Springer-Chef Döpfner: "Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten"

Springer-Chef Döpfner: "Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten"
Die "Zeit" veröffentlichte heikle Chatnachrichten, die einen Einblick in die Gedankenwelt des Medienmanagers ("Bild", "Welt") geben.

Matthias Döpfner ist einer der mächtigsten Medienmanager der Welt: Als Chef des Axel-Springer-Konzerns (Bild, Welt) leitete er eine beispiellose Expansion in die USA ein und erwarb zahlreiche Plattformen wie Politico. Daheim kriselt es hingegen: Sein Vertrauter, der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt stolperte über Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegenüber Mitarbeiterinnen. Nun legt die Wochenzeitung Zeit Dokumente vor, die einen bemerkenswerten Einblick in die Gedankenwelt des Konzernchefs geben: Von Corona über Ostdeutschland über Moslems. Döpfner nahm in dem Artikel trotz Anfrage nicht Stellung, so die Zeit.
 

"Eklig"

"Sie zeichnen, ergänzt durch Gespräche mit Insidern und Beteiligten, das Bild eines Vorstandsvorsitzenden, der getrieben von seiner Ablehnung Angela Merkels schien", schreibt die Zeitung. Unter anderem über die Bürger im ehemaligen deutschen Osten: "Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig."

"Fuck the intolerant muslims"

Auch was den Islam angeht, findet er drastische Worte. Religionsfreiheit unterstützte Döpfner, allerdings: "Free west, fuck the intolerant muslims und all das andere Gesocks", heißt es in einer von der Zeit publizierten Nachricht. Die Klimakrise bewertete Döpfner offenbar positiv: "Zivilisationsphasen der Wärme waren immer erfolgreicher als solche der Kälte. Wir sollten den Klimawandel nicht bekämpfen, sondern uns darauf einstellen."

Die "Grippe" für Alte und Kranke

Ähnlich wissenschaftsfeindlich seine Haltung zum Thema Pandemiemanagement: "Corona ist eine Grippe gefährlich für Alte und Kranke", schreibt er. Politik und Wirtschaftsführer würden "unsere offene Gesellschaft für immer zerstören", und weiter: "Das ganze ist so surreal. Kollektiver Verstandes Verlust. Der Coup der Gefühligkeit. Das absolute Scheitern der Eliten. Es ist ein Endpunkt."  Im 1. Lockdown 2020 sieht er "das Ende der Marktwirtschaft. Und der Anfang von 33." Was mit 33 gemeint ist, lässt sich nur erahnen. Historischer Fakt ist: 1933 ergriff Adolf Hitler in Deutschland die Macht.

Adidas als Problemmieter

Noch interessanter wird es, wenn der Milliardär Döpfner private wirtschaftliche Interessen mit dem Verlag vermischt, den er managt: Als Adidas zu Beginn der Pandemie beschließt, keine Mieten mehr zu bezahlen, fragt er, ob Bild da nicht etwas machen könne. Was niemand weiß - die Financial Times deckte das später auf: Das Haus, in dem der Sportartikelkonzern Mieter ist, gehört unter anderem Döpfner. Die Bild liefert: Eine Serie von Adidas-kritischen Artikeln erscheint, bis die Marke mit den drei Streifen einlenkt.

"Letzte Hoffnung" FDP

Politisch ist Döpfner ein nahezu besessener Gegner von Angela Merkel, wie sich aus den Nachrichten herauslesen lässt (und auch aus der publizistischen Linie der Bild). Vor der Bundestagswahl 2021 sieht er offenbar überhaupt nur mehr eine Option: "Unsere letzte Hoffnung ist die FDP. Nur wenn die sehr stark wird – und das kann sein – wird das grün rote Desaster vermieden. Können wir für die nicht mehr tun. Die einzigen die Konsequenz gegen den Corona-Massnahmen-Wahnsinn positioniert sind. It’s a patriotic duty."

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