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ORF-III-Belegschaft warnt in einem Offenen Brief vor Kahlschlag

Eine Halbierung des Programmbudgets sei im ORF-Konzern „beispiellos“.
Auf der Baustelle am Küniglberg steht ein großes rotes rundes ORF.Schild vor einem abgesperrten Schulhof.

In einem Offenen Brief an ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und den designierten Generaldirektor Clemens Pig appelliert die ORF-III-Belegschaft, Einsparungspläne von 50 Prozent des 15 Mio. Euro betragenden Programmbudgets des Senders zu überdenken: „Eine Halbierung des Programmbudgets ist im ORF-Konzern beispiellos. Angesichts der ohnehin geringeren ORF-III-Produktionskosten und Gehälter entbehrt sie auch jeder wirtschaftlichen Logik.“

Bereits vor der Wahl des neuen Generaldirektors waren Pläne kolportiert worden, den derzeit als Tochtergesellschaft geführten Kultur- und Info-Spartensender ins Mutterhaus einzugliedern. Die kaufmännische Geschäftsführerin von ORF III, Kathrin Zierhut-Kunz, die sich ebenfalls um den ORF-Spitzenjob beworben hatte, hatte in Diskussionsrunden vor dem Irrglauben gewarnt, der Sender, der zuletzt wegen fraglicher Finanzierung mehrerer Dokus kritisiert wurde, werde dadurch billiger. Tatsächlich sollen Dotierung und Konditionen der Verträge mit ORF III-Mitarbeitern deutlich günstiger als im Haupthaus sein. Bei Auflassung der bestehenden Struktur wird daher die Übernahme von nur wenigen Angestellten befürchtet.

„Unverhältnismäßige und unternehmensschädigende Sparpolitik“

„Die Sparpläne und der drohende Arbeitsplatzverlust verunsichern die Kolleginnen und Kollegen bei ORF III zutiefst“, heißt es im Offenen Brief. „Es steht außer Frage, dass auch ORF III einen Beitrag zu den Sparvorgaben leisten muss. Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wehren uns jedoch entschieden dagegen, dass unser Programm und unsere Arbeitsplätze einer unverhältnismäßigen und unternehmensschädigenden Sparpolitik geopfert werden.“ Eine 15-jährige Aufbauarbeit würde damit zunichtegemacht.

Die Belegschaft befürchtet nun einen Kahlschlag. „Live-Übertragungen von Konzerten und Kabarett, umfassende Information und Geschichte sowie Regionalkultur bieten ein programmliches Angebot im Ausmaß von jährlich 2.300 originären Programmstunden, das dem ORF-Publikum nicht gestrichen werden darf. Sendungen wie 'Land der Berge', 'Runde der ChefredakteurInnen' und Opern im Hauptabend können dem Sparkurs zum Opfer fallen.“

Ende Juni hat man den Vertrag von ORF III-Programmchef Peter Fässlacher auslaufen lassen. Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher hat seine Agenden übernommen. Von 2017 bis 2021 war Ingrid Thurnher Chefredakteurin von ORF III, dessen Gesamtbudget derzeit bei 30 Millionen Euro liegen soll.

ORF will „produktionsstrukturelle Doppel- oder Mehrgleisigkeiten“ evaluieren und bereinigen

Im ORF wollte man schon vor einigen Tagen gegenüber der APA „weder Höhe noch inhaltliche Details zu kolportierten Einsparungsgerüchten bei ORF III“ kommentieren. Der Spardruck sei enorm, hieß es. „Trotz größtmöglicher Anstrengungen bei strukturellen Einsparungen sind direkte Auswirkungen auf die ORF-Programmproduktion unumgänglich. Die Entscheidungen, welche Maßnahmen getroffen werden, sind das Ergebnis konzernweit koordinierter programmstrategischer Maßnahmen, deren oberstes Ziel es ist, weiterhin die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Kernaufträge und Produktion publikumsstarker ORF-Angebote sicherzustellen.“

Programmangebote würden nur in jenen Bereichen gekürzt, „wo es die strategische Evaluation empfiehlt. Aktuell werden deshalb u.a. programmliche und produktionsstrukturelle Doppel- oder Mehrgleisigkeiten evaluiert und gegebenenfalls bereinigt. Besonders im Hinblick auf ORF III ist festzuhalten, dass die Kulturangebote und Strukturen des ORF verstärkt das Angebot von ORF III unterstützen werden, um sicherzustellen, dass dort weiterhin ein umfassendes Kulturprogramm angeboten werden kann.“

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