Initiative gegen „ORF-Kulturschwund“: Ö1 plant Abbau von Kulturbeiträgen
Der ORF plant die Reduzierung von aktuellen Kulturbeiträgen im Radiosender Ö1 und ruft damit Kritiker auf den Plan. Eine in der Literaturszene kursierende Unterschriftenliste wendet sich gegen den „ORF-Kulturschwund“, der bedeute, so die Verfasser, dass pro Jahr 600 Kulturbeiträge weniger gesendet werden. „Weiters wurde die Sendezeit des 'Kulturmontags' um 5 Minuten reduziert, 5 Minuten, die beispielsweise bedeuten, es kann ein Buch vorgestellt werden oder nicht“, bezieht man auch TV mit ein.
Mit in dieser Rechnung ist auch die Reduzierung der Anzahl der Beiträge in der Ö1-Sendung Leporello von zwei auf einen, die bereits vor längerer Zeit umgesetzt wurde. „Budgetäre Überlegungen spielen hier keine Rolle. Uns geht es um journalistische Aktualität, Relevanz und den bestmöglichen Inhalte-Mix in den Ö1-Journalen“, hatte ORF-Chefredakteur Johannes Bruckenberger Anfang der Woche gegenüber der APA die Abkehr von der bisherige Usance, in jedem Morgenjournal zwei Kulturbeiträge zu bringen, begründet.
„Unverfrorene Rückstufung der Bedeutung der Kultur“
Für die Verfasser des Protestschreibens handelt es sich „um eine unverfrorene Rückstufung der Bedeutung der Kultur“ und einen „Kulturabbau ohne Not, der vielleicht einem kommenden noch größeren Personalabbau in der Kultur dient, weil so viele Kulturmitarbeiter/innen bei einer Halbierung der fix vorgesehenen Programmpunkte eine Überbelegung darstellen. Und das alles geschieht angeblich nicht einmal, weil gespart werden muss. Was passiert erst dann, wenn dieser Fall eintritt?“
Der Bildungs- und Kulturauftrag stelle eine Kernaufgabe des ORF dar, heißt es. Gefordert wird neben der Zurücknahme der Entscheidungen u.a. eine „personelle und budgetäre Aufstockung“ von Ö1 und der Aktuellen Kultur in Hörfunk und Fernsehen, aber auch der „Wiederaufbau und Ausbau eigenproduzierter Kunst-, Kultur- und Literaturprogramme und der Kunst-, Kultur- und Literaturredaktionen in den ORF-Landesstudios“. Sparmaßnahmen hätten dort bereits zu großen Einschränkungen in der österreichweiten Kulturberichterstattung geführt, heißt es aus ORF-Kreisen.
Unterschrieben wurde der Protest bis Donnerstagvormittag u.a. von den Buchpreis-Gewinnern Dimitré Dinev und Arno Geiger, Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, den Autorinnen Monika Helfer, Marlene Streeruwitz und Anna Kim, den Autoren Händl Klaus, Alois Hotschnig, Peter Rosei und Doron Rabinovici und dem Filmregisseur Erwin Wagenhofer.
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