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Interview
11/04/2019

ORF-Stiftungsrat Zach: "Ich will hier mehr Tempo sehen"

Der Freundeskreis-Leiter der türkisen Stiftungsräte über Einsparungen, den ORF Player, ORF1-Probleme und Landesstudios.

von Christoph Silber

Die Nationalratswahlen sind geschlagen. Noch gibt es keine neue Regierung, womit sich vorerst an der Verteilung im ORF-Stiftungsrat nichts ändert. Dass sich trotzdem was tut, dafür sorgt Thomas Zach, Freundeskreis-Leiter der türkisen Stiftungsräte.

Sie haben eine außerordentliche Sitzung des ORF-Finanzausschusses für den 18. November einberufen. Warum? Geht es dem ORF wirtschaftlich so schlecht?

Nein, aber wir haben mit gutem Grund den Budgetprozess heuer sehr früh gestartet, denn es ist nicht zweckmäßig bei einem Unternehmen dieser Größenordnung ein Budget erst drei Tage vor Weihnachten zu diskutieren und zu beschließen. Das muss gerade in herausfordernden Zeiten so rechtzeitig passieren, dass noch Akzente gesetzt und Spielräume geschaffen werden können. Und darum gibt es in dieser Sitzung.

Ähnliches hat auch im Vorjahr stattgefunden, da war dann große Aufregung um weitere Einsparungen neben dem ohnehin laufenden 300-Millionen-Paket. Ist damit wieder zu rechnen?

Was da vor einem Jahr noch vom Stiftungsrat eingemahnt wurde, war die Umsetzung von vom Generaldirektor angekündigten Reformen und hatte einen Vorlauf von gut einem Jahr - das ist nicht kurzfristig. Es geht auch nicht um das Sparen nur um des Sparens Willen. Das hätte keinen Sinn. Hingegen, wenn man Strukturen und Abläufe verbessert und damit Mittel fürs Programm freimacht, dann schon. Die zuvor bereits gesetzten Reformschritte geben dem ORF jetzt überhaupt erst den Spielraum zu reagieren. Diese Reformen waren und sind alternativlos.

Zur Situation des ORF heute: Die Werbekonjunktur kühlt sich ab – für alle Medien. Dazu kommt noch die sehr schwache Performance von ORF1 nach den Reformen. Das wirkt sich aus. Wenn die Gerüchte stimmen, wird da der ORF mehr Geld verlieren, nämlich zehn Millionen, als es die bereits adaptierte Planung vorsah. Im kommenden Jahr geht man, heißt es, von 20 Millionen aus.

Ich kommentiere diese Zahlen nicht, weil sie auch noch nicht vorliegen. Jedenfalls wurden die Probleme bei der Werbung früh erkannt und bis hinein in die Werbetochter, der Enterprise, aktiv Schritte gegen den laufenden Trend gesetzt. Der betrifft ja nicht nur den ORF, sondern die gesamte Medienbranche. 

Es gibt seit eineinhalb Jahren Channel-Manager für ORF1 und ORF2. Die Sender sind höchst unterschiedlich erfolgreich. Hat sich die Einführung dieser neuen Struktur ausgezahlt?

Die Einführung der konkreten Verantwortlichkeiten bei ORF1 und ORF2 war ja keine neue Idee. Die gibt es seit mittlerweile acht Jahren. Sie wurde nur erst jetzt umgesetzt. Es ist logisch, dass Ideen, die man später umsetzt, auch erst später wirksam werden können. Und was gerade ORF1 betrifft: Es gab immer wieder die Kritik – und die wurde auch ernst genommen -, dass ORF1 nicht nur Abspielkanal von US-Serien und –Filmen sein kann, sondern auch österreichisches Programm dort verstärkt zu sehen sein soll.