Ex-ServusTV-CR Altenburger unter den Bewerbern für den ORF-Chef
Der frühere ServusTV-Chefredakteur, Produzent und Berater Robert Altenburger will den ORF mit einer Neuausrichtung aus der Einbahn führen.
Die Bewerbungsfrist um die Spitze des ORF ist zu Ende. Wie viele Bewerbungen es gegeben hat und wer die Formal-Kriterien auch erfüllt, weiß man erst am Montag. Dann tritt die sogenannte Findungskommission zusammen, Zahlen sind bis dahin Spekulation. Die Tendenz soll Richtung fast dreistellig gehen. Am 11. Juni entscheidet der formal unabhängige, 35-köpfige Stiftungsrat dann darüber, wer in den kommenden Jahren die Geschicke des ORF als Generaldirektor lenken wird.
Da will auch der frühere ServusTV-Chefredakteur, Produzent und Berater Robert Altenburger dabei sein. „Als Verfechter eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks, und langjähriger Mitarbeiter des ORF, sind mir die Diskussionen über das Medienunternehmen sauer aufgestoßen“, begründet Altenburger gegenüber dem KURIER seine Bewerbung. Sein erklärtes Ziel sei es daher, „sachlich und fundiert Reformen im ORF umzusetzen, um die Relevanz eines öffentlich-rechtlichen Senders in Österreich zu unterstreichen.“
Digitaler Wandel und Fokus auf die Jugend
Um den ORF zukunftsfähig aufzustellen, setzt er auf eine radikale digitale Neuausrichtung. Er fordert, den „Fokus beim Programm (Radio und TV) auf Online-Angebote legen“. Dafür will er einen umfassenden „Change-Prozess einleiten, der Produktion, Personal und Budgetmittel verlagert, um wichtige digitale Angebote umzusetzen.“
Besonders dramatisch sieht Altenburger die Lage beim jungen Publikum. Hier drohe ein massiver Bruch, weshalb er „non-lineare Programmangebote entwickeln“ möchte, „die die Zielgruppe der unter 30-Jährigen ansprechen“. Ein Blick über die Grenzen zeige den Nachholbedarf: „Öffentlich-rechtliche Sender im deutschsprachigen Raum haben dies bereits vor Jahren erfolgreich begonnen. Hier droht der ORF sonst eine ganze Generation zu verlieren.“
Regionalität und flachere Hierarchien
Neben der digitalen Transformation stehen der Föderalismus und interne Effizienz auf Altenburgers Agenda. Er kündigt an, „die Programme aus den Bundesländern ausbauen“ zu wollen und „unter Berücksichtigung der digitalen Angebote den regionalen Mehrwert“ zu stärken.
Gleichzeitig nimmt er die bürokratischen Hürden im eigenen Haus ins Visier. Altenburger plant, „interne ORF-Strukturen neu aufzustellen, um Entscheidungsprozesse zu beschleunigen“. Mit diesem Vorhaben renne er intern offene Türen ein, denn das sei „auch Anliegen vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF“.
Erfahrung über den ORF hinaus
Im oft parteipolitisch dominierten Postenkarussell positioniert sich Altenburger dezidiert als Fachmann von außen: „Ich trete bewusst als unabhängiger Kandidat an.“ Punkten will er mit seiner journalistischen und strategischen Laufbahn, wie etwa die langjährige Erfahrung aus 25 Jahren ORF, wo er laut Angaben u.a. Leiter der Formatentwicklung und Programmplaner war. Nach seiner Zeit als Chefredakteur von ServusTV ist er „freiberuflicher Konsulent für verschiedenste Programmdirektionen der ARD“. Dieser Lebenslauf muss nun wenigstens einen der 35 Stiftungsräte überzeugen, denn sie schlagen vor, wer in der finalen Runde dabei ist.
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