Kosten-Nutzen-Faktor von ORF III stimmt für Publikum und Konzern, meint Peter Schöber

© ORF/Roman Zach-Kiesling

Interview
07/04/2021

ORFIII-Chef Peter Schöber: "Bin mit Leib und Seele Programmmacher"

Ein Gespräch über Corona, den Kulturbegriff, den Stellenwert der Information, den Spielplatz vom Chef und die ORF-Wahl

von Christoph Silber

Es ist das Jubiläumsjahr: ORF III  wurde vor zehn Jahren gegründet, ebenso lang ist Peter Schöber dort Chef. In dieser Zeit hat sich der Sender vom Archiv-Kanal zur Anlaufstelle für Kultur und Kulturinteressierte entwickelt. In jüngerer Zeit wurde auch der Stellenwert der (Live-)Information ausgeweitet.

Werfen wir zunächst den Blick zurück auf die für die Kultur-Szene wenig erfreulichen Monate. Man muss zugestehen: Der ORF, und speziell ORF III, haben da versucht, sehr nachdrücklich die Kultur-Lücke – sowohl fürs Publikum, wie für die Künstler – zu schließen.

Was uns mit den Partnern aus der Kultur in dieser schwierigen Zeit wirklich gelungen ist: Überall, wo Kultur stattfinden durfte, war ORF III dabei und damit auch das Publikum. Und wenn möglich sogar live. Ein Beispiel dafür ist „Kultur Heute“, das wir ganz bewusst als werktägliches Kultur-Magazin im Sendeschema während der Pandemie belassen haben. Dutzende Vertreter der Kultur- und Kunstszene konnten so ORF III in den vergangenen Monaten als Auftritts- und Präsentationsmöglichkeit nutzen. Und wir hatten die spektakuläre und für die ROMY nominierte Reihe „Wir spielen für Österreich“ mit hochkarätigen Premieren aus der Wiener Staatsoper wie „Nabucco“ mit Plácido Domingo, „Tosca“ mit Anna Netrebko, Frank Castorfs „Faust“ mit Juan Diego Flórez, aber auch die Theater-Edition mit zwölf TV-Premieren von der Burg bis zum Werk X. Das war ein klares Bekenntnis - dafür gibt es den ORF, den öffentlich-rechtlichen Auftrag und sehr breiten Kultur-Zugang von ORF III.

Die aktuelle Corona-Situation und der Sommer machen es möglich, dass Kultur-Institutionen und Festivals wieder starten können. Wie bereitet man sich als Sender auf diesen Schritt zurück ins „richtige“ Kulturleben vor und was ist geplant?

Wir haben in der Pandemie-Zeit beispielsweise unsere Kooperationen weiterentwickelt und ausgebaut. Zu bereits bestehenden Vereinbarungen mit dem Land Niederösterreich, dem Burgenland und der Wiener Staatsoper sind mit der Steiermark und Oberösterreich weitere dazugekommen. Das ermöglicht uns jetzt nicht nur einen Schnellstart, sondern insgesamt ein hochklassiges und vielseitiges Programm im Sommer und darüber hinaus. Die erste Produktion sind die „Klassikstars am Traunsee“ mit dem Bruckner Orchester Linz und mit Rolando Villazón und Regula Mühleman am 4. Juli, live um 20.15 Uhr. Unser Ziel ist es, dass der Sonntag der Live-Kultur-Tag bei ORF III wird – in der von Barbara Rett gewohnt erstklassig kuratierten Sendeleiste „Erlebnis Bühne“. Als erste steirische Produktion kommt das „Tosca“-Open-Air aus Graz mit Jonas Kaufmann, Kristīne Opolais und Sir Bryn Terfel live am 22. August. Die Vereinbarung hier umfasst in Summe bis zu 22 Neuproduktionen, darunter auch Theater und Kleinkunst. Das bringt damit auch eine Aufwertung der regionalen Kulturszene.

Keine Kostenfrage

Was auffällt ist, es gibt keine Vereinbarung mit dem Bundesland Wien …

… die ist auf der Zielgeraden. Mit der Stadt Wien verbindet uns auch so schon eine langjährige, sehr gute Zusammenarbeit. Angedacht sind bislang mindestens sechs Produktionen aus den Wiener Spielstätten – darunter fallen beispielsweise die Wiener Symphoniker, deren Konzert vor dem Belvedere jüngst das erste große Open-Air-Konzert europaweit war. In Summe waren live auf Arte und in ORF III 1,6 Millionen Zuseher europaweit dabei, allein 200.000 in Österreich. Das ist ein Beispiel dafür, wie wir die österreichische Kultur und unseren Anspruch als Kulturnation auch nach außen tragen.

Dermaßen viele, teils aufwändige TV-Produktionen, mitunter live, müssen teuer sein.

Das ist nur umsetzbar durch eine innovative Produktionsweise, neueste Technik und eine wirklich tolle kaufmännische Geschäftsführerin, Eva Schindlauer. Wir produzieren zu einem Bruchteil der Kosten, wie das noch vor 15 Jahren der Fall war. Wir sprechen da, auch bedingt durch die Zusammenarbeit mit den Häusern, von 15.000 bis max. 50.000 Euro je Live-Produktion.

Der  Kultursommer in ORFIII gibt heute ein kräftiges Lebenszeichen mit „Wir spielen für Österreich – Klassikstars am Traunsee“ (live, 20.15).

Weitere Highlights (Auszug):

 „Jordi Savall in Stainz  - Musik von Händel, Fux, Vivaldi (10. Juli, 21.00, live)
„Aus der Oper im Steinbruch: Turandot“ (14. Juli, 21.05, live)
„Klassik in den Alpen“ mit Elīna Garanča (18. Juli, 20.15)
„Garanča & Thielemann – ein Duo für Richard Wagner!“ (25. Juli, 20.15)
„Aus Erl: Die große Wagner-Gala!“ (25. Juli, 20.45)

Unterhaltung

„8 Ideen für eine Million“, Bildungsshow mit Andi Knoll, Ani Gülgün-Mayr (9. Juli, 20.15)
„Kabarett unter Sternen: Tafelrunde-Open-Air“ (28. Juli u. 25. August, 21.55)
„Day of Rock“ (15. August, ganztags)
Donauinselfest 2021 (17. – 19. September, ganztags) 

ORF III ist vor zehn Jahren gestartet. Sie sind der Gründungsgeschäftsführer. Wie würden Sie die Entwicklung beschreiben?

Als eine Herausforderung. Ich habe ja damals das erste Konzeptpapier dazu verfasst und ich kann heute sagen, es ist das geworden, was ich mir damals gewünscht habe. Vor zehn Jahren war ORF III im Wesentlichen ein Archivsender. Heute sieht das völlig anders aus, heute ist ORF III ein Sender, der in den maßgeblichen Programmzonen hauptsächlich originäres Programm spielt. Content ist King, gilt auch für ORF III und das in besonderer Weise.  Ich bin ein Kind der Ars Electronica und habe mich mit Digitalisierung schon Ende der Achtziger Jahre beschäftigt - und mit ihren Möglichkeiten, die wir heute nutzen können. ORF III hat neue Wege bei der Produktion beschritten, auch bei der Produktionstechnologie bis hin zu den redaktionellen Workflows. Diesen Weg der Innovationen wollen wir weiter gehen. Dabei muss man sich aber auch die Kennzahlen vor Augen führen – knapp 2,5 Prozent des ORF-Gesamtbudgets fließen zu ORF III. Damit sprechen wir jeden Tag 13 Prozentder Bevölkerung  – aktuell 970.000 Zuseher – täglich an, die durchschnittliche Verweildauer liegt bei 27 Minuten, was ein vergleichsweise sehr hoher Wert ist. Der Kosten-Nutzen-Faktor für den ORF-Konzern – aber natürlich auch für das Publikum – ist, denke ich, sehr gut.

ORF III gilt als so etwas wie die öffentlich-rechtliche Legitimation für den Konzern.

Wenn das so ist, erfüllt mich das mit einigem Stolz.

Aber nur 2,5 Prozent des Gesamtbudgets sind dafür da – stimmen da noch die Relationen?

Mehr Budget ist immer gut. Aber klar ist auch, dass die Herausforderung für den gesamten Konzern die Budgetlage ist und bleibt. ORF III hat aber eindrucksvoll zeigen können, dass wir mit überschaubaren Budgets deutlich mehr Output, also originäres, neuproduziertes Programm, zustande bringen. Klar ist auch, wäre ORF III immer noch auf dem Entwicklungsstand wie vor zehn Jahren – damals als Archivsender – hätte man heute berechtigt die Diskussion darüber, ob es diesen Sender wirklich braucht. Diese Frage stellt sich ebenso wenig wie – und das auch dank ORF III -, ob es einen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk braucht. In Deutschland ist die Diskussion wieder aufgeflammt.

Synergien heben

Bei einer Zahl von nur 2,5 Prozent des Gesamtbudgets, wie sie eben sagten, wird es die Diskussion bald geben.

Es ist ja wohl kein Fehler, wenn die ORF-Sender mit Gebührengeldern pfleglich umgehen. 75 Prozent unserer Budgets gehen 1:1 ins Programm, von dieser Summe sind lediglich zehn Prozent fürs Kaufbudget reserviert, 90 Prozent gehen in österreichische Produktionen. Das ermöglicht ORF III maßgebliche Investitionen in die heimische Produktionslandschaft.

Hin und wieder heißt es, zugegeben etwas boshaft, das ist ORF III deshalb alles möglich, weil die Rechnung über Umwege andere im Konzern zahlen. Etwa weil ORF 2 dann für ORF-III-Leistungen zur Kasse gebeten wird. Ist dem so?

Ich muss sagen, solche Anmerkungen habe ich ORF-intern noch nie gehört. Diesbezüglich gibt es im Konzern ganz klare Regeln und Modalitäten, die für alle gelten. Klar ist auch, dass wir innerhalb des Konzerns alle darauf achten, die knapper werdenden Ressourcen optimal zu nutzen und es, historisch gewachsen, in der Konzern-Mutter andere Strukturen gibtIch habe die letzten Jahre diesbezüglich auch nie als Gegeneinander, sondern als ein Miteinander erlebt auch im Versuch, Synergien zu heben.

Zur Person

Peter Schöber (50) war Teil des Gründungsteams der Ars Electronica. Kam 1998  als Büroleiter des Infodirektors und Programmplaner ins ORF-Zentrum. Absolvent des CNN International Professional Programm. Machte TW1 zu ORFIII

Zum Spartensender

Am 26. Oktober 2011  ging ORFIII on air. Die Geschäftsführung teilen sich heute Peter Schöber (Programm) und Eva Schindlauer (Finanzen). 2020 lag ORFIII  bei einem Marktanteil von 2,6 Prozent (+ 0,3  Prozent gegenüber 2019), die Tagesreichweite bei 900.000 Sehern (+ 100.000), die Verweildauer bei 26 Minuten (+ 17 Prozent)

Sie selbst sind eine solche Synergie. Sie verantworten neben ORF III auch die Partner-Kulturprogramme 3sat, Arte und ARDalpha. Wie ist der Status und wohin soll hier die Entwicklung gehen?

