen nahe zum Lachen bereit

Juliette Binoche gerät als liebeshungrige Künstlerin an die falschen Männer.

Sie möchte keine Flirts und keine One-Night-Stands, sondern sie möchte echte Liebe – und die ist schwer zu finden. Auch dann, wenn man so hinreißend aussieht wie Juliette Binoche, die als liebeshungrige Künstlerin Isabelle ein schlechtes Händchen bei Männern beweist.

Der verheiratete Banker, mit dem sie ins Bett geht, erweist sich als arrogantes Alpha-Männchen. Er demütigt sie mit Sätzen wie "Du bist bezaubernd, aber meine Frau ist außergewöhnlich."

Der Schauspieler, von dem sie sich verführen lässt (ebenfalls verheiratet), bereut die gemeinsam verbrachte Nacht umgehend. Selbstverliebt belehrt er sie, dass das "davor" immer besser als das "danach" ist.

Dann endlich meint es einer ernst mit Isabelle. Das Glück scheint perfekt. Allerdings stammt der neue Verehrer nicht aus gehobenen Pariser Künstlerkreisen, wie sie selbst, sondern aus proletarischen Niederungen: "Worüber redet ihr eigentlich?", will ein sarkastischer Freund wissen. "Wir reden die ganze Zeit", empört sich Isabelle. Doch schon steht die Beziehung auf dem Prüfstand.

Regisseurin Claire Denis ("Beau travail") ließ sich für ihre untypische, beschwingt-sprechfreudige Komödie mit den melancholischen Untertönen von Roland Barthes’ wohl populärstem Buch "Fragmente einer Sprache der Liebe" inspirieren. Und Juliette Binoche verkörpert die Rolle der ewig den Tränen nahen, manchmal nervtötenden, immer aber auf das Recht ihrer Gefühle pochenden Künstlerin mit verletzlicher Perfektion.

Claire Denis erzählt die Liebessehnsucht ihrer Heldin als immer wieder ins Chaos stürzende Unmöglichkeit. Die wechselseitige Verkennung der Liebenden scheint unvermeidbar. Nie siehst du mich da, wo ich dich sehe.

INFO: F 2017. Von Claire Denis. Mit Juliette Binoche, Xavier Beauvois, Nichoulas Duvauchelle.

KURIER-Wertung:

Hautnahe Improvisationen mit einer Anspielwurst

In fünf Tagen ist Drehbeginn und die Regisseurin hat ein Problem: Ihr fehlt die Hauptdarstellerin. Mehrere bedeutende deutsche Schauspielerinnen stehen zur Auswahl – von Andrea Sawatzki bis Corinna Kirchhoff – doch sie kann sich nicht entscheiden. Immerhin geht es um ein Remake eines so bedeutenden Films wie Rainer Werner Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" – und die Hauptrolle wurde im Original von der großen Margit Carstensen gespielt.

Während sich die Diven bei den Proben die Türklinke in die Hand geben, bleibt einer immer gleich: Es ist der arbeitslose Schauspieler Gerwin Haas, der Anspielpartner während der Probeszenen – und von allen nur verächtlich die "Anspielwurst" genannt. Der österreichische Schauspieler Andreas Lust ("Der Räuber") spielt diese Rolle der Anspielwurst mit hervorragender Geschmeidigkeit: Immer weiß er sich den Allüren der jeweiligen Partner und Partnerinnen anzuschmiegen und sich dabei mehr und mehr unabkömmlich zu machen. Die hautnahen Improvisationsszenen der Darsteller arrangiert Regisseur Nicolas Wackerbarth zu einer trefflichen Versuchsanordnung, in denen das Schauspiel haarscharf mit dem Leben kollidiert.

INFO: D 2017. 91 Min. Von Nicholas Wackerbarth. Mit Andreas Lust, Judith Engel, Andrea Sawatzki.

KURIER-Wertung: