Weißmann nach ORF-Aus: Beziehung zu Mitarbeiterin "in beidseitigem Interesse"

Der Ex-ORF-General sieht seine Rechte seit Tagen "massiv verletzt" und fühlt sich vom Unternehmen "medial vorverurteilt".
Roland Weißmann.

Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat sich über seinen Anwalt in einer langen Stellungnahme zur Causa um seinen Rücktritt zu Wort gemeldet. Er hatte am Sonntag seine Funktion zurückgelegt, nachdem eine Mitarbeiterin Vorwürfe Fehlverhaltens erhoben hatte. Weißmann weist diese zurück. Über ihren Anwalt hatte die Betroffene dem Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer sowie seinem Stellvertreter Gregor Schütze in der Vorwoche entsprechendes Material vorgelegt.

Diese Unterlagen habe Weißmann "entgegen anders lautender Behauptungen weder einsehen noch entgegennehmen" können, heißt es in der Aussendung. Das Material sei bislang nach seiner Kenntnis "nicht auf Authentizität überprüft" worden. Auch eine am Donnerstag im Stiftungsrat verlesene Stellungnahme der Betroffenen kenne er nicht. Seine Rechte würden seit Tagen "massiv verletzt", vom ORF fühle er sich "medial vorverurteilt". 

"Keine Spannungen"

Mit der Frau habe er etwa seit Ende 2019 eine "private Beziehung" gehabt, die als "emotionale Affäre" begonnen habe. Zu dem Zeitpunkt sei er nicht ihr Vorgesetzter gewesen (Weißmann wurde 2021 zum Generaldirektor gewählt, seine Amtszeit begann 2022). In "beidseitigem Interesse und Initiative" sei es zu "gemeinsamen Essen, Laufausflügen, Besuchen zu Hause" sowie "immer wieder zu regem Austausch per Telefon und Chats" gekommen. Dabei seien auch "intime und höchstpersönliche Nachrichten" ausgetauscht worden.

2021 sei die Beziehung deutlich abgekühlt. 2022 habe die Frau Weißmann kontaktiert und zu einem "romantischen Essen" eingeladen, es sei zu "einvernehmlichem physischem Kontakt" gekommen. Danach habe sie sich zurückgezogen, was sie ihm mit Nachrichten und Telefonaten mitgeteilt habe. Diese seien offenbar mitgeschnitten worden. Die beiden hätten auch danach noch Kontakt gehabt, etwa bei gelegentlichen gemeinsamen Laufausflügen. Danach habe es "keine Spannungen" gegeben, während der Beziehung "niemals irgendeine Form der Druckausübung oder eines Machtmissbrauchs".

Forderungen der Betroffenen

Eingegangen wurde in der Aussendung auch auf die Forderungen der Frau: Mit der Übergabe des Ton-, Bild-, und Videomaterials an das Stiftungsratspräsidium habe sie den Rücktritt Weißmanns, einen Verzicht auf eine weitere Kandidatur, eine Geldspende an eine karitative Organisation sowie die Übernahme ihres Anwaltshonorars gefordert. Dafür habe er eine Frist bis zum 10. März bekommen. Später sei diese auf den 9. März verkürzt worden. Andernfalls wären der Journalismus, das Unternehmen oder die Öffentlichkeit einbezogen worden, wie es in der Stellungnahme weiter heißt.

Das Stiftungsratspräsidium habe Weißmann mitgeteilt, dass "bereits die erhobene Verdachtslage" ausreiche und er zurücktreten müsse. Am Abend des 8. März, also am Tag des Rücktritts, sei Weißmann "überraschend" vom Stiftungsratspräsidium mitgeteilt worden, "dass dieser nun doch eine Presseaussendung am 9. März veröffentlichen werde, in der Vorwürfe sexueller Belästigung thematisiert werden würden." Heinz Lederer hat wiederholt betont, dass Weißmann freiwillig zurückgetreten sei.

Streit um Pensionsansprüche von Pius Strobl

Am Donnerstag wurde in der medialen Diskussion zudem der Name Pius Strobl ins Spiel gebracht. Spekuliert wurde über einen Zusammenhang mit nicht erfüllten Pensionsforderungen des Strobls. Von diesen habe Weißmann am 31.12.2021 erfahren, heißt es in der Aussendung. "Da hierzu im ORF bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Dokumentation vorgelegen war, hat Mag. Weißmann eine externe rechtliche Überprüfung beauftragt." Diese sei zum Ergebnis gekommen, "dass die Ansprüche nicht zu Recht bestünden", was Weißmann Strobl auch "unmissverständlich" mitgeteilt habe. 

Strobl hatte gegenüber dem Standard bestätigt, dass er und die Betroffene denselben Anwalt beschäftigen. Zu einer Beeinflussung sei es nicht gekommen: "Die betroffene Frau braucht(e) meine Motivation nicht, sondern nur ihren persönlichen großen Mut für diesen Schritt."

Thurnher will "volle Transparenz"

Die von Lederer und der neuen Generaldirektorin Ingrid Thurnher angekündigte Aufarbeitung begrüße Weißmann. Er wolle die Vorgänge dennoch selbst einer "weitgehenden rechtlichen Prüfung" durch eine Anwaltsfirma zuführen.

Thurnher war am Donnerstag vom Stiftungsrat mit der vorläufigen Führung der Geschäfte betraut worden. In der "ZIB2" kündigte sie eine genaue Untersuchung der Causa sowie "volle Transparenz" an. "Das wird eine Herkulesaufgabe, das sage ich auch ganz offen.“  

Sowohl die Vorwürfe der sexuellen Belästigung als auch die Hintergründe der Auseinandersetzung zwischen Weißmann und Strobl sollen aufgearbeitet werden: „Wenn was Wahres dran ist, wenn da irgendetwas nicht in Ordnung ist mit dem, was da passiert ist, dann werden wir es aufdecken und klarlegen.“ Auch, ob der ORF tiefergreifende Probleme im Umgang mit Frauen habe und in welcher Dimension, "werden wir uns jetzt genau anschauen."

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