Bei 3sat ist unser Ziel, noch viel stärker das österreichische Kunst- und Kulturschaffen, aber auch die landschaftliche Schönheit in den Vordergrund zu rücken. Gleichzeitig versuchen wir auch an Themen-Tagen mit Dokumentationen, die gesellschaftliche Aspekte aufgreifen, zu punkten. Da geht es um die konkrete Einbringung von Programm. Darüber hinaus gibt es mit der täglichen „Kulturzeit“, die gut funktioniert, einiges an Synergien. Mit Arte kooperieren wir sehr stark bei Dokumentationen, das reicht von historischen Produktionen bis hin zur Zeitgeschichte, bezieht aber auch „Universum“ und „Universum History“ mit ein. Da geht es vielfach auch um klassische Koproduktionen. Jedenfalls versuchen wir stets Produktionen, an denen der ORF beteiligt ist, hier wie dort bestmöglich unterzubringen – und natürlich gilt das auch umgekehrt. Beide Kooperationssender haben in Österreich gute Quoten: 3sat lag 2020 bei 1,5 Prozent Marktanteil,  Arte bei 1 Prozent.

ORF III ist mittlerweile nicht nur Kultur, sondern hat die Sendezeit für die Information und die Qualität hier stark ausgeweitet. Also, es geht weit über die Live-Übertragung einer Nationalratssitzung hinaus.

Den Weg, den wir bei der Kultur gegangen sind, wo wir als Zweit- und Dritt-Verwerter es zum originären Programmschaffen gebracht haben, den haben wir mit Ingrid Thurnher als Chefredakteurin in Lichtgeschwindigkeit auch in der ORF-III- Information absolviert. Am Anfang standen die erwähnten Parlamentssitzungen, die immer noch wichtig sind und auch einen hohen Publikumszuspruch haben. Jetzt gibt es mit „ORF III Aktuell“ eine werktäglich Sendestrecke ab 9.30 Uhr mit Analysen, Gesprächen im Studio, Diskussionen. Der Aspekt, der immer stärker zum Tragen kommt, heißt live, live, live.  Kauf-Content gibt es anderswo auch. Der Weg ist aber nur gangbar, wenn man mit neuester Technologie auch die Kosten entsprechend reduzieren kann (weil z. B. die Studio-Regie remote gemacht wird).

Newsroom-Zukunft

Chefredakteurin Ingrid Thurnher scheint ja fast im Studio zu wohnen.

Wir haben durch Um- und Neubau des ORF-Zentrums nun einen eigenen ORF-III-Trakt. In die Bürofläche integriert ist auch schon der Regieplatz der Info, das Studio ist auch direkt daneben. Damit ist gewährleistet, dass wir schnell auf Sendung gehen können. Am Beispiel Sturm aufs US-Kapitol illustriert, wurde das ganze Studio in kürzester Zeit - mit nur zwei Technikern am Remote-Regieplatz – hochgefahren. Schnell, unkompliziert und kostengünstig, das ist in diesen Zeiten alternativlos. Es ist ja auch keine Neuerfindung von ORF III, das habe ich ähnlich schon vor 20 Jahren, als ich bei CNN war, erlebt. Modernste Technik macht das nun noch einfacher.

Stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: Wie wird sich der neue multimediale Newsroom auswirken? Soll und wird es noch Abgrenzungen zum Beispiel zur ORF-2-Information, die ja auch schon ORF 1 retour übernommen hat, geben?

ORF 2 ist ein Sender, der in seiner Breite sehr viel abdeckt, wir umgekehrt können in unserem Programmschema sehr schnell und flexibel agieren. Das hat ja auch die Corona-Krise gezeigt. Es ist auch so, dass die Experten – ich sage ganz bewusst – des ORF wie u.a. Andreas Pfeifer, Hans Bürger, Fritz Dittlbacher, Peter Fritz und Raffaela Schaidreiter für ‚Inside Brüssel‘ etc. regelmäßig als Analytiker und Kommentatoren bei uns zu Gast sind. Das heißt, wir sind im Paarlauf super unterwegs. Das geht aber auch nur, weil wir ganz eng abgestimmt mit ORF 2 agieren. Was von außen betrachtet ein Trugschluss ist, ist die Erwartung, der zentrale multimediale Newsroom werde die Content legende Wollmilchsau.

Wo wird da ORF III gedanklich seinen Platz haben?

