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ORF-Wahl: Wer bisher im Rennen ist (und wer noch dazukommen soll)

Nur noch bis Donnerstag kann man sich für die Leitung des ORF ab 2027 bewerben. Zwei hoch gehandelte Kandidaten – darunter der Favorit – haben sich noch nicht deklariert.
Das ORF-Zentrum am Küniglber.

Die Anzahl jener Menschen, die ORF-Generaldirektor ab 2027 werden wollen, ist ein bisschen wie die Temperatur in den jüngsten Wetterberichten: Sie geht steil nach oben und wird noch weiter steigen.

Ein Überblick darüber, wer bereits offiziell im Rennen ist, wer neu dabei ist, und wer noch fehlt.

Zwei nennenswerte Kandidaten haben sich bisher noch nicht deklariert: Clemens Pig, APA-CEO, gilt als Favorit, obwohl ihm die frühe öffentliche Unterstützung von Teilen der ÖVP im hochsensiblen Besetzungsprozess nicht nur genützt hat. 

Clemens Pig,  APA

Er hat sich aber bisher ebenso wenig zu einer Bewerbung bekannt wie kronehit-Geschäftsführer Philipp König, dem viele Beobachter die Leitung des ORF jedenfalls auch zutrauen würden.

Und auch die Chefin fehlt – die Frage ist nur, ob an diesen Satz ein „noch“ gehört: Ob sich Ingrid Thurnher, die den ORF bis Jahresende leitet, für die nächste Amtszeit bewirbt, ist unklar. Sie erlebte, als sie den nach der Affäre Weißmann schlingernden Koloss interimistisch übernahm, viel Zuspruch, aber seither aus mehreren politischen Ecken auch Widerstand.

Ingrid Thurnher

Die Temperaturkurve der Bewerbungen dürfte jedenfalls in den nächsten Stunden weiter steigen: Denn nur noch bis (einschließlich) Donnerstag läuft die Bewerbungsfrist. Und in das Kandidatenfeld kam zuletzt einige, teils erwartete, teils überraschende Bewegung.

Finanzen

So hat nach Ex-Puls4-Vorstand Markus Breitenecker und TV-Magazinchefin Lisa Totzauer nun auch Eva Schütz bekanntgegeben, sich zu bewerben. 

Sie hat die rechtspopulistische Sichtweisen zuspitzende Boulevardplattform exxpress.at (deren ORF-Berichterstattung oft auffällig angriffig war) gegründet. Schütz war u. a. im Kabinett des ÖVP-geführten Finanzministeriums in der ÖVP/FPÖ Regierung unter Sebastian Kurz und saß im Regierungsverhandlungsteam für den Bereich Justiz. Sie versteht ihre Bewerbung als „unabhängig“, will im ORF Privilegien beenden und die Finanzierung auf eine „langfristig abgesicherte, transparente Grundlage stellen“, hieß es in einer Aussendung.

Millionen fehlen

Letzteres, die finanzielle Situation des ORF, ist unter vielen anderen Herausforderungen – Entpolitisierung, Krisenmanagement, Veränderung der Führungskultur im ORF – eines der zentralen Problemfelder, das auf alle Kandidaten zukommt. Denn zuletzt wurden Überlegungen laut, dem ORF weitere rund 70 Millionen Euro zu streichen; und zwar jene Gelder, die dem Haus nach Einführung der Haushaltsabgabe für den Entfall der Umsatzsteuer von öffentlicher Hand abgegolten wurden.

Im Haus nimmt man dieses Szenario extrem ernst – allein wegen der Höhe: Die Summe wäre fast ein Zehntel dessen, was der ORF via Haushaltsabgabe einnimmt. Sollte dies entfallen, sind die finanziellen Vorzeichen für die nächste Geschäftsführung völlig andere als bisher.

Das Timing dieser Überlegung ist jedenfalls kein Zufall; der nächste ORF-General wird in den öffentlichen und wohl auch nicht-öffentlichen Gesprächen glaubhaft darlegen müssen, wie er mit dem Budget auskommen will.

Gerüchte darüber, wer sich trotz allem um diesen Job bewerben wird, gibt es viele. Auch Überraschungen werden nicht ausgeschlossen – und einiger Theaterdonner, bis am 11. Juni der Stiftungsrat die neue Leitung wählt.

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