ORF III ist ein wesentlicher Inhalte-Produzent des Öffentlich-Rechtlichen auch im Informationsbereich. Das ist etwas, was die Marke ORF III stark und unverwechselbar macht. Das ist aber bei Ö3 auch nicht anders. Es geht also nicht darum, dass sich der Charakter einer Marke verändert. Vieles, das habe ich damals bei CNN jedenfalls so erlebt, wird sich entwickeln, wenn das Newsroom-Werkl tatsächlich spielt. Klar ist, dass es bei Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten bei den Ausspielwegen klare Spielregeln geben muss. Es wird auch künftig eine Chefredakteurin Ingrid Thurnher für ORF III geben, die das wirklich toll macht. Klar ist auch, dass es kein kafkaeskes Nebeneinander geben kann. Aber ich sehe das alles sehr entspannt.

Reputation ist das eine – davon hat ORF III sehr viel. Die Frage ist aber auch, schaut das wer. Wie ist das bei Euch? Quoten werden offiziell ja nicht veröffentlicht.

Zunächst, die Quoten stehen für uns nicht im Vordergrund. Fakt ist aber auch, dass wir im Hauptabend häufig vor unseren privaten Mitbewerbern liegen und das mit einem doch deutlich anderen Programm, das sehr öffentlich-rechtlich, kostengünstig produziert und originär ist. Dafür muss man sich nicht genieren. Jeden Tag schauen 13 Prozent der Bevölkerung ORF III, d. h. wir haben die Tages-Reichweite von 2019 auf 2020 um 100.000 auf im Durchschnitt täglich 900.000 Zuseher gesteigert – heuer liegen wir bisher wie erwähnt bei rund 970.000 Zusehern täglich. Wir haben auch die Verweildauer aktuell auf 27 Minuten erhöhen können. Nicht zuletzt ging auch der Marktanteil nach oben. An dem Punkt sage ich auch, ich stehe dazu, dass wir eine sehr breite Auslegung des Kulturauftrags verfolgen. Das spricht ja nicht gegen Sendungen und Beiträge, die sich sehr speziellen Bereichen widmen. Aber ein Sender, der nur die Nische der Nische bedient, den wird man bald in Frage stellen und entspricht, ehrlicherweise, auch nicht meinem Programmverständnis. Mir geht es schon auch darum, dass ORF III eine ansprechende Zuseherzahl erreicht, was unserem Publikum die Möglichkeit gibt, das eine oder andere beim Sender mehr noch zu entdecken und das gelingt uns.

Manchmal gerät der breite Kultur-Auftrag in ORF III schon sehr breit oder liegt das jetzt am Sommer? Am Montag grüßt im Hauptabend der englische Adel, am Donnerstag „Inspector Barnaby“ und auf „Vier Frauen und ein Todesfall“ muss man auch nicht verzichten.

Im Sommer, noch dazu während einer Fußball-Europameisterschaft, muss jeder Sender auf sein Budget schauen, um, wie in unserem Fall, sich danach umso stärker aufzustellen. In dieser Aufzählung jedenfalls fehlt der Sonntag, an dem immer ein Live-Kultur-Ereignis in ORF III stattfindet – manchmal zusätzlich auch unter der Woche wie die „Turandot“-Premiere in der Oper im Steinbruch am Mittwoch, dem 14. Juli. Am Samstag haben wir zudem seit Jänner 2021 einen vierten Zeitgeschichte-Slot. Aber klar ist das Programm dem Wetter und der Urlaubszeit angepasst. Das ist bei uns nicht anders als anderswo. Es wäre ja auch widersinnig, da nicht auf Konzern-Produktionen wie die „Vier Frauen“ zurückzugreifen. Und der „Kultursommer“ in ORF III beginnt ja erst.

Es geht also darum, die Leute bei der Stange zu halten.

Wir wollen das Publikum zu ORF III verführen. Ich meine, es braucht dafür einen Kulturbegriff, der so schmal wie notwendig und so breit wie möglich ist. Scheuklappen sind da falsch. Man hat mich ja auch für einen Spinner gehalten, als ich mit einem werktäglichen Kulturmagazin „Kultur Heute“ dahergekommen bin, was es sonst kaum wo gibt. Und ich kann behaupten: Ich spinne nicht, es funktioniert sehr gut und wir haben das Format 2018 auf 25 Minuten verlängert. Natürlich geht es nur, weil die Landesstudios zuliefern, die ORF-2-Kultur zuliefert. Das zieht sich inzwischen über viele Bereiche und das ist das Positive an der Einbettung in einen Konzern. So können wir auch Sendefläche den kleineren und mittleren Festivals, Freiluftkonzerten und Veranstaltungen widmen, für die es sonst sehr schwer ist, Öffentlichkeit und damit Publikum zu generieren. Wir haben heuer für sie die Initiative „Es geht los“ gestartet, im Rahmen derer wir seit Mai mehr als 50 solcher Festivals für „Kultur Heute“ besuchen.

Spielplatz

Die Abgrenzung der ORF-Sender zueinander ist ja ein schwieriges Thema, manchmal offenbar völlig problemlos, mitunter auch sehr schwierig. Wie sehen Sie die Frage der Komplementarität?

Ich glaube, dass der ORF mit seiner Senderflotte eine große Breite sehr gut abdeckt. ORF III trägt mit seinem nicht unbeträchtlichen Marktanteil dazu bei, dass der ORF-Konzern trotz der großen Konkurrenz auch außerhalb von Fußball-EM-Zeiten noch immer über 30 Prozent Marktanteil liegt. Wir liefern zwischen 2,5 bis 3 Prozent Markanteil ab, das ist doch beachtlich, zumal wenn man unsere Kosten ins Kalkül zieht. Jedenfalls bin ich dafür noch nicht kritisiert worden (lacht). 

ORF III haftet auch der Ruf an, so ein wenig der Spielplatz von ORF-Generalintendant Alexander Wrabetz zu sein, wo er dahin oder dorthin „Gutes“ tun kann, wenn es zum Beispiel um ein Festival usw. geht.

ORF III ist eine Gesamtanstrengung des ORF-Konzerns. Gut und wichtig war und ist es, dass wir von dort immer Unterstützung bekommen haben, also auch vom Generaldirektor. Das ist nichts Verwerfliches. Das wünsche ich mir auch für die Zukunft, dass wir hier die breitest mögliche Unterstützung erhalten – ORF III ist wichtig, der Vergleich macht sicher, die Kosten/Nutzen-Rechnung auch.

Deshalb darf Alexander Wrabetz an der Seite von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner drei Monate vor der Ausstrahlung einen Semmering-Schwerpunkt präsentieren – ein Schalk, wer etwas Richtung ORF-Wahl denkt.

Der Semmering-Schwerpunkt wird eine tolle Sache, wir werden sechs Neuproduktionen haben, die, so bin ich sicher, sehr gut funktionieren werden. Der Generaldirektor ist Allein-Geschäftsführer, er präsentiert auch ganz viele ORF-1- und ORF-2-Produktionen, was der Sache auch Gewicht gibt. Mir ist an der Stelle wichtig, nochmals zu betonen: ORF III ist eine Teamleistung.

Und wie schauen Sie auf diese ORF-Wahlen und wo sehen Sie sich?

Ich bin mit Leib und Seele Programmmacher und mache das auch gerne weiterhin. Wenn in Zukunft jemand die Idee hat, meine Kompetenz im Sinne des Programmmachens an anderer Stelle einzusetzen und auszuweiten, dann bin ich für solche Überlegungen offen. Ich habe vor einem Jahr neben ORF III und ARDalpha Österreich auch die Verantwortung für die weiteren Kultursender Arte und 3sat Österreich übernommen und die Performance spricht für sich. Aber ich sehe mich auch in Zukunft im Programm.

Danke für das Gespräch.